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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 02:36 Uhr

Hafen : Hafen – Ort der Begegnung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie der Hafen die Menschen inspiriert und die Rückkehr des Großseglers „Zuversicht“ die Menschen bewegt /

Eckernförde | Die riesigen Container-Häfen von Hamburg und Rotterdam oder die Kreuzfahrt-Häfen von Neapel und Venedig dienen vor allem dem Welthandel bzw. dem Tourismus. Mit ihnen lässt sich der kleine, malerische Eckernförder Hafen nicht vergleichen. Seine Dimensionen sind überschaubar, Hektik, Lärm und Unruhe sind weitgehend unbekannt. Hier kann man in Ruhe dabei sein und beobachten, ohne zu stören.

Sieht man vom oberen Raum der Siegfried-Werft auf die Holzbrücke, ein allseits bekanntes Wahrzeichen unserer Stadt, erscheint sie wie eine Theaterbühne. Auftritte von links und von rechts, Abgänge zur jeweils anderen Seite, manchmal mit Aufenthalten in der erhöhten Mitte. Unterschiedliche Menschen, Einheimische und Touristen, betreten die Brücke, eilen hinüber oder gehen langsam, bleiben stehen, staunen, fotografieren, treffen sich, nehmen sich wahr, schnacken ein wenig. Das ganze Spektrum einer Gemeinschaft wird abgebildet: Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Arbeitende, Rentner, Wohlhabende, Arme, Zufriedene und Zukurzgekommene, und über allem der Himmel von Eckernförde. Viele Geschichten kann man sich dazu ausdenken.

Auch der Hafen selber bietet Anlässe für Begegnungen und Gespräche. Zum Beispiel liegen die wenigen, übrig gebliebenen Nebenerwerbs-Fischkutter morgens an ihren angestammten Plätzen und bieten frisch gefangenen Fisch an, eine Gelegenheit, sich über den Fang an diesem Tag und über die Situation der Fischer überhaupt zu unterhalten. Unterhalten kann man sich auch auf den langen, runden Schiffbrücken-Bänken, die beliebten Fischbrötchen essend oder einfach nur das Hafentreiben beobachtend. Zwischenmenschliche Kontakte ergeben sich auch während der wiederkehrenden Veranstaltungen: Fischmarkt, Konzerte, Piratenfest, Wettbewerbe. Die Auswahl ist groß.

Ein besonderer Anlass für Begegnungen ist der angekündigte Besuch eines großen Segelschiffes wie des Gaffelschoners „Zuversicht“ in Eckernförde. Viele Menschen, die ein persönliches Interesse an diesem Schiff haben, versammeln sich auf der Außenmole, hinter sich die Hafenspitze und den stillgelegten gelb-blauen Leuchtturm, vor sich den freien Blick auf die Innenförde. Man kann auf einem der runden Poller sitzen und das Geschehen auf dem Wasser beobachten. Weit draußen auf der Förde kreuzt eine Gruppe von Segelbooten während einer Regatta. Kleine, spitze, weiße Dreiecke tanzen auf dem Wasser. Sie sehen aus wie Schmetterlinge im Gleichflug. Ein wunderschönes Bild. Dazwischen taucht in der diesigen Luft eine schwarze Silhouette auf. Ist es die „Zuversicht“? Langsam bewegt sie sich und man erkennt zwei Masten ohne Segel. Bei dem ablandigen Wind müsste das Schiff kreuzen, um den Hafen zu erreichen, und das ist dem 30 Meter langen und fast sechs Meter breiten Schiff wegen der schmalen Hafeneinfahrt nicht möglich. Deswegen hält das erwartete Schiff unter Motor Kurs auf Eckernförde.

Unter den Wartenden entsteht eine leichte Bewegung, alle richten ihre Aufmerksamkeit auf das sich langsam nähernde Schiff. Obwohl sich die Anwesenden weitgehend fremd sind, scheint sie das gemeinsame Gefühl der Freude auf ein Wiedersehen mit der Besatzung zu einen. Inzwischen fährt die „Zuversicht“ in den Innenhafen ein, passiert die hoch aufragende Kirche, dreht über Backbord und legt längs der Kaimauer an. Von dem auf dem Vorschiff stehenden Steuermann durch knappe, scharf akzentuierte Informationen über die genauen Abstände zwischen Pier und Schiff geleitet, manövriert der Schiffsführer am Ruder die „Zuversicht“ an ihren zugewiesenen Liegeplatz. Auf sein Kommando wird die Besatzung wie von Zauberhand lebendig. Alle wissen, was zu tun ist. Inzwischen haben die Wartenden die Außenmole verlassen und sich am Kai versammelt. Ein mittelgroßer, brauner Hund steht zwischen zwei Dalben und sieht angespannt hinüber zum Schiff. Es ist, als ob ein gemeinsames Aufatmen der Erleichterung die Anwesenden verbindet, als das Schiff sicher festgemacht ist.

Die Stelling wird ausgebracht und nacheinander verlassen die Besatzungsmitglieder das Schiff, zuletzt der Skipper, vom stolzen Vater sehnsüchtig erwartet und innig umarmt. Schnell finden auch die übrigen Besatzungsmitglieder und Wartenden zusammen. Die allgemeine Wiedersehensfreude findet ihren Ausdruck in Umarmungen, glücklichem Lachen, hin- und herfliegenden Zurufen. Eine wunderbare Stimmung breitet sich aus und ergreift alle Anwesenden für kurze Zeit, bis sie in Gruppen das Hafengebiet verlassen.

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