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Eckernförder Zeitung

16. August 2017 | 22:12 Uhr

Hohe Heizkosten : GWU-Mieter wehren sich

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Kosten für Heizung und Warmwasser in dem GWU-Neubau in der Rendsburger Straße 62 sind wesentlich höher als beim Einzug angesetzt.

Eckernförde | Vor zwei Jahren ist Doris Rautenberg in das neue Mietshaus an der Rendsburger Straße 62 gezogen. Das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen Eckernförde (GWU) hatte dort 26 neue Wohnungen gebaut und vermietet sie günstig. Wegen des energetisch hochwertigen Standards des Gebäudes sollten auch die zu erwartenden Heizkosten niedrig ausfallen, doch die ursprünglichen Ansagen haben sich nicht bestätigt.

„Statt der angekündigten 20 Euro im Monat für Heizung und Warmwasser zahle ich mittlerweile 60 Euro“, sagt Doris Rautenberg (59). Und sie ist nicht die einzige. Auch ihre Nachbarin Inge Schudie muss statt der angekündigten 23 Euro mittlerweile 64 Euro bezahlen, andere noch mehr. So gibt Brigitta Merkel an, mit einem Angebot von 26 Euro für die monatlichen Heiz- und Warmwasserkosten gelockt worden zu sein. „Nach zwei Jahren zahlen wir aber 100 Euro mehr pro Monat.“ Zehn der insgesamt 26 Mieter geben an, deutlich mehr zu zahlen als im Mietvertrag ursprünglich festgehalten. Dabei seien gerade die geringen Nebenkosten für viele ein Grund gewesen, hier einzuziehen.

Mehrmals haben sich die Mieter einzeln beim GWU beklagt. „Wir kümmern uns drum“, soll es geheißen haben. Aber nichts sei passiert. Schließlich hat Doris Rautenberg eine schriftliche Erklärung erhalten, unter welchen Voraussetzungen die niedrigen Heizkostenvorauszahlungen angesetzt worden sind: Zum einen dürfe die Zimmertemperatur 20 oder 21 Grad nicht übersteigen, zum anderen dürften die Räume ausschließlich über das vorhandene Lüftungssystem und nicht über die Fenster belüftet werden. Zudem haben sich die Energiepreise zwischenzeitlich erhöht. Das lassen die Mieter nicht gelten. „Ich wohne ganz oben“, sagt Inge Schudie. „In meiner Wohnung ist es durch die Sonneneinstrahlung so warm, dass ich überhaupt nicht heize und trotzdem deutlich mehr für Heizung und Warmwasser bezahle.“

Eine Möglichkeit, ihren individuellen Verbrauch festzustellen, haben die Mieter nicht, denn es fehlt an Wärmemengenzählern in den Wohnungen, was die Mieter als Verstoß gegen die Heizkostenverordnung sehen. Demnach müssen 30 Prozent der Heizkosten nach Quadratmetern und 70 Prozent nach tatsächlichem Verbrauch berechnet werden.

Doch da hakt GWU-Geschäftsführer Dr. Stephan Seliger ein: „Die Heizkostenverordnung sieht vor, dass bei sehr gut energetisch ertüchtigten Gebäuden auf die Erfassung von Wärme verzichtet werden kann, weil der Aufwand für die Miete von Wärmemengenzählern und zum Ablesen fast so hoch ist wie die Heizkosten an sich.“ Auch sonst ist er anderer Meinung und hat andere Zahlen: „Im Durchschnitt liegen die Kosten für Heizung und Warmwasser pro Wohnung bei 450 Euro pro Jahr. Das macht 37,50 Euro pro Monat, und das ist nicht viel.“ Er verweist darauf, dass die Kosten auch das Warmwasser umfassen und nicht nur die Heizung. „Dabei ist der Energiebedarf für Wasser bei hocheffizienten Häusern höher als für die Heizenergie.“

15 Kilowattstunden im Verbrauch für das Heizen pro Quadratmeter – so lautete die Ankündigung bei Einzug. „Das war angestrebt. Daraus ist mehr geworden, und dem können wir uns auch nicht verschließen“, sagt Stephan Seliger. Der Wert sei ein theoretischer, ermittelt in einem Referenzklima unter bestimmten Bedingungen – ähnlich wie der Verbrauch eines Autos, der am Ende doch höher liegt und sehr vom Fahrverhalten des Nutzers abhängt. Stephan Seliger macht für die Unzufriedenheit in erster Linie zwei Mieterinnen aus, die ihre Mitbewohner aufwiegeln. „Wenn wir die anderen Mieter fragen, sagen sie, dass sie nur aus Solidarität die Beschwerden unterschrieben haben, aber inhaltlich nicht zustimmen können.“

Für die zehn Mietparteien klingt das wie Hohn und Spott. Sie sind unter anderen Vorzeichen eingezogen und ihre Kosten um ein mehrfaches gestiegen. Zudem ist es mit den hohen Heizkosten nicht getan. Da ist von nicht schließenden Türen die Rede, von Schimmel unter der Fensterdichtung, von Balkonen ohne Gefälle, so dass sich dort das Wasser sammelt, und von Wasseruhren, die weiterlaufen, selbst wenn jemand im Urlaub ist.

Seliger: „Wenn die Mieter unbedingt darauf bestehen, dass die Wärmemengen individuell gezählt werden, können wir solche Zähler nachrüsten. Wir haben in den letzten Wochen die technischen Voraussetzungen geprüft, und sie sind gegeben.“ Eines müsse den Mietern jedoch klar sein: „Das bedeutet, dass die Heizkosten teurer werden, weil zusätzlich Kosten für die Gerätemiete plus Kosten für die Ablesung hinzukommen.“ Und: Alle Mieter müssen zustimmen. „Wir können das nicht nach Bedarf eines einzelnen Nutzers machen.“ Die Mieter sollen demnächst angeschrieben werden.

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erstellt am 05.Okt.2015 | 06:18 Uhr

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