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Stadtverkehr : Gute Noten und konstruktive Kritik

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der von der ETMG erstellten „Zufriedenheitsanalyse“ wird der Stadtverkehr von den Fahrgästen überwiegend positiv beurteilt. Im Bereich Übersichtlichkeit und Infos gibt es noch Luft nach oben.

Eckernförde | Wichtige Erkenntnisse über die Akzeptanz des Stadtverkehrs in Eckernförde hat die „Zufriedenheitsanalyse ÖPNV“ den Mitgliedern des Arbeitskreises ÖPNV unter der Leitung des CDU-Ratsherrn Ralph Krüger geliefert. Für die Studie hat die Eckernförder Touristik und Marketing GmbH (ETMG) in drei Zeiträumen – September 2014, November und Dezember 2014 und März und April 2015 – 1004 Personen befragt. Das erfolgte entweder persönlich, durch die Verteilung von Fragebögen oder im Fall der Schülerbefragung vor wenigen Wochen im Online-Verfahren. Die am Montagabend vorgestellten Ergebnisse werden nun in den Fraktionen beraten und somit wichtiger Bestandteil des neuen ÖPNV-Konzepts werden, an dem der Arbeitskreis und die städtischen Gremien seit vielen Monaten arbeiten.

Mit dem Datenmaterial im Gepäck dürften sie einen großen Schritt vorangekommen sein. Projektleiterin Sabrina Bock von der ETMG hat die Antworten die 1004 Bürger ausgewertet und lieferte den Mitgliedern des Arbeitskreises ÖPNV eine erschöpfende Analyse. Abgefragt wurden die Punkte Nutzungsverhalten des ÖPNV, Zweck der Reise, Fahrscheine, Entfernung zur Haltestelle, Kombination von Bus und Bahn, Umfang des Angebots, Zufriedenheit der Fahrgäste und persönliche Angaben. Unterschieden wurde dabei zwischen den Nutzern des öffentlichen Stadtverkehrs – 598 (59 Prozent) – und den Nichtnutzern – 406 (41 Prozent, Nutzung weniger als fünf Mal im Jahr und nie, siehe Grafik).

Hier die Ergebniszusammenfassung.

 

ÖPNV-Nutzer (598)

> Nutzungsverhalten: Die meisten Nutzer fahren wochentags in Eckernförde mit den Linien 1 und 2, und zwar morgens.

> Zweck der Reise: 48 Prozent nutzen den ÖPNV, um zur Arbeit oder zur Schule und zurück zu fahren; 52 Prozent für Erledigungen und Freizeitfahrten.

> Fahrscheine: 54 Prozent der Fahrgäste nutzen Schülerangebote und Monatskarten, Einzeltickets haben einen Anteil von 25 Prozent.

> Entfernung zur Haltestelle: Eckernförde hat eine hohe Haltestellendichte. 70 Prozent gaben an, die zu ihrem Wohnort nächste Haltestelle in fünf Minuten zu erreichen. 71 Prozent gaben an, ihren Zielort von der Bushaltestelle aus in höchstens fünf Minuten zu erreichen.

> Kombination von Bus und Bahn: Gutes Zusammenwirken von Bus und Bahn. Der Zeitpuffer zum Umsteigen wird bei allen Umsteigearten überwiegend als ausreichend lang bewertet.

> Umfang des Angebots: Der Großteil der Nutzer – 71 Prozent – ist mit dem ÖPNV-Angebot zufrieden. Kritikpunkte sind die Verlässlichkeit, die Taktung und die Nachtbusse.

> Zufriedenheit der Fahrgäste: Insgesamt hohe Zufriedenheit mit den Haltestellen, den Bussen und dem Fahrpersonal. Kritikpunkte: Sitzplatzanzahl, Gestaltung und Pflege der Haltestellen, Werbung an den Bussen, zu wenig Platz für Gepäck und Kinderwagen und insgesamt zu wenig Informationen (Fahrpläne, Busliniepläne, Tarife und Fahrpreise). Die Weiterempfehlungsrate für den Stadtverkehr (28 Prozent) ist noch ausbaufähig.

> Persönliche Angaben: Die meisten Nutzer sind Eckernförde, Schüler / Azubi oder Arbeitnehmer, ohne Auto und im Alter von 14 bis 18 und 31 bis 70 Jahren.

Nicht-Nutzer (406)

> Gesamtfazit: Die Befragten sind zu 84 Prozent mobil, berufstätig (63 Prozent) und im Alter von 31 bis 70 Jahren (69 Prozent). Ein Großteil der Nichtnutzer ist anderen Verkehrsmitteln gegenüber nicht abgeneigt (51 Prozent – die sogenannte Potenzialmasse). 69 Prozent könnten sich ein Umsteigen auf Bus und Bahn vorstellen. Verbesserungsbedarf sehen sie bei Pünktlichkeit, Zeitspanne, Taktung und Fahrpreis. Wichtig an den Haltestellen sind Informationen (Fahrpläne, Busliniepläne, Tarife und Fahrpreise).

Arbeitskreischef Ralph Krüger, der sich über die mangelnde Resonanz der Sitzung bei den Schulen beklagte (nur die Grund- und Gemeinschaftsschule war vertreten), hob positiv die „hohe Grundzufriedenheit“ der Fahrgäste hervor. Der ÖPNV-Experte der SPD, Jens-Otto Vollbehr, steuerte weitere Daten bei: In Eckernförde gebe es circa 115 Haltestellen, 70 Prozent davon sind barrierefrei, die übrigen sollen es bis 2022 sein. Circa 60 Haltestellen haben einen Wetterschutz. Wilhelm Hesterberg (SPD) beklagte den im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr schlecht ausgebauten und teuren ÖPNV in Schleswig-Holstein. „In der Schwarzwaldregion kann man für zwei Euro den ganzen Tag Bus und Bahn benutzen, warum nicht in Schleswig-Holstein?“, fragte er. Der ÖPNV-Berater Wolfgang Budde gab die Antwort: „Dort erstattet das Land die Fahrgeldausfälle. In Schleswig-Holstein sind wir noch nicht soweit.“

Im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzwesen wird die ÖPNV-Zufriedenheitsanalyse als Kurzversion vorgestellt, anschließend beginnt die Arbeit in den Fraktionen. Eine Beschlussempfehlung für die Ratsversammlung soll dann Ende Mai / Anfang Juni abgegeben werden.

 

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erstellt am 29.Apr.2015 | 06:58 Uhr

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