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günstige lebensbedingungen : Gute Kinderstube für die Meerforelle

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wissenschaftler von Geomar unternehmen im Rahmen einer Studie zur Entwicklung der Meerforelle die Elektrobefischung in der Kriesebyau. Die Fangergebnisse werden als Zeichen für gute Gewässerqualität sowie optimalen Bewuchs und Beschaffenheit gewertet.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 08:46 Uhr

Sie ist nur wenige Zentimeter groß und ist für die Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel doch ein echter Gewinn – die Forelle im Parr-Stadium, gefangen in der Kriesebyau. Ist sie doch ein Beweis dafür, dass eine natürliche Vermehrung von Forellen in dem Bach stattfindet. Die Vermutung der Fachleute, dass Meerforellen in diese Gewässer aufsteigen, um dort in geschützten Kiesbetten zu laichen und diese als Kinderstube für ihren Nachwuchs benutzen, wird so belegt. Die kleine, nur wenige Monate alte Forelle ging Dr. Christoph Petereit und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern gestern in der Kriesebyau ins Netz. Der Fischereibiologe ging gemeinsam mit seinem Team auf Elektrobefischung in der Au, die Teil der elf Kilometer langen Bornbek ist. In ganz Schleswig-Holstein werden in diesem Jahr insgesamt 15 Bäche oder Vorfluter mit Zufluss zur Ostsee auf ihren Fischbestand untersucht. Die Bornbek und die Siesbek gehören zu den ausgewählten Untersuchungsobjekten.

Sehr zur Freude von Rudolf von Spreckelsen, Verbandsvorsteher des Wasser- und Bodenverbands Bornbek-Bienebek, der die Aktion gestern vor Ort begleitete. Er sieht sich in seinem Engagement für die Forellen bestätigt. Auftrag- und Ideengeber ist der Verband der Binnenfischer und Teichwirte in Schleswig-Holstein, der Eigentümer der Fischbrutanstalt Altmühlendorf ist. Gefördert wird die Studie vom Europäischen Fischereifond (EFF) und aus Mitteln der Schleswig-Holsteinischen Fischereiabgabe.

Um vergleichbare Messdaten zu erhalten, wird jeweils auf einer Strecke von 100 Metern Länge gefischt. Die Ausbeute gestern in der Bornbek, oberhalb der Staustufe im Bereich der Ortslage Kriesebyau: 50 Forellen im Parr-Stadium, zwei rund 40 Zentimeter große Bachforellen, drei Tiere verschiedenen Alters, drei Karpfen, drei Flussbarsche und zwei Stichlinge. „Dieses Habitat mit seinen schmalen Stellen mit viel Strömung und seinen breiten Stellen sowie mit Baumwurzeln und Steinen bietet gute Bedingungen für eine natürliche Vermehrung der Forelle“, zieht Dr. Petereit Bilanz. Bereits im vergangenen Jahr hat es eine Elektrobefischung an selber Stelle zwecks einer Untersuchtung gegeben. 2013 sind 22 Forellen unterschiedlichen Alters und eine Bachforelle ins Netz gegangen. Mit vor Ort ist auch Albrecht Hahn, Geschäftsführer des Landesverbandes der Binnenfischer und Teichwirte. Er ist einer der wenigen Ausbilder in der Elektrofischerei. „Schaden nehmen die Fische durch die Spannung von 130 Volt keinen“, erklärt Hahn. Der Lockstrom in dem Elektro–Kescher ziehe besonders besonders Forellen an, so Hahn. Aber auch Karpfen und Barsche gingen gestern ins Netz. Nachdem sie vermessen und gezählt wurden, entließen Dr. Petereit und sein Assistent Tim Kuchenbecker die Tiere wieder in Freiheit.

An anderer Stelle in der Bornbek fingen die Wissenschaftler zwei 60 Zentimeter lange und über ein halbes Kilogramm schwere Meerforellen und einen Aal. „Das ist doch ein Beweis für unsere gute Gewässerqualität und einen ansprechenden Bewuchs“, freute sich von Spreckelsen.

Um belastbares Zahlenmaterial zu erhalten, das internationalen Studien standhält, müsse man vergleichbare Untersuchungen über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren durchführen, so Dr. Petereit. Die jetzige Förderperiode laufe im März 2015 aus. Für ein neues Projekt müssen noch Anträge gestellt werden. Mit 140 000 Euro hat die EFF und die Fischereiabgabe die erste Projektphase 2013 gefördert.

Gerade fertiggestellt wurde die Fischtreppe im Mündungsbereich der Bienebek auf dem Gelände des Gutes Bienebek, das Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein zur Verfügung stellt. Die Kosten in Höhe von 60 000 Euro stammen sämtlich aus Fördermitteln der Europäischen Union. Wenige hundert Meter weiter höher arbeitet Manfred Peters von der Firma Peters und Söhne mit einem Raupenbagger an der Sohle für den Fischaufstieg. Auf 100 Metern Länge muss ein Höhenunterschied von drei Metern ausgeglichen werden. „Das ist zu hoch für die Meerforellen“, erklärt von Spreckelsen. Die geschützten Laichplätze könnten die Tiere ansonsten nicht erreichen. In dieser Woche will die Firma, die sich auf Naturschutz und Gewässerausbau spezialisiert hat, den Ausbau beendet haben. Damit ist ein weiterer Meilenstein in dem Projekt Schutz und Verbreitung der Meerforelle getan.

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