Gutachter für Brandstifter gefordert

22-Jähriger soll auf Parkplatz Siemsen versucht haben, Lkw anzuzünden / Gricht setzt Verfahren aus / Sachverständiger soll Angeklagten untersuchen

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02. Februar 2018, 06:38 Uhr

„Können Sie mir nicht einfach eine Strafe geben? Ich mache gerade eine Ausbildung“ – der Angeklagte, gegen den gestern vor dem Schöffengericht Eckernförde unter dem Vorsitz von Richter Tiedemann verhandelt wurde, zeigte sich zerknirscht und nahezu verzweifelt. Er konnte sich aufgrund eines starken Alkoholkonsums zwar überhaupt nicht an die Tat erinnern, war aber trotzdem reumütig und geständig.

Gemeinsam mit einem Freund soll der 22-Jährige, der aus einer Umlandgemeinde Eckernfördes stammt, am 11. Juni 2017 nachts um 1.30 Uhr auf dem Parkplatz der Firma Siemsen Gegenstände unter der Mischbirne eines Lastwagens angezündet haben. Laut Anklage des Staatsanwalts geschah dies in der Absicht, den Lkw in Brand zu setzen. Kurz zuvor soll der Angeklagte versucht haben, den 40 000 Liter-Tank eines 40-Tonners anzuzünden. Einen auf dem Parkplatz gefundenen Spanngurt soll er als brennende Lunte verwendet haben, um den Tankinhalt anzuzünden. Videoaufnahmen haben den Täter überführt.

„Ich kann mich nicht erinnern, aber ich habe Fotos gesehen, wo ich mich eindeutig wiedererkenne“, sagte der 22-Jährige. Zum Zeitpunkt der Tat habe er sehr viel Alkohol getrunken, so dass er an vieles keine Erinnerung mehr habe. Auslöser seien Beziehungsprobleme mit seiner damaligen Lebensgefährtin gewesen. „Nachdem meine Frau gesagt hat, ich wäre eine Gefahr, habe ich angefangen zu trinken“, erklärte er. Hinzu kam in der Zeit ein starker Drogenkonsum von Cannabis. Fragen zu Zeiträumen sowohl von Richter Tiedemann als auch vom Staatsanwalt konnte der Angeklagte nicht beantworten. Sprach er von seiner persönlicher Lebenssituation, kämpfte er mit den Tränen. Sowohl von den Eltern als auch von der Ex-Partnerin und den ermittelnden Polizeibeamten fühlte er sich unverstanden und angegriffen. So soll seine Freundin, Mutter eines vierjährigen Kindes, dessen Vater er nicht ist, nach seinen Aussagen versucht haben, ihn zu vergiften. Sein gesamter Tagesablauf sei vom Alkoholkonsum geprägt gewesen. „Ich bin aufgestanden, wenn ich gerade wach war, und habe sofort angefangen zu trinken.“ Vor der Trennung von seiner Partnerin will er nur wenig Alkohol getrunken haben. Angesichts seiner Aussagen und seiner persönlichen Lebenssituation entschied sich das Gericht, das Verfahren auszusetzen, um einen Sachverständigen hinzuzuziehen. „ Wir glauben, dass wir an dieser Stelle nicht weitermachen können. Es steht die Frage nach einer verminderten Schuldfähigkeit im Raum“, erklärte Richter Tiedemann. Auch sei zu überlegen, ob dem Angeklagten in einer psychiatrischen Einrichtung oder in einer Erziehungseinrichtung geholfen werden könne. Ein Gutachten soll Aufschluss aufgeben.

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