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Windpark Rieseby : Gutachten: Adler und Co. nicht gestört

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gut 50 Bürger nutzen die frühzeitige Beteiligung für die F-Planänderung zur Einrichtung des Windparks Rieseby auf Flächen östlich Gut Saxstorf. Faunistisches Gutachten sieht keine Gefährdung für Großvögel und Fledermäuse. Einwohnerversammlung am 18. Dezember.

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erstellt am 05.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Sechs Windkraftanlagen mit Gesamthöhen von rund 200 Meter sind auf der Windeignungsfläche Rieseby vorgesehen. Im Rahmen des von der Gemeinde eingeleiteten Bauleitverfahrens wurde Dienstagabend zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung eingeladen und vor allem das Faunistische Fachgutachten vorgestellt. Danach kommen die Gutachter zu der Feststellung, dass unter Berücksichtigung von festzulegenden Bauzeitenregelungen (wann nicht gebaut werden darf) das Vorhaben Windpark Rieseby auf Flächen östlich Gut Saxtorf keine artenschutzrechtlichen Verbotsbestände auslöst, heißt, keine Tier- und Vogelarten in ihrem Lebens- und vor allem Brutraum akut gefährdet werden.

Rund 50 Besucher verfolgten die Veranstaltung, zu der Bürgermeister Jens Kolls eingeladen hatte. Sie ist die erste öffentliche Beteiligungsmöglichkeit im Bauleitverfahren, das die Gemeinde mit dem Aufstellungsbeschluss zur Änderung des F-Plans im Februar eingeleitet hatte. Ziele und auch bereits Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen werden vorgestellt. Die Veranstaltung dient auch dazu, weitere Informationen von Bürgern und Anliegern in das Verfahren und die Erstellung eines Entwurfs zu integrieren, wie Thomas Struckmeier vom Ingenieurbüro für Bau-, Umwelt- und Stadtentwicklung (ipp) einleitete. Während es Dienstagabend vor allem um das Faunistische Gutachten ging, sollen am 18. Dezember, 19 Uhr, im Riesby Krog in einer Einwohnerversammlung vor allem auch technische Fragen an die Betreiber, Möglichkeiten einer Bürgerwindanlage und auch weitere Fragen zum Verfahren im Mittelpunkt stehen, so Kolls.

Das in Frage kommende Gebiet umfasst rund 90 Hektar, das im Regionalplan Ende 2012 als Eignungsfläche für Windkraftnutzung ausgewiesen wurde. Da es zwei Investoren gibt, wird jeweils ein separater vorhabenbezogener B-Plan für die Fläche 17.1 (76 Hektar) und Fläche 17.2 (14,5 Hektar) erstellt und auch zwei abgestimmte Durchführungsverträge werden vorbereitet, so Norbert Jordan, Leiter Bauabteilung im Amt Schlei-Ostsee.

Die Zuwegung zu den Baustellen soll möglichst über bestehende Wege ausgehend vom Gut Saxtorf erfolgen, stellte Christian Heß, Landschaftsarchitekt von ipp das Vorhaben vor. Auf der Basis der bisherigen Informationen hatte das Büro bereits grob den notwendigen Kompensationsbedarf mit rund 50 Hektar ermittelt. Diese Flächen sollen möglichst in räumlicher Nähe zum Windpark realisiert werden. Gedacht werde beispielsweise an die Vernässung von Mooren wie des Großen Moores oder des Saxtorfer Moores, so Heß.

Mit sehr viel größer Spannung wurde die Vorstellung des Gutachtens über Tiere und Vögel durch die Firma Bioplan erwartet. Björn Geßler stellte die Ergebnisse der Untersuchungen vor, die Biologe Detlef Hammerich und Mitarbeiter im Jahr 2012 ermittelten. Danach konnten sie bei sehr vielen Aufenthalten zu allen Tageszeiten und verschiedenen Monaten, vor allem Balz- und Brutzeiten Beeinträchtigungen für planungsrelevante Großvogelarten wie Weißstorch, Seeadler und Rotmilan ausschließen. Ebenfalls angetroffene Rohrweihen und Kraniche würden durch die gewählten Standorte der Windkraftanlagen nicht beeinträchtigt. Besonderer Schutz gelte den Brutplätzen, so Geßler, weshalb die Windkraftanlagen in verschiedenen Mindestabständen zu den Horsten stehen müssen. Die Horste waren separat erfasst worden. Sie hätten die Vögel in Flughöhen bis 50 Meter gesichtet, damit deutlich unterhalb der Höhen der Rotorspitzen, so Geßler. Ein vorhabenbedingtes Kollisionsrisiko konnte für keine der auftretenden Großvogelarten abgeleitet werden, heißt es in dem Gutachten.

Neben den Vögeln wurden mit sieben der 15 in Schleswig-Holstein vorkommenden Fledermausarten sehr viele Arten angetroffen. Besonders der Wald Kollholz wurde zweifelsfrei als Fledermauslebensraum mit besonderer Bedeutung erkannt, so Geßler. Dabei konnten sie feststellen, dass kein nennenswerter Fledermauszug stattfindet, der hauptsächliches Konfliktpotenzial darstellen würde, so Geßler. Da der Hauptaufenthalt der überwiegenden Tiere im Wald oder am Rand dessen sei, würden die vorgeschriebenen Abstände zwischen Windkraftanlagen und Wald von 500 Meter, im Fall Kollholz sogar 800 Meter ausmachen, heißt es in dem Gutachten.

In der Diskussion kritisierte Dirk Piening, dass die ausgewählte Fläche Teile eines Biotopverbundsystems umfasse, das im ersten Entwurf des Regionalplans noch ein Ausschlusskriterium für Windkraft war, im zweiten und jetzt gültigen Regionalplan war nicht nur der charakteristische Landschaftsraum Schwansen, sondern, auch „der Biotopverbund wurde aufgehoben, das verstehe ich nicht“. Er werde im Rahmen der Stellungnahmen die Anwendung einer Umweltverträglichkeitsprüfung beantragen. Aus seiner Sicht nutze vor allem der Seeadler, der Horste in Sieseby und in Hemmelmark hat, die Verbindung über das Rußlandmoor und das Kollholz. Und es sei denkbar, dass der Adler wieder einen Horst im Kollholz sucht. Da finde reger Austausch statt. Mit Fotos von großen Schwärmen von Singschwänen (Gelbschnabelschwan) und eines Schwarzstorches überraschte Piening die Bioplan-Fachleute, die nun ihr Gutachten aktualisieren müssen, wie Hammerich feststellte. „Genau dafür ist die Bürgerbeteiligung da. Wir können nicht das ganze Jahr vor Ort sein“. Weitere Hinweise und Fragen können bei der Einwohnerversammlung vorgebracht werden. Gutachten für Schallschutz und Schlagschatten sind in Arbeit, ergänzte Jordan.

Kritik brachte unter anderem Karsten Schäfer aus Loose vor, der betonte, dass vor allem auch Looser und Holzdorfer durch die hohen Anlagen betroffen seien. Und Johann Goos aus Stexwig stellte fest, dass Fledermäuse und Vögel gefragt würden, die rund 20 000 Menschen in Schwansen aber nicht.

Alle Unterlagen und Ergebnisse zum Verfahren sind über: www.amt-schlei-ostsee.de, Rieseby, Bauleitpläne im Verfahren einsehbar.

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