comedy : (Gürtel)Rosenkrieg sprudelt vor Wortwitz und Kreativität

Herr Willnowsky und Emmi lieferten sich während des Abends mehrere Wortgefechte.
Herr Willnowsky und Emmi lieferten sich während des Abends mehrere Wortgefechte.

„Emmi“ und „Herr Willnowsky“ begeistern das Publikum in der ausverkauften Stadthalle. Die beiden lieferten sich regelmäßige Wortgefechte und maßregelten auf eine witzige Art und Weise ihre Zuschauer.

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17. März 2014, 08:01 Uhr

Eckernförde | Das Publikum in der ausverkauften Stadthalle war ganz sicher nicht zum ersten Mal bei „Emmi & Willnowksy“ – oder es hat zu Hause irgendwie vorgeglüht. Wie sonst soll man sich erklären, dass es schon beim ersten Anblick des Russen Willnowsky (Christian Willner) in hemmungsloses Gelächter ausbricht. Dabei macht der gar nichts, ziept bloß seinen Reißverschluss am Hosenstall auf und nieder und bewegt dabei die Hüfte vor und zurück. Na und?

Der Arme ist Penisleptiker, wie er im Laufe des Abends nach unzähligen weiteren Konvulsionen dieser Art gesteht. Seine „heiß geliebte, sorry, scheiß geliebte“ Partnerin Emmi (Christoph Dompke), mit der er sich den ganzen Abend über ein Wort- und Bildgemetzel liefert, ist ein Bild von einer, äh, einem, äh – Theatervorhang. („Was ist ein Transvestit? Musst du Mutti fragen, der weiß das.“)

Prächtig, mächtig, farbenfroh sind ihr kleidsamer Landhaus-Store und die dazu passende Kopfbedeckung. Willnowskys Mahnung und Seitenhieb – „Benimm dich deinem Alter entsprechend“„Wie soll ich das machen?“ „Stirb.“ – gibt die Richtung des Abends vor: Das hier ist kein Rosenkrieg, das ist ein Gürtelrosenkrieg, der permanent unter den Hosengürtel geht. Und das kommt super an. Der Saal lacht Tränen. Das Programm „Forever Alive“ subtrahiert Emmi, den singenden Lady-Cake, die reimende Hornhautraspel, von Willnowsky, der nasal-säuselnden Selbstschussanlage.

Der Abend, er ist erotisch-nekrotisch, es stinkt und fault, es klingt und grault, es lacht und kracht: Es geht um Blut- und Samenspenden und um Leichenschänder, um Durchfall und Soziales, um Serienkiller, Schwule, alte Schabracken und „russische Schweine“. Auch hier ist die erste Reihe nicht sicher: Ein Gast aus Rendsburg lernt: „Schöne Stadt. Schlampig bombardiert, aber sonst...“ Ein weiterer Zuschauer aus dem Publikum sitzt im nächsten Moment auf der Bühne, erst neben Emmi, dann unter Emmi. Er schlägt sich wacker und wünscht sich – wieder freigelassen – nur eins: „Schnaps, groß.“ Und, oh Wunder – die Magnum-Jägermeister, die er für seinen Mut bekommt, die hat er sich redlich verdient. „Und ist die Frau auch noch so lieb, Handbetrieb bleibt Handbetrieb“, das vertraut Willnowsky am Bühnenrand dem jungen Laurien in der ersten Reihe an, zum Schluss und unter vier Augen. Die 479 tobenden restlichen Zuschauer amüsierten sich sicher über etwas ganz anderes. Und was verrät uns diese Stinkbombe der Kreativität? Es muss Liebe drin stecken – in einer der Ecken.

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