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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 14:56 Uhr

Unfall : Güllelaster rammt Wohnhaus in Stubbe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fahrer verliert in scharfer Linkskurve Gewalt über den 40-Tonner und rettet sich selbst aus dem Führerhaus / Bewohner bleiben unverletzt

von
erstellt am 13.Feb.2017 | 06:32 Uhr

Rieseby | Sonnabend, kurz nach 13 Uhr. Ein 40-Tonner mit 25  000 Litern Gülle im Auflieger fährt aus Angeln kommend über die Brücke Lindaunis auf der L 283 in Richtung Rieseby - dort soll auf einem Acker die Gülle ausgebracht werden. Es sind auch drei weitere Fahrzeuge eines Lohnunternehmens im Einsatz, die planmäßig ankommen. Der weiße Transporter kommt nicht an. In der scharfen Linkskurve des Ortsteils Stubbe gerät der Lastzug plötzlich ins Schlingeln, beobachten die beiden Zeugen, die hinter dem Lkw herfahren. Die Gülle kommt in Bewegung, schwappt im Tank hin und her, der Fahrer verliert die Kontrolle über seinen Lastzug, der 40-Tonner kippt nach rechts auf die Beifahrerseite, rutscht in den Vorgarten des direkt an der Straße stehenden Doppelhauses, schrammt an der Hauswand entlang und kommt dann zum Liegen. Der 55-jährige Fahrer aus dem Raum Angeln kriecht überströmt mit Gülle und Blut aus dem vollkommen zerstörten Führerhaus, beobachtet Nachbar Hans-Peter Goos. Sofort werden die Rettungskräfte verständigt, Notarzt und Sanitäter, die Feuerwehren aus Rieseby, Zimmert und Eckernförde, die Polizeibeamten aus Ascheffel, auch das Technische Hilfswerk aus Eckernförde und der Löschzug Gefahrengut des Kreises Rendsburg-Eckernförde rücken an. Später wird ein Statiker herbeigerufen, um die Bewohnbarkeit des Hauses festzustellen. In der Spitze arbeiten 75 Einsatzkräfte an der Unglücksstelle. Die linke Haushälfte, in der der Besitzer lebt, ist sicher, die rechte Haushälfte, in der eine Frau mit ihren beiden Söhnen lebt, bleibt unbewohnbar.

Etwa 20  000 Liter Gülle ergossen sich aus dem beschädigten Tank des völlig zerstörten Lastzugs über das Grundstück und drangen teilweise auch ins Hausinnere ein. Die rechte Hauswand, hinter der sich das Badezimmer der Familie befindet, wurde vollkommen zerstört. Der 19-jährige Sohn schlief zum Zeitpunkt des Lkw-Einschlags oben in seinem Zimmer, er hatte Glück, dass er 45 Minuten vorher das Bad aufgesucht hatte. Seine Mutter war zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Arbeit, sein jüngere Bruder war bei der Schwester in Kellinghusen, so dass niemand verletzt wurde.

Auch nebenan in der linken Haushälfte kam niemand zu Schaden. Der Hauseigentümer Matthias Klöppl (50) hielt gerade Mittagsschlaf, als der Laster gegen sein Haus krachte. Er erlitt einen Schock und wurde vorsorglich in die Imland Klinik gebracht, war später aber wieder wohlauf an der Unglücksstelle und konnte seine beiden Golden Retriever, die während der Bergungsarbeiten ganz ruhig gemeinsam in ihrem Körbchen lagen, in Empfang nehmen. Der Montageunternehmer muss nun abwarten, was aus seinem Haus wird. Zumindest seine Haushälfte scheint den Unfall gut überstanden zu haben, die rechte Hälfte allerdings ist massiv beschädigt und unbewohnbar, auch tragende Wände sind nach Auskunft des Statikers Norbert Woester eingedrückt worden. Die Mutter und ihre beiden Söhne werden die nächste Zeit bei Verwandten in Fahrdorf verbringen. Der Gebäudeschaden ist erheblich, Versicherungsvertreter Ralf Waschulewski rechnet im schlimmsten Fall mit einem Gebäudeabriss.

Ein Teil der ausgelaufenen 20 Kubikmeter Gülle ist in die hinter dem Haus entlangführende Riesebyer Au geflossen. Ölsperren wurden gesetzt, etwa 4000 Liter konnten später nach Auskunft von Einsatzleiter Heiko Hoop, dem Rieseby Wehrführer, abgepumpt werden. Dadurch konnte eine Verunreinigung der Schlei, in die die Au mündet, verhindert werden, sagte der Leiter des Löschzugs Gefahrengut des Kreises, Lars Wichmann. Weitere 8000 Liter Gülle pumpte die Feuerwehr vom gefrorenen Boden des Grundstücks und aus dem Haus ab. Heute sollen die Restbestände abgebaggert werden, sagte Einsatzleiter Hoop.

Das THW sichert Decken und Wände mit Deckensteifen und Stützpfeiler, um weitere Schäden bei der Bergung des 40-Tonners zu verhindern. Bergungsspezialist Horst-Dieter Joost aus Owschlag ist mit großen Kränen und Schleppern abgerückt. Die Kardanwelle muss ’rausgeschweißt werden, um ein Blockieren der Bremsen zu verhindern. Mit einem Kran und mehreren Winden wird der auf der Seite liegende Lastzug gegen 17.30 Uhr vorsichtig von der Hauswand weggezogen und langsam aufgerichtet.

Die L 283 musste ab etwa 13.30 Uhr bis gegen Mitternacht zwischen der Brücke Lindaunis und dem Abzweig Stubbe zwischen Rieseby und Sieseby voll gesperrt werden Die Polizei geht nach derzeitigem Ermittlungsstand von nicht angepasster Geschwindigkeit als Unfallursache aus.


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