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Landwirtschaftsserie Teil 2 : Güllefahren und Düngung optimieren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Februar stehen die Erstellung des jährlichen Düngeplans sowie die ersten Dünger- und Güllegaben auf dem Zettel von Landwirt Reimer Köhn.

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Alles ist ruhig draußen. Es ist vier Uhr, die Sonne ist noch nicht zu sehen. Gespensterhaft streichen am Horizont Lichtkegel durch die Nacht. Unermüdlich ziehen sie ihre Bahnen, tauchen ebenso plötzlich auf, wie sie verschwinden. Doch Gespenster sind dort zwischen Rieseby und Barkelsby nicht unterwegs.

Reimer Köhn, Landwirt aus Moorholz, sitzt am Steuer seines großen Schleppers. Seit gut einer Stunde schon bringt er Mineraldünger auf seinen Äckern aus. „Zum Spaß mache ich das nicht“, sagt er. „Ich muss fahren, wenn das Wetter und der Boden es zulassen“. Jetzt im Februar stehen Düngerstreuen und Gülleausbringen ganz oben auf der Arbeitsliste des Familienbetriebs.

Die Zeitfenster für die Landwirte, Dünger und Gülle auszufahren, sind manchmal ganz kurz, erklärt Hauke Hansen. Er ist Mitarbeiter der Agrarberatung Mitte in Rendsburg und berät den Hof Reimer rund um die Milcherzeugung aber auch zur optimalen Düngung seiner Böden und Kulturen. Mit ihm gemeinsam erstellt Köhn seine Düngeplanung fürs ganze Jahr. Auf der Grundlage der regelmäßig erhobenen Bodenmesswerte zum Nährstoff- und Humusgehalt jeden einzelnen Schlags, wird die optimale Menge Dünger ermittelt. „Jede Pflanze hat andere Ansprüche und benötigt Dünger zu anderen Zeitpunkten“, erklärt Hansen. Zuviel oder zum falschen Zeitpunkt zu düngen, schade nicht nur der Umwelt, es verursacht auch unnötige Kosten für den Landwirt. Daher ist er bestrebt, effizient zu düngen, sagt Hansen. Und auch wenn Technik und EDV im Berufsalltag eines Landwirts eine große Rolle spielen, so wirtschaften sie doch im Zyklus der Natur. Einfluss auf das Wetter hat der Landwirt nicht. Also gilt Köhns letzter Blick abends und morgens als erstes dem Wetterbericht. Gerade jetzt im Frühjahr, wo die Böden sehr feucht sind, zählt jeder Tag. Leichter Frost macht den Boden befahrbar, ansonsten käme er nicht auf die Flächen. In der vergangenen Woche war so ein kurzes Zeitfenster. Da ging es morgens um 4 Uhr raus, bis der Boden abends schon wieder zu weich war. „Aber ich habe es geschafft, alle Flächen sind einmal abgestreut“, sagt Köhn und ist sehr zufrieden. Hätte er den Harnstoffdünger jetzt nicht ausbringen können, wäre der Ertrag auf den Flächen vermutlich geringer gewesen. Weniger Ertrag bedeutet dann schnell weniger Erlös für den Betrieb.

Während Köhn Mineraldünger ausbrachte, ist sein Angestellter Rüdiger Burkowski mit dem Güllewagen auf dem Grünland unterwegs. Fast im halbstunden Takt kommt er zum Hof, tankt in knapp sechs Minuten den 15 Kubikmeter-Tankanhänger voll, und ist schon wieder unterwegs zur nächsten Koppel. Seit 19 Jahren gehört er zum Team und hat die rasante Technisierung miterlebt. Geblieben ist der Geruch der Gülle. Dennoch, Gülle ist der perfekte Dünger, sagt Köhn. Nährstoffe lägen dort biologisch lange verwertbar vor. Jetzt im Winter ausgebracht, sei die Geruchsbelästigung auch längst nicht so hoch wie im Sommer.

Nach dem Harnstoff brauchen vor allem die jungen Rapspflanzen noch Schwefeldünger. Schwefel gab es früher aus der Luft, sagt Köhn, doch seitdem das Benzin schwefelfrei ist, muss er düngen. Auch hier kommt Berater Hansen wieder ins Spiel, der Menge und Zeitpunkte ermittelt. Mit ihm erarbeitet Landwirt Köhn auch den jährlich zu erstellenden Nährstoffvergleich (Feld-Stall-Bilanz) seines Hofes. Allen Nährstoffausträgen, also beispielsweise der geerntete Weizen und die Nährstoffausscheidung der Tiere (Gülle) werden alle Nährstoffeinträge wie Mineraldünger oder Futtermittel gegenübergestellt. Unter dem Strich darf der Stickstoffüberschuss im Mittel von drei Jahren maximal 60 Kilogramm Stickstoff je Hektar betragen. Betriebe, die neben Viehbestand auch auch viel Land bewirtschaften, haben da weniger Probleme, sagt Hansen. 2008 lag der Grenzwert noch bei 90 Kilogramm.

Mit Veränderungen muss der Hof allerdings rechnen, wenn die Düngeverordnung novelliert wird. Dann wird unteranderem die vorgeschriebene Lagerkapazität für Gülle je Hof vergrößert. Familie Köhn rechnet dann mit einer Investition von 150  000 Euro für einen weiteren Gülletank. Doch sie warten erstmal ab, zu oft verzögerten sich angekündigte Änderungen, oder es kam ganz anders.

Für sie steht jetzt im Februar noch die Restpflege von einigen Knicks zur Holzgewinnung an. Und wenn das Wetter draußen auf den Feldern keine Arbeit zulässt, dann gibt es „Innendienst“, sagt Reimer Köhn. Das sei dann schon mal eine Einstimmung auf März, wenn die Sammelanträge zur Beantragung von Fördermitteln auf dem Tisch liegen.

Aussicht: Im März stehen Büroarbeiten, Nachsaaten auf den Äckern und Reparaturen an Drainagen an.

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erstellt am 24.Feb.2016 | 06:08 Uhr

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