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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 00:53 Uhr

Großkomplex und Häuserkampf

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 16.Dez.2016 | 10:21 Uhr

Es war ein mächtiger Aufschlag, den der profilierte Architekt Gregor Sunder-Plassmann im Planungs- und Gestaltungsbeirat vorgelegt hat. Der Ball landete nicht im Aus, ein Ass war es aber auch nicht. Auf den politischen Return darf man gespannt sein. Auf den ersten Blick wirkt der Riesenbaukörper, der den Park-and-Ride-Parkplatz am Schulweg bis zum Bahnhof überspannt, im Modell ein wenig wie das Raumschiff „Galactica“ mit einem städtebaulichen Gemischtwarenladen aus Gewerbe, Parken, Wohnen und Kino. Was sich davon alles wie, durch wen und in welcher Form verwirklichen lässt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Zunächst steht die Form, der Inhalt und die Feinjustierung müssen folgen. Die Frage ist nur wann?

Es wird nicht reichen, die Bahnhofsplanung wie ein Geschenk der Heiligen Drei Könige zu empfangen, unter dem Weihnachtsbaum zu bestaunen und dann alles andere liegen zu lassen. Bekanntermaßen gibt es beispielsweise noch ganz andere Kino-Pläne, und die sind noch akut und noch längst nicht aus dem Spiel. Aber es scheint fast so, dass das keiner mehr hören will. Neues Spielzeug übt eben einen großen Reiz aus.

Der Planungsbeirat hat das Thema ganz locker geschultert und grundsätzlich für gut befunden. Urbaner Lebens- und Gestaltungsraum in dieser Komplexität und eine Neudefinierung der westlichen Stadtkante ist selbst für die fünf Herren aus Lübeck, Flensburg und Hamburg eine reizvolle und nicht alltägliche Aufgabe im Beiratsleben, an der sie sich noch ein paar Jährchen abarbeiten können.

Holzhäuser in Schwedisch-Rot an der Gaehtjestraße? Könnte sein. Die bunte Bilderbuch-Skizze, die die Bürgervorsteherin am Donnerstagabend in der Ratsversammlung an die Wand projizieren ließ, könnte tatsächlich aus einem Kinderbuch stammen. Das heimelige Bildnis im Stile einer verträumten skandinavischen Ferien-Datsche irgendwo an einem einsamen See steht in krassem Kontrast zu der bedrohlichen Häuserfront, die die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen die wasserseitige Bebauung an der Gaehtjestraße an die Wand warfen. So war es wohl auch gedacht. Die Realität dürfte irgendwo dazwischen liegen – kein Huckleberry Finn-Feeling, aber auch keine sozialistische Einheitsfassade. Stattdessen vielleicht ein leicht verdauliches Gebäude-Trio, das viel Raum für Gestaltung und Durchblick lässt. Die Zeit für Kompromisse ist leider vorbei, und so müssen sich die knapp 19  000 wahlberechtigten Eckernförder am 5. Februar wohl oder übel für Schwarz oder Weiß, Alles oder Nichts entscheiden.

Wobei auch ein Blick auf die Finanzen lohnt: Wird nicht gebaut, drehen nach Ansage des Innenministeriums Bund und Land den Geldhahn für den Umbau der Gaehtjestraße und der Hafenpromenade zu. Wenn dem so ist, gingen 1,1 Millionen Euro flöten.

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