Nachruf : Großes Vermächtnis

Kurt Schulz ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Die Stadt Eckernförde trauert um ihren beliebten und geachteten Ehrenbürger.
Kurt Schulz ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Die Stadt Eckernförde trauert um ihren beliebten und geachteten Ehrenbürger.

Eckernfördes Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Kurt Schulz ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Er war von 1969 bis 1987 Bürgermeister und gilt als Baumeister des modernen Eckernförde.

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30. März 2017, 06:47 Uhr

Kurt Schulz ist tot. Diese Nachricht hat jeden gerührt, den sie danach erreichte. Kurt Schulz, die große Identifikationsfigur und Persönlichkeit in Eckernförde, an der sich die Menschen orientieren konnten, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 94 Jahren gestorben.

Die Eckernförder erinnern sich vor allem an seine 18-jährige Zeit als Bürgermeister. Von 1969 bis 1987 war Schulz weitaus mehr als ein Verwaltungschef, er hat wie ein Wohltäter für seine Stadt gewirkt und aufgrund seiner herausragenden Kontakte auf Landes- und Bundesebene etliche bedeutende Bauprojekte und Infrastrukturmaßnahmen umsetzen können. Das Fördergeld floss reichlich, und Eckernförde wurde zu einer attraktiven, aufblühenden Stadt mit Fußgängerzone, Stadthalle, Meerwasserwellenbad, Schulzentrum, Sportstätten, Kindergärten, Promenaden, neuen Wohnviertel und einer sanierten Altstadt. Ein „Macher“ und Stadtentwickler par excellence, der noch dazu die Finanzen der steuerschwachen Stadt in Ordnung brachte, die Verschuldung auf 7,5 Millionen D-Mark drückte und gleichzeitig eine Rücklage von 18 Millionen Mark aufbaute – von Null. Kurt Schulz gilt zurecht als der Bauherr des modernen Eckernförde, seine Erfolgsbilanz ist eindrucksvoll, seine Verdienste können gar nicht hoch genug gewürdigt werden.


Hochgeachtet


Seine berufliche Karriere und sein unbändiger Einsatz für Eckernförde sind das eine, seine menschlichen Qualitäten das andere. Kurt Schulz und seine Ehefrau Helga pflegten ein offenes Haus, in dem Freunde und berufliche Weggefährten immer mit großer Offenheit und Herzlichkeit empfangen worden sind. Auf der Straße und bei öffentlichen Veranstaltungen hieß es oft und gern „Moin, moin, Kurt“. Bei seinen Eckernfördern stand der bodenständige Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger hoch im Kurs.

Der Krieg und eine schwere Kriegsverletzung – er büßte ein Auge ein – führten den gebürtigen Stettiner 1945 nach Eckernförde, ins Lazarett Carlshöhe. Von da an ging’s bergauf. Kurt Schulz war schon damals tatkräftig und ehrgeizig. Beim Kreis Eckernförde kümmerte er sich um Flüchtlinge und Kinder und lernte dort auch seine Frau Helga kennen, die er 1950 heiratete. Die junge Familie war ab 1951 nach der Geburt von Klaus-Peter zu dritt, 1958 wurde Sohn Matthias geboren.

Kurt Schulz war ein überzeugter, aber auch stets für andere Meinungen offener Sozialdemokrat. Von 1948 bis 1970 gehörte er dem Kreistag Eckernförde an, von 1951 bis zu seiner Wahl als Bürgermeister 1969 der Ratsversammlung Eckernförde. Seine Fähigkeiten blieben auch dem in Eckernförde lebenden Gesundheitsminister Kurt Pohle nicht verborgen, der Schulz zunächst in die Landesverwaltung und dann in die Landespolitik holte.


Die Entscheidung


Schulz war von 1958 bis 1975 Mitglied der SPD-Landtagsfraktion, 1971 wurde er zum Vizepräsidenten des Landtags gewählt. Alles parallel zu seiner Arbeit als Eckernförder Bürgermeister. 1975 musste er sich aufgrund einer neuen Gesetzgebung (Trennung von Amt und Mandat) entscheiden: Landtag oder Bürgermeister? Kurt Schulz entschied sich für Eckernförde und seine Bürger und gegen die große Politik in Schleswig-Holstein und möglicherweise auch in Bonn. Ministerpräsidentin Heide Simonis berief Schulz vier Jahre nach dessen Pensionierung 1991 zum Grenzlandbeauftragten, in dieser Funktion setzte er sich bis ins Jahr 2000 für nationale Minderheiten sowie Roma und Sinti ein – Simonis wusste, dass der erfahrene Mann aus Eckernförde genau der Richtige für diese anspruchsvolle e Aufgabe war.

Kurt Schulz hat für seine herausragenden beruflichen wie auch ehrenamtlichen Leistungen viele Auszeichnungen bekommen. Besonders bedeutsam sind das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse mit Stern und Schulterband und die selten verliehene Willy-Brandt-Medaille der SPD. Große Bedeutung für ihn hatten die Ehrungen, die ihm seine Heimatstadt zuteil werden ließ: 1969 gab es den Ehrenring und 1987 machte ihn die Stadt Eckernförde zu ihrem Ehrenbürger. Diese Ehre war zuvor nur dem Dichter Wilhelm Lehmann (1962) und danach Bürgervorsteher Dr. Jürgen Anbuhl (2003) zuteil geworden.

Kurt Schulz hat der Stadt ein großes Vermächtnis hinterlassen, von dem sie noch lange zehren kann. Der Lebensweg des bis ins hohe Alter sportlich aktiven und familiär fürsorglichen Eckernförders, der ganz besonders seine Enkeltochter Lena ins Herz geschlossen hatte, ist zuende. Die vielen positiven Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Mannes wird bei vielen Menschen im Land noch sehr lange lebendig bleiben.

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