Großes Erlebnis für alle wetterfesten Opernliebhaber

Sarastro hindert Monostatos daran, Pamina weiter nachzustellen. Im Hintergrund zwei Eckernförder Sklaven.   Fotos: Flügel
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Sarastro hindert Monostatos daran, Pamina weiter nachzustellen. Im Hintergrund zwei Eckernförder Sklaven. Fotos: Flügel

Rund 700 Besucher bei Freiluft-Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ am Eckernförder Hafen

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21. Juli 2015, 06:56 Uhr

Das war ein Ereignis am Sonntagabend: Direkt neben dem Rundsilo füllte sich Stuhlreihe um Stuhlreihe mit wetterfesten Opernliebhabern. Links das Hafenbecken, rechts das Orchesterzelt, dazwischen die Bühne – fertig war das Opernhaus auf Zeit. Chor und Orchester der Festspieloper Prag in Zusammenarbeit mit der Prager Kammeroper waren für einen Abend zu Gast, stimmstark und wetterfest begeisterten sie mit Mozarts Oper „Die Zauberflöte.“

Die Resonanz war riesig – dass der Abend nicht restlos ausverkauft war, lag ganz sicher nur am unbeständigen Wetter: Grau mit leichten Schauerchen ging der Nachmittagshimmel in den Abend, noch grauer und durchaus klamm von oben wird es dann zeitgleich zu Papagenos Bestrafung durch die drei Damen – der liebenswert tapsige, aber schwatzhafte Vogelfänger in seinem Federwams prahlt mit einer Tat, die eindeutig nicht auf seine Kappe geht; er bekommt Wasser statt Wein, einen Stein statt Brot und ein Vorhängeschloss vor das lose Mundwerk. Und Wasser von oben statt Wein unten (Pause fiel aus wegen des Wetters) bekommen ab da eben auch die rund 700 Gäste, von denen einige sich aber als absolute „Oper Air“- Profis zeigen: Ausgerüstet mit Sitzkissen, Fahrradponcho, Regenhosen und Regenmützen hätten sie auch Wagners vierstündige „Götterdämmerung“ gut gelaunt ausgesessen.

Aber von Anfang an: Mozarts Oper aus dem Jahr 1791 ist vielleicht eine der bekanntesten. Die Arie der Königin der Nacht „Der Hölle Rache“ hat fast jeder schon gehört – sei es im Musikunterricht, sei es stümperhaft gesungen und auf Facebook gepostet oder aber meisterlich interpretiert auf Opernbühnen der Welt. Papagenos „Der Vogelfänger bin ich ja“, Taminos „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ oder Sarastros „In diesen heil`gen Hallen“ – all das sind wunderschöne Melodien, auch die abwechslungsreiche Handlung bietet für jeden etwas, seit über 200 Jahren.

Ein schöner Prinz (Tamino, gespielt von Richard Neugebauer/Tenor) verliebt sich in eine liebreizende Prinzessin (Pamina, Jennifer Bonner/Sopran) und muss einige harte Prüfungen überstehen, bis er sie in die Arme schließen kann. Ihre Mutter, die Königin der Nacht (Olga Jelinková/Sopran), versucht mit ihrem Ränkespiel die Geschicke in ihrem Sinn zu steuern, drei weise Knaben wirken hilfreich im Hintergrund. Der tüffelige Vogelfänger (Papageno, Dejan Brkic/Bariton) mischt überall unfreiwillig mit und findet schließlich ebenfalls das passende „Weibchen“ fürs Leben – obwohl er weder den Schnabel halten kann, noch von der mutigen Truppe ist. Ihn liebte das Publikum vom ersten Moment an, hat er doch eine sehr dankbare Rolle zwischen Kunst und Gaukelei. Spätestens beim ersten Dialog mit dem Prinzen, der den seltsamen Gesellen nach einer Ohnmacht erblickt („Heda!“ Schelmische Antwort: „Moin!“) grinst der halbe Hafenvorplatz. Monostatos (Michal Vojta/Tenor), der Diener des großen Sarastro (Tomas Bartunek/Bariton), verliebt sich in die toll besetzte Pamina, die in Gesang und Mimik all ihre Leidenschaft legt. Sarastro, eindrucksvoll, mächtig und stark, entpuppt sich weniger als grausamer Entführer, denn als ebenfalls verliebter Beschützer Paminas, der sie vor dem Einfluss ihrer rachsüchtigen Mutter bewahren möchte. Tobias Hagge führt als Sprecher der „Eingeweihten“ durch weite Teile des Stücks und Esther Puzak/Sopran wirbelt ganz am Schluss als Papagena in Papagenos gefiederte Arme. Wunderbare Stimmen, zeitlose Inhalte und Mozarts unübertroffene Melodien bereiteten den Eckernfördern einen besonderen Kunstgenuss.

Besonderes Herzklopfen hatten an dem Abend zwei der Darsteller: Ursula Brandt und Sylvia Wittwer aus Eckernförde gewannen je eine Statistenrolle und wurden unter der Anleitung von Chefsklave Patrick Sabin aus Berlin trefflich in ihre Sklavenrolle eingewiesen.

Das war ein toller, wenn auch nasser Abend. Den Zuschauern ohne Regencape rann das Wasser in den Kragen, weichte Hosen und Jacken auf, es tropfte von Haaren und Nase, der schöne Prinz Richard Neugebauer musste sich mit seinen goldenen Schnallenschuhen äußerst vorsichtig auf der Bühne bewegen, um nicht auszurutschen. Aber welchen Fischkopp kratzt schon das bisschen Regen, wenn es um Kultur geht ....

Uschi thor Straten und Birgitt Werner aus Kaltenhof konnten den Abend voll genießen in ihren Regencapes. Erstere hat schon „Nabucco“ in Eutin gesehen und freut sich auf ein nächstes Mal: „Ich fand die Idee, das in Eckernförde zu machen, wundervoll. Ich hoffe sehr, so etwas wird bei gutem Wetter wiederholt.“ Für ihre Freundin war es das erste Mal auf einer Open Air-Oper. „Das war wunderschön. Gesungenes Theater ... und eine Akustik – super klasse ... Ich bin wieder dabei.“

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