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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 03:29 Uhr

Weisser Ring : Großer Halt für die Opfer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Weisse Ring betreut und unterstützt Opfer von Straftaten. In der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde betreute die ehrenamtlichen Mitarbeiter 2015 274 Fälle.

von
erstellt am 23.Feb.2016 | 06:24 Uhr

Eckernförde | Bei Polizei und Justiz stehen die Täter und ihre Straftaten im Mittelpunkt. „Die Opfer, die zum Teil großes Leid erfahren, werden dabei nicht betrachtet“, sagte Bürgermeister Jörg Sibbel gestern Nachmittag beim Jahrespressegespräch des Opferschutzvereins Weisser Ring im Rathaus. Um sie kümmert sich ehrenamtlich und dennoch professionell der Weisse Ring mit seinen 16 erfahrenen Mitarbeitern. Sie hören zu, leisten Alltagshilfe, vermitteln Kontakte, begleiten zu Behörden und Gerichten, sorgen für finanzielle Hilfe und helfen bei der Durchsetzung von Opferschutzrechten. „Eine außerordentlich wichtige Aufgabe“, so der Bürgermeister.

„Wir können nur dann helfen, wenn wir von der Tat wissen“, erklärte der Leiter der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde, Uwe Rath. „Es ist schade um jeden Fall, wo wir nicht helfen können.“ Ein „Phänomen“ sei es, dass es derzeit zwar viele Wohnungseinbrüche gebe, sich aber wenig Betroffene melden. Rath appelliert an alle Opfer von Einbrüchen, Überfällen, Betrugsdelikten, Stalking oder anderen Straftaten, sich an den Weissen Ring zu wenden. „Es sind immer noch zu wenig Betroffene, die den Weg zu uns finden“, sagte Rath, der die Opfer ermutigt, sich Hilfe zu holen.

Im vergangenen Jahr war das 274 Mal der Fall. Betreut wurden 195 Frauen (Vorjahr 220), 79 (64) Männer, 18 (14) Jugendliche und 12 (13) Kinder. Die Zahl der betreuten Personen ist deshalb höher, weil in vielen Fällen auch „mittelbare“ Opfer wie nahe Verwandte, Tatentdecker oder Ersthelfer mitbetreut werden. Dabei ging es um folgende Straftaten: 9 (6) Tötungsdelikte, 65 (45) mal Körperverletzung, 70 (72) Sexualdelikte, 15 (15) mal Raub, 36 (53) mal Diebstahl, 19(22) mal Betrug und 13 (16) mal Stalking. Aufgeführt sind dabei alle Delikte, die an Opfern aus dem Kreisgebiet begangen worden sind, auch wenn sie außerhalb der Kreisgrenzen ausgeführt wurden. Außerdem handelt es sich nur um die Taten, die dem Weissen Ring auch zur Kenntnis gegeben wurden. Die Zahlen eignen sich daher auch nicht zum Vergleich mit den Kriminalitätsstatistik der Polizei. Die 16 Mitarbeiter leisteten insgesamt 2350 Stunden ehrenamtliche Arbeit, die finanziellen Hilfen, die aus Beiträgen, Spenden, Vermächtnissen oder Geldbußen finanziert werden, beliefen sich auf 39  000 Euro. In 41 Fällen erfolgte eine Hilfestellung bei der Antragstellung nach dem Opferentschädigungsgesetz.

„Wir fungieren als Lotse im Hilfenetz und begleiten die Betroffenen beginnend unmittelbar nach der Tat bis zur Gerichtsverhandlung und noch danach“, hob Rath hervor, der von Fällen berichtete, die eine jahrzehntelange Begleitung erforderten. Alle Mitarbeiter seien in einem mehrstufige Seminarsystem auf ihre Aufgaben vorbereitet worden. Rath spricht von einer „Professionalisierung im Ehrenamt“. Der Weisse Ring arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Kripo-Chef Frank Röckendorf erklärte, dass Broschüren verteilt und die Opfer „in heftigen Fällen“ mit Nachdruck gebeten würden, sich Hilfe beim Weissen Ring zu holen. „Die Außenstelle Rendsburg-Eckernförde ist top, die Mitarbeiter sind hochmotiviert“, ermutigte Rath alle Opfer, diesen Weg auch tatsächlich zu gehen. „Auch Eckernförde ist kein weißer Fleck. Wir helfen allen Menschen in Not“, erklärt Rath. Dazu zählen ausdrücklich auch Asylbewerber, die sich legal in Deutschland aufhalten. Bei Flüchtlingen gebe es im Übrigen aus Sicht des Weissen Rings keine Häufung verübter Straftaten.

Der Weisse Ring, der keine staatliche Förderung erhält, wünscht sich die Einrichtung weiterer „Trauma-Zentren“ für Kriminalitätsopfer, um unmittelbar nach der Tat mit der Therapie beginnen zu können. Auch diese Therapien werden wie auch die Vertretung durch Fachanwälte vom Weissen Ring organisiert und finanziert. Die Unterstützung, Beratung und Hilfe ist für die Opfer kostenfrei und unverbindlich.

>Außenstelle Rendsburg-Eckernförde: erreichbar über Telefon 04331/868949, Mail: wr.aussenstelle-rd@gmx.de und kostenfreies Opfer-Telefon 116006.

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