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Militärübung am Ludwigsburger Strand : Große Nummer selbst für die Truppe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Red Griffin 2017: Division Schnelle Kräfte probte am Montag in Ludwigsburg mit US-Soldaten und dem Eckernförder Seebataillon die Evakuierung von Zivilisten. Hubschrauber und Boote waren beteiligt.

Eckernförde | Der Pilot eines der beiden US-Kampfhubschrauber „Apache“ wollte den versammelten Militärs und dem Pressetross zum Abschluss der Großübung „Red Griffin / Colibri“ noch ein paar spektakuläre Momente gönnen. Im Tiefflug jagte er seine Maschine in zehn Metern Höhe über das Flachwasser vor dem Truppenübungsplatz in Ludwigsburg, zog dann die Nase hoch und katapultierte sein im Erstfall mit Raketen und Kanone schwer bewaffnetes Fluggerät steil nach oben. Mehrfach wiederholte er sein Flugmanöver aus unterschiedlichen Richtungen, bis auch die letzten Speicherplätze der Kameras und Handys belegt waren. Der Einsatz der beiden „Apaches“ und die beiden ebenfalls von US-Soldaten gelenkten zweimotorigen Transporthubschrauber „Chinook“ mit zwei markanten, gegenläufigen Rotoren zählten zweifellos zu den optischen Höhepunkten der großen Evakuierungsoperation der Division Schnelle Kräfte aus dem hessischen Stadtallendorf, der rund 11  500 deutsche und niederländische Soldaten aus neun Verbänden und Einheiten angehören. Neben US-Soldaten sind französische Soldaten und auch die örtlichen Marinekräfte aus dem Eckernförder Seebataillon in das Szenario der internationalen Großübung eingebunden. „Das ist ausdrücklich keine Nato-Übung, sondern ein Stresstest für die Division Schnelle Kräfte“, sagte Presseoffizier Tom Goeller.

Der „Stresstest“ begann gestern früh mit einstündiger Verspätung, die US-Hubschrauber konnten wegen des schlechten Wetters nicht planmäßig starten. Doch dann ging alles ganz schnell, um die 24 aus einer Krisenregion zu evakuierenden UN-Mitarbeiter auf dem Seeweg außer Landes zu bringen. Dabei spielten die schwer bewaffneten Spezialkräfte des Seebataillons aus Eckernförde eine Hauptrolle. Sie landeten trotz Gegenwehr und Beschuss mit sechs Schlauchbooten („Boomranger“) am Strand, klärten das Gelände auf und sicherten es. In der Luft kreisten derweil die Apache-Kampfhubschrauber. Zur Unterstützung der Marinesoldaten wurden Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte mit dem „Chinook“-Transporthubschrauber an den Strand geflogen, in der nächsten Maschine saßen die zuvor an einem Sammelplatz registrierten UN-Mitarbeiter. Mit Rucksack und wasserdicht verpackten Personalpapieren ging es dann im gesicherten „Gänsemarsch“ vom Hubschrauber zu den Schlauchbooten, die im seichten Wasser warteten und die Zivilisten zum rettenden Schiff brachten. Abschließend wurden die Soldaten wieder an Bord gebracht.

Unter den wachsamen Augen des stellvertretenden Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Carsten Jacobson, des Kommandeurs der Division Schnelle Kräfte, Generalmajor Andreas Marlow, des Chef des Stabes des Marinekommandos in Rostock, Konteradmiral Thorsten Kähler, und dem Kommandeur des Seebataillons, Fregattenkapitän Axel Meißel, stellten die weit über 100 eingesetzten Soldaten auf dem Truppenübungsplatz und die operativen Einheiten und Stäbe dahinter ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Unter den Beobachtern waren auch einige Teilnehmer des einjährigen Internationalen Admirals- und Generalstabslehrgangs aus Hamburg wie Justin Lee (Singapur), Carlos Morgero (Brasilien), Raizeq Al-Khlifat (Jordanien) und Fahad Almajdali (Kuwait). Insgesamt durchlaufen dort 77 Teilnehmer aus 44 Ländern Sprachkurse und erhalten eine hochkarätige militärische Ausbildung.

Für Generalleutnant Jacobson ist diese anspruchsvolle multinationale Großübung ein Schritt auf dem Weg zu einer europäischen Armee. Divisionskommandeur Generalmajor Marlow lobte die „großartige Zusammenarbeit mit der Marine“ und unterstrich die große Bedeutung eines solch komplexen Szenarios über mehrere Tage für die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Teilstreitkräfte und Einheiten. Seit dem 8. Mai läuft die Übung mit 3500 Soldaten, die heute mit einer Luftlandeoperation in Todendorf und der Einnahme eines fiktiven Hafens abgeschlossen wird.

Auch für die knapp 40 Soldaten des Seebataillons sei es eine „besondere Übung“ gewesen, sagte Kommandeur Meißel. Die Abläufe und Zusammenarbeit der unterschiedlichen Verbände seien zwar herausfordernd gewesen, hätten aber gut funktioniert. Das in der Eckernförder Preußerkaserne, im Marinestützpunkt und Alt-Duvenstedt untergebrachte Seebataillon besteht derzeit aus 720 Soldaten. Bis Ende 2018 soll die Stärke auf 1000 Mann anwachsen, sagte Meißel. 20 bis 40 Soldaten befänden sich regelmäßig in Auslandseinsätzen zum Beispiel in Afghanistan, Mali oder im Kosovo. Nach der Fertigstellung der Um- und Neubauten zieht das Seebataillon in den Marinestützpunkt um.

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