Große lyrische Momente im Ratssaal

Was ist ein Gedicht? Dazu lasen und diskutierten (v. l.) Kerstin Preiwuß, Nico Bleutge, Jan Wagner, Ulrike Almut Sandig, Beate Kennedy und Doris Runge. Fotos: Meisner-Zimmermann
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Was ist ein Gedicht? Dazu lasen und diskutierten (v. l.) Kerstin Preiwuß, Nico Bleutge, Jan Wagner, Ulrike Almut Sandig, Beate Kennedy und Doris Runge. Fotos: Meisner-Zimmermann

11. Wilhelm-Lehmann-Tage: Buchmesse-Preisträger Jan Wagner, Nico Bleutge, Ulrike Almut Sandig und Kerstin Preiwuß lesen aus ihren Werken

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11. Mai 2015, 06:09 Uhr

Die Erinnerung an den Eckernförder Dichter und Lyriker Wilhelm Lehmann ist lebendig. Das zeigte der Freitagabend, als auf Einladung der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft viele Gäste zum Ratssaal kamen. Die Eckernförder Literaturgesellschaft stellte diesmal – und im bereits 11. Jahr ihres Bestehens – wieder eine geglückte Verbindung her: Die wertschätzende Erinnerung an den „Sohn der Stadt“ und sein Werk, dazu Beispiele der heutigen, aktuellen Literatur in Deutschland.

Die bisher ausgewählten drei Preisträger des Wilhelm-Lehmann-Preises (Jan Wagner, Nico Bleutge und Ann Cotton) haben mit dem Dichter Lehmann im weiteren Sinn vieles gemeinsam: Die Nähe zu Natur und Landschaft, dazu die intensive Freude an der Schönheit der Sprache. Der Vorstand der Literaturgesellschaft lud die bisherigen Preisträger zur aktuellen Tagung ein. Jan Wagner und Nico Bleutge konnten nach Eckernförde kommen, und jeder von ihnen brachte eine junge Dichterin, Lyrikerin mit. Jan Wagner wurde begleitet von Ulrike Almut Sandig. Die vierte im Bunde war Kerstin Preiwuß. Alle vier wohnen derzeit in Berlin.

Ein „literarisches Quartett“ hatte sich im Eckernförder Ratssaal zusammen gefunden, vier Lyriker, in deren Leben und Werk Doris Runge aus Cismar als Frau vom Fach und Moderatorin einführte. So sind sie alle Vier mit ihrer sprachlichen Kunst und Aussage – jeder für sich unverwechselbar und einzigartig – in der Literaturszene angekommen, vielfach ausgezeichnet, mit zahlreichen Stipendien geehrt und Mitglieder in renommierten Literaturkreisen. Allen voran der erste Preisträger (2009) der Eckernförder Literaturgesellschaft Jan Wagner, der kürzlich den vielbeachteten Leipziger Buchpreis erhielt. Er las als erster aus seinen Gedichten, machte allen Zuhörern richtig Freude mit „Giersch“ und amüsierte mit hinreißenden „Koalas“-Beobachtungen. Sein jüngster Gedichtband „Regentonnenvariationen“ verließ später den Tisch der „Bücherstube am Gänsemarkt“ in hoher Anzahl. Ein genreübergreifendes Flötensolo von Levke Schulte-Ostermann (Barkelsby, Studium in Lübeck) folgte.

Ebenfalls genreübergreifend Ulrike Almut Sandig mit einer wohltuenden Verbindung von Wort und Stimme. Aus dem unsichtbaren Ort „Sträumen“, ihrer emotionalen Heimat, kommt faszinierende Lyrik: “… ich leuchte wie ein Rapsfeld, wie 13 Ölgemälde übereinandergelegt.“ Sie ist eine Sprachakrobatin mit Sprechkompositionen, die stimmlich malt und starke Emotionen weckt.

Nico Bleutges vorgestellte Lyrik entstand bei einem Türkei- Stipendium – mit Blick auf den Bosporus. „Nachts leuchten die Schiffe“. Und Kerstin Preiwuß? Sie stellte meditative Texte vor: „Ich will verschwimmen, bis ich selber unsichtbar bin.“

>In der morgigen Ausgabe lesen Sie den Bericht über die spannende Diskussion der Literaten über „Die Kunst des Gedichts“


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