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Ostseesteilküste bei Schwedeneck : Große Küstenabbrüche nach Osterwochenende

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Große Massen Erde, Geröll und Lehm sind abgesackt. Es drohen weitere Abbrüche.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 11:36 Uhr

Stohl | An der Ostseesteilküste bei Stohl (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat es massive Landabbrüche gegeben. Große Erdmassen sind abgesackt. Geröll, Lehm und Erdmassen liegen nun am Strand. Weitere Küstenabschnitte drohen weiter abzurutschen.

536 Kilometer Ostseeküste in Schleswig-Holstein sind schutzbedürftig, so ist es im „Fachplan Küstenschutz Ostseeküste“ festgehalten, einer Gesamtanalyse, die 2014 veröffentlicht wurde. Sie dokumentiert, wie sich die Küste seit den ersten Messungen 1872 verändert hat. Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel der Ostsee um 15 Zentimeter und der Nordsee um 20 Zentimeter gestiegen. Für das 21. Jahrhundert rechnen Experten mit einem Anstieg um 30 bis 80 Zentimeter - abhängig von der Klimaerwärmung.

Kritik am Küstenschutz der Ostsee gibt es nicht erst seit den Abbrüchen am Brodtener Ufer (Lübeck), wo jährlich bis zu 80 Zentimeter Landmasse verloren gehen. Während auf Sylt Sand aufgespült wird, verlieren an der Ostseeküste Eigentümer ihr Land. Maßnahmen dürfen sie nicht ergreifen. Naturschutz prallt hier auf Küstenschutz. Nicola Kabel, Sprecherin im zuständigen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, brachte es im Januar auf den griffigen Punkt: „Auf Sylt geht es um den Schutz der Menschen. Am Brodtener Uferbereich ist keine gefährdete Bebauung vorhanden.“

Hintergrund: Die Ausgleichsküste

Jahr für Jahr beißen sich Wind und Wetter Stücke von Schleswig-Holstein ab. Die Ostseeküste ist eine sogenannte Ausgleichsküste, die sich seit der letzten Eiszeit beständig verändert, Ursache ist der andauernde Meeresspiegelanstieg.

Die heutige Küstenform ist von Wind und Wellen geprägt. Der Bereich des Brodtener Ufers etwa ist eine mehr als vier Kilometer lange bis zu 20 Meter hohe Steilküste, die je nach Witterungslage zwischen 50 und mehr als 100 Zentimeter pro Jahr Richtung Westen zurückweicht – ein aktives Kliff.

Die Kliffs der Ostsee bestehen größtenteils aus einem Gemisch aus Kies, Sand und Steinen, abgetragen lagert sich das Material zum Teil an anderen Küstenabschnitten ab. Der Hemmelsdorfer See, einst eine Förde und bis zur letzten Eiszeit mit der Ostsee verbunden, ist ein Produkt dieses Prozesses: Sandmassen vom Brodtener Ufer, von der Strömung nach Westen getragen, bildeten einen Wall und dadurch den heutigen See.

Die Steilküste wird allerdings nicht nur von der Ostsee angenagt, die Gefahr kommt auch von oben, wie sich herausgestellt hat. Bei Regen im Winter dringt das Wasser in die Erdschichten ein, kann nicht abfließen und gefriert, wenn plötzlich Frost einsetzt. Bei nachfolgendem Tauwetter werden dann tiefe Löcher in den Abhang gesprengt, und das Gemisch aus Erde und Lehm landet unten am Strand.

Auch in Habernis (Kreis Schleswig-Flensburg) sorgte der Wintersturm „Axel“ im Januar für große Küstenabbrüche. Ein Landbesitzer klagt über 1000 Quadratmeter Landverlust. Bedroht ist auch ein Wochenendhaus, das seither nicht mehr genutzt werden darf. Zu groß ist die Gefahr, dass das Häuschen in die Tiefe stürzt. In den 50er Jahren lag es noch rund 20 Meter von der Kante entfernt.

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