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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 03:32 Uhr

Große Geschichte in der Hansestadt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Besuch im neuen Europäischen Hansemuseum in Lübeck: Beeindruckende Architektur und Geschichte der Hanse

von
erstellt am 12.Apr.2017 | 13:16 Uhr

Wenn man in der Nähe von Kiel wohnt, kann man leicht Lübeck, die zweitgrößte Stadt Schleswig-Holsteins, aus den Augen verlieren. Doch es lohnt sich immer wieder, in diese Stadt zu kommen mit dem sehenswerten historischen Zentrum, der eindrucksvollen mittelalterlichen Kulisse, in der man jedes Mal etwas Neues entdecken kann. Wir hatten uns dieses Mal vorgenommen, das Europäische Hansemuseum zu besuchen. Man erreicht es, vom Hauptbahnhof kommend, auf einem schönen Spaziergang entlang der Trave, vorbei am Museumshafen mit prächtigen alten Segelschiffen und Kuttern. Man wirft auf dem Weg einen Blick in eine der schönsten Gängeviertel der Stadt, kleine Reihenhauszeilen, die über schmale Gänge erreicht werden. Nirgendwo in Deutschland gibt es solche engen Wohngänge wie in Lübecks Altstadt.

Schon allein die vielfach preisgekrönte Außen- und Innenarchitektur des Europäischen Hansemuseums ist beeindruckend. Wesentlicher Bestandteil des Museums ist das Burgkloster, eines der bedeutendsten mittelalterlichen Klosteranlagen Norddeutschlands, ursprünglich mit einem Dominikaner-Konvent. Für die gesamte Anlage wurden nicht weniger als 50 Millionen Euro investiert. Die Eröffnung erfolgte im Mai 2015 durch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Hanse war im Mittelalter eine Bezeichnung für Gemeinschaften von Kaufleuten zu gemeinsamer Vertretung von Handelsbelangen im Ausland, sowie zu gegenseitigem Schutz. Der anfängliche Kaufmannsbund entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert unter der Leitung von Lübeck zu einer nordeuropäischen Großmacht mit einem Handelsgebiet von den Niederlanden bis nach Weißrussland. Zahlreiche Niederlassungen (Kontore) wurden gegründet. Über 200 Partnerstädte schlossen sich dem Verbund an.

Das Museum erzählt von Aufstieg, Macht und Niedergang der Hanse. Mit einer Mischung von rekonstruierten Szenen, wertvollen Exponaten und interaktiv vermitteltem Fachwissen werden spannende Einblicke in die Hanse geboten. Wirtschaftliche Zusammenhänge, Reiserouten und Alltagsgeschehen werden dargestellt. Grundlage der Handelsmacht bildeten die Handelsschiffe, die Koggen, die äußerst effizient und seetüchtig waren. Originalgetreu nachgebaute Koggen sind Teil der Ausstellung.

Ein besonderer Ausstellungsteil ist darüber hinaus die archäologische Grabungsfläche. Sie erzählt von den Anfängen der Besiedlung um das Jahr 800 sowie der Stadtgründung Lübecks im Jahr 1143. Es wird sichtbar, dass der Ort, an dem das Europäische Hansemuseum entstand, ein von der Geschichte durchtränkter Raum ist. Tief beeindruckt verlässt man diesen informativen und faszinierenden Geschichtsunterricht.

Zum Abschluss unseres diesmaligen Lübeck-Besuchs besichtigten wir noch eine der fünf großen Kirchen der Stadt, die imposante gotische Backstein-Kathedrale St. Marien. 1942 wurde die Kirche bei einem Luftangriff schwer beschädigt. Davon zeugen heute noch die herabgestürzten Glocken in der Kapelle unter dem südlichen Turm. Beeindruckend ist die riesige astronomische Uhr.

Eine Merkwürdigkeit in dem Gotteshaus ist eine schwarze Maus. Sie befindet sich in einem Sandsteinrelief an einer Säule hinter dem Chor. Diese Maus spielt nach einer Sage eine Rolle in der Geschichte der Stadt. Heute heißt es, wer sie mit der linken Hand berührt, dem wird die Maus Glück bringen. Wir haben es getan. Nun werden wir seh’n.




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