Küstenschutz : Große Aufgaben gemeinsam angehen

Das angespülte Seegras ist nach Treibselverordnung wie Müll zu entsorgen.
Foto:
1 von 2
Das angespülte Seegras ist nach Treibselverordnung wie Müll zu entsorgen.

Mitgliedsgemeinden des Kieler Rahmenplans wollen sich gemeinsam Gehör beim Land verschaffen - Gelder für Küstenschutz sollen anders verteilt werden.

von
07. November 2013, 05:35 Uhr

Was ist notwendig für den Küstenschutz? Wie müssen Fördergelder des Landes verteilt werden? Wie geht man mit dem angespülten Seegras um? Darüber diskutierte Bürgermeister Dr. Holger Klink mit Amtskollegen, Professor Dr. Horst Sterr vom Klimabündnis Kieler Bucht und Carolin Breunig-Lutz, Projektleiterin des Rahmenplans Kieler Förde im Ostseebad. Vertreter aus den Gemeinden Damp, Waabs, Laboe, Noer, Schwedeneck, Strande und Kiel waren zu diesem Workshop gekommen, der den Anfang einer Veranstaltungsreihe markiert.

„Aufgaben und Probleme mit dem Küstenschutz verbinden unsere Gemeinden an der Kieler Förde und Eckernförder Bucht“, machte Klink deutlich. Erst Orkantief Christian habe wieder einmal deutlich gemacht, wie empfindlich die sind. „Die Lasten haben wir als Küstengemeinden oftmals allein zu tragen, und die Perspektiven auf zusätzliche Unterstützung sind gering“, kritisierte Klink. Daher sei es absolut essenziell, nach außen gemeinsam aufzutreten und die Probleme zu benennen. Individuelles Agieren sei nur selten von nachhaltigem Erfolg gekrönt. Somit war das Ziel dieser Bürgermeisterrunde, unter Leitung der Fachleute die gemeinsame Basis zu erarbeiten.

Dr. Kai Ahrendt vom Büro für Umwelt und Küste aus Kiel stellte ausführlich den vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) erstellten Fachplan Ostsee vor, der wesentliche Grundlagen und Beschreibungen des aktuellen Küstenschutzes für die Gemeinden enthält. Aus diesen Daten werden später auch potentielle Förderungen und Unterstützungen abgeleitet. Der Fachplan stellt historische Daten in Zusammenhang mit heutigen Bedingungen. Der Ansatz wurde von den Teilnehmern kritisch gesehen, da die zukünftigen Aufgaben und Anforderungen im Rahmen des Klimawandels deutlich größer sind als einfache Unterhaltungsarbeiten.

Die Hauptaufgabe des Küstenschutzes ist die Abwendung von Gefahren für Personen und Schutzgüter. Hier wurde deutlich Kritik an der derzeitigen Praxis der Förderpolitik des Landes geäußert – sie stehe im Widerspruch zu dem angeführten Grundsatz, merkten die Teilnehmer an. Die meisten Menschen leben im Ostseeraum, und auch dort gebe es unstrittig die meisten Sachgüter. Trotzdem würden mehr als 80 Prozent der dringend benötigten Unterstützungen an der Westküste ausgegeben. Von den verbleibenden 20 Prozent werde das Geld überwiegend für kleine Abschnitte der eigenen Landesdeiche ausgegeben. Die einzelnen Gemeinden gingen leer aus, kritisierten die Teilnehmer.

Ein neues Bewertungssystem müsse entwickelt werden, welches neben den tatsächlichen Sachwerten auch die Nutzung auf Seeseite mit berücksichtigt. Denn auch die touristische Nutzung sei im hohen Maße von intakten Küsten abhängig. Für die Schaffung solch einer Bewertungsgrundlage besteht nach Ansicht der Teilnehmer erheblicher Handlungsbedarf, um Unterstützungen des Landes zielgerichteter und gerechter zu verteilen. Das Klimabündnis Kieler Bucht und der Rahmenplan Kieler Förde sind nach Ansicht von Klink „hervorragende Plattformen“, die solch eine öffentliche Wahrnehmung von Problemen ermöglichen. In Schwedeneck sind das der Sandabtrag an Badestränden, die Beschädigung der Zufahrtsrampen und Steilküstenabbrüche. Die hat auch Strande zu verzeichnen, ebenso Sandabtrag am Strand, die Versandung der Hafeneinfahrt und Schäden an den Küstenschutzanlagen. Eine Liste, die neben den Schäden auch Unterhaltungsarbeiten und Handlungsbedarfe benennt, soll von allen beteiligten Gemeinden zusammengetragen und beim LKN eingereicht werden.

Zusätzlich wurde vereinbart, dass das große Problem der Seegrasentsorgung an den Stränden der Seebäder ebenso gemeinschaftlich gelöst werden muss, da dabei juristische Definitionen zu klären sind. Nach dem so genannten Treibselerlass von 2001 wird Seegras zu Abfall, sowie es aufgenommen wurde, und muss als solcher entsorgt werden. Diese Thematik wird von Studenten der Christian-Albrechts-Universität vorbereitet und für weitere Workshops analysiert.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen