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Neue Leiterin setzt Zeichen : Großbaustelle Museum: Lange Wunschliste der neuen Chefin

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neue Museumsleiterin Dorothee Bieske hat nach zweieinhalb Dienstwochen eine erste ernüchternde Bestands- und Entwicklungsanalyse vorgelegt. Im Museum besteht großer Handlungsbedarf.

Eckernförde | Mit einem couragierter Vortrag über den unbefriedigenden Zustand und die guten Entwicklungsmöglichkeiten des Eckernförder Museums hat die erst seit März im Amt befindliche Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske die Mitglieder im Ausschuss für Jugend, Kultur, Bildung und Sport beeindruckt. „Ganz hervorragend“, schwärmte Ausschussvorsitzender Reiner Bunte (SPD). Wobei er aber darauf hinwies, dass all die Ideen und Visionen, die Bieske am Donnerstagabend im Ratssaal den politischen Entscheidungsträgern mitteilte, auch bezahlbar sein müssten. Zumindest liegen die Anforderungen von zahlreichen technischen Verbesserungen bis hin zu einem Anbau jetzt greifbar für alle auf dem Tisch, und die Politik muss entscheiden, was davon umgesetzt werden soll.

Dorothee Bieske scheute sich nicht, das Eckernförder Museum mit dem unverbrauchten Schwung einer Neueinsteigerin neu im öffentlichen Bewusstsein zu verorten. Das gelang ihr überzeugend, wie die Reaktionen im Ausschuss zeigten. Sie wolle das Museum mit „Zielen, Wünschen und Visionen zeitgemäßer aufstellen und präsenter in der Öffentlichkeit machen“. Die Bestandsaufnahme fiel nach zweieinhalb Arbeitswochen ernüchternd aus: Das Museum sei vom Kassensystem über die Telefonanlage bis zur Heizung und Beleuchtung technisch veraltet, die Sammlungen seien überladen, es gebe zuwenig Platz und die Außendarstellung sei unzureichend. Innerhalb kürzester Zeit hat die neue Museumschefin zahlreiche Missstände ausgemacht und Stellschrauben ausfindig gemacht, an denen die Akzeptanz und Attraktivität des Hauses spürbar verbessert werden könnten.

Ihre „Hauptaufgabe“ sei es, „die Dauerausstellung, frischer zu präsentieren. Die steckt noch in den 80-er Jahren“, sagte Bieske. Ein Beispiel dafür sei die häufig „laienhaften und verschmutzten Objektbeschriftung“. Sie schlug vor, die Texterfassung über einen Werkvertrag neu zu vergeben und die Objekte neu zu beschriften und die Ausstellungsräume mit LED-Technik neu zu beleuchten. Überhaupt müssten der gesamte Tresen - und Eingangsbereich erneuert und das veraltete Kassensystem, für das es keine Updates mehr gebe, erneuert werden. „Das Haus muss auch technisch auf den neuesten Stand gebracht werden“, forderte die neue Museumsleiterin. Nicht mehr zeitgemäß sei die Verdunklung mit Vorhängen, hier gebe es professionelle Lösungen. Auch das Stellwandsystem im Großen Saal, die alten Teppichböden und die Außenbeschilderung müssten erneuert werden, um von den Besuchern besser wahrgenommen zu werden.

Daneben versucht Dorothee Bieske, mit den Sonderausstellungen neue Akzente zu setzen. Am 22. Mai kommt Peter F. Piening aus Ahrensburg und zeigt Gehäuse zum Hineinsetzen und Bildobjekte, die er mit der Laubsäge gestaltet hat. Weiter geplant: Parallel zu Green Screen eine Ausstellung mit Werken von Filmemacher Heiko de Groot, organisiert vom Eckernförder Fotografen Heinz Teufel, und im Oktober gibt es „Multiple Art“ – Kunst in Serie – von und mit Bernhard Schwichtenberg.

„Das Hauptproblem ist der mangelnde Platz“, hat die neue Museumsleiterin analysiert. Daher wäre es denkbar, die Dauerausstellung umzustrukturieren und eventuell auf bestimmte Inhalte zu verzichten und diese stattdessen nicht mehr real, sondern in einer Medienstation zu zeigen. Es könnten keine Besuchergruppen wie Schulklassen untergebracht werden, um mit ihnen museumspädagogisch zu arbeiten. Auch die Arbeitsplätze seien verbesserungswürdig, zudem sei es kalt und zugig im Museum, was für die Exponate gut, für die Besucher und Mitarbeiter aber weniger gut sei, so Bieske. Platzmangel herrsche auch im Gemäldemagazin, dort wäre ein neues Hängesystem wünschenwert.

„Ich würde mir einen Anbau wünschen“, sagte Bieske. Dieser könnte hinter dem Museum errichtet werden, wo jetzt die vielen Mülltonnen auf dem Kirchplatz stehen. Eine architektonisch schöne Lösung mit Zugang vom Eisenbahnraum wäre für sie „eine langfristige Vision für das Eckernförder Museum“.

Ausschussvorsitzender Reiner Bunte dankte Dorothee Bieske für die offenen Worte und „hervorragenden Visionen“ und schlug die Aufstellung einer Prioritätenliste vor. „Das muss alles bezahlbar sein“. Auch das Stadtarchiv, das in den Zuständigkeitsbereich der Museumsleiterin gehört, sei „in einem prekären Zustand“, ergänzte Rainer Beuthel (Die Linke), der anregte, es besser in Funktion zu setzen. Diana Thomas (CDU) regte an, das Museum eventuell mit der Museumsräucherei zu vernetzen. Dorothee Bieske griff diesen Vorschlag auf und zeigte sich offen für eine Kooperation.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 06:32 Uhr

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