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Nacht der Kirchen in Altenholz : Grenzen überwinden, Freiheit vor Augen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Stimmungsvolles Programm mit Liedern und Texten zum Thema „grenzenlos“ bis Mitternacht

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 06:54 Uhr

Kerzen brennen, hunderte Gäste kommen und gehen, hören sich kleine Vorträge an, lauschen der Musik und genießen gespendete Köstlichkeiten vom Büffet. Darunter viele, die sonst nicht in den Gottesdienst oder die Kirche gehen. Auch die zweite ökumenische Nacht der Kirchen in Altenholz am Freitag, die vierte im Raum Kiel, bot vielfältige Einblicke in kirchliches Leben. Altenholz‘ Pastor Dirk Große und Kirchenmusikerin Susanne Schwerk hatten für die Zeit von 19 bis 24 Uhr ein reichhaltiges Programm zum Thema „grenzenlos“ zusammengestellt, inspiriert durch den Mauerfall vor 25 Jahren. „Jeder kann kommen und gehen, wann er will“, stimmte Pastor Dirk Große die Gäste ein. „Essen und trinken Sie. Haben Sie’s gut.“

Es ging um Grenzerfahrungen. Mona Golla von der ZBBS (Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten) erzählte von Grenzerfahrungen junger Asylsuchender, Pastor Klaus Peter Bregas, ehemaliger DDR-Bürger schilderte seine Erfahrungen mit dem Mauerfall, Thomas Haß, Schulleiter der Regionalschule Altenholz berichtete von sozialpädagogischen Herausforderungen im Schulalltag, Torsten Kruse, Tätertherapeut der Beratungsstelle im Packhaus, vom therapeutischen Umgang mit schweren Grenzverletzungen von Gewalttätern, und May-Britt Melzer, ehemalige Theologie-Studentin in Jerusalem, von Auswirkungen der dortigen Mauer auf das Leben in israelischen und palästinensischen Gebieten.

Grenzen überwindet die Musik. In farbiges Licht getaucht, verzauberte das Duo Zia aus Berlin mit Christian Grosch (Orgel) und Marcus Rust (Trompete) mit einer Reise durch Kontinente und Jahrhunderte. Mit viel Improvisation und feinem Jazz schärften sie das universale Bewusstsein für das eine, aus dem alles kommt. Ethno Mass, die Stifter Kantorei und der Projektchor Altenholz huldigten mit Gospels aus Südafrika und Botswana die Liebe zu Gott und die Freiheit.

Den Hauptvortrag hielt der ehemalige DDR-Bürger Klaus Peter Bregas, heute Pastor in Hamdorf. „Die Mauer ist gefallen, alles ist gut“, sagte er. „Aber die Grenzen, die in einem stecken, haben einen anderen Rhythmus zu fallen.“ Denn vorher hieß es den Schein zu wahren, bloß nicht zu viel zu sagen. Zu Hause bei ihnen und in seiner Kirchengemeinde wurde noch das freie Wort gesprochen, deshalb habe er die DDR-Zeit nicht als so beengend empfunden. Frieden fand er in der Musik, die die Menschen im Innersten anspricht, und in Friedensgebeten. Sie wollten keine Gewalt, haben die NVA-Soldaten vor der Kirche mit Kerzen aufgehalten. „Aber die Angst war immer Begleiter.“ Dann die Pressekonferenz im Fernsehen. Schon klopften Freunde an der Tür, riefen: Die Grenzen sollen offen sein. Sie fuhren sofort nach Berlin, wo die Menschen schon auf beiden Seiten der Mauer feierten.

„Ich habe mich in dem Vortrag null wiedergefunden“, meinte hinterher Besucherin Heike Trapp aus Altenholz. Sie stammt auch aus der ehemaligen DDR, hat in Leipzig alles miterlebt. Bei uns in der Stadt hieß es für die Soldaten: Einsatz Schlagstöcke frei. „Wir sind um unser Leben gerannt.“ Als die Mauer fiel, holte sie sich sofort am nächsten Tag einen Stempel, um eine Freundin in Berlin zu treffen. Es war die spannendste Zeit ihres Lebens. „Aber die Angst vor der Polizei blieb“, sagte sie. „Es hat mehr als zehn Jahre gedauert, bis ich die losgeworden bin.“ Eine regelmäßige Kirchgängerin sei sie nicht, bekannte sie. Aber dieses Thema interessiert sie. Sie überlegt, in der Friedensgruppe der Kirchengemeinde mitzuarbeiten. Überhaupt sei es ein sehr vielseitiges Programm, lobte sie, die Musik vielfältig und das Essen vorzüglich.






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