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vorbildliche integration : Grenzen gibt es im Café nicht

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Willkommenscafé im Gemeindehaus Karby wird zur festen Einrichtung und steht jedem Menschen offen. In lockerer Atmosphäre lernen sich Schwansener und Flüchtlinge kennen.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2015 | 05:32 Uhr

Karby | Sie spielen „Mensch ärgere dich nicht“. Muss eine Spielfigur ins Haus zurück, wird auch manchmal geflucht – je nach Temperament mal leiser oder lauter. An sich nichts Ungewöhnliches – nur dass die Worte außer auf Deutsch auch auf Arabisch, Albanisch oder Serbisch gesagt werden. Die achtjährige Asila aus dem Kosovo liebt Memory. Ihre Spielpartnerin ist Heike Schlömer (53). Zwar können sie sich nicht in einer Sprache verständigen. Aber mehr als Worte zählen die Gesten, Blicke und ein Lächeln . Beide nehmen am Willkommenscafé im Gemeindehaus Karby, zu dem der Willkommenskreis Höxmark und die Kirchengemeinde jeden Donnerstagnachmittag einladen, teil.

Bereits zum sechsten Mal können Flüchtlinge, ehrenamtliche Helfer oder auch nur Interessierte morgen Nachmittag im Gemeindehaus beim Willkommenscafé zusammenkommen und sich kennenlernen. Der Anstoß für dieses Café stammt vom Willkommenskreis Höxmark, der sich aufgrund der vergleichsweise großen Flüchtlingsunterkunft in der Gemeinde Brodersby gebildet hat. Mit von der Partie sind auch Bettina Starck (47) und Heike Schlömer, die regelmäßig ins Café kommen. „Ich komme als Mensch her und nicht als Vorsitzende“, sagt Starck, Vorsitzende des DRK Karby-Dörphof. Da mittlerweile zwei Familien mit insgesamt zehn Personen in Dörphof untergebracht seien, sei es für sie selbstverständlich, die Neubürger kennenzulernen und zu unterstützen.

Asila ist mit ihrer Familie, Vater Shpejt (42), Mutter Edlino (36), die Brüder Sallah (15) und Bleonard (13), aus dem Kosovo geflohen. Sie sind in Dörphof untergebracht. Obwohl erst seit kurzem in Deutschland, spricht Bleonard schon einige deutsche Worte und kann beim Spiel oder im Gespräch übersetzen. Demnächst will er im TSV Karby in der Mannschaft Fußball spielen.

Am Tisch gegenüber sitzen Andreas und Marion Kropf aus Winnemark mit Muhammad (26), Monzer (25) und Dara (23). Die drei jungen Syrer wohnen zurzeit in der Flüchtlingsunterkunft in Höxmark und sind mit dem Fahrrad nach Karby gekommen. Diese haben sie eigenhändig im Fahrradworkshop repariert. Die jungen Männer amüsieren sich prächtig, hat doch Andreas Kropf (57) ein Wörterbuch „Deutsch – Hocharabisch“ in den Händen und versucht, arabische Sätze in einem Kauderwelsch aus Arabisch und Deutsch vorzulesen. Ehefrau Marion nimmt bereits zum fünften Mal am Willkommenscafé teil. „Weil ich gerne helfen möchte und Zeit habe“, beschreibt die 50-Jährige ihre Motivation.

„Neugier, fremde Kultur und der Wille zu helfen“ – für Angelika Teegen aus Schönhagen war es von Anfang an klar, dass sie die Flüchtlinge unterstützen möchte. Durch die Teilnahme der 61-Jährigen an der Handtuchaktion der Firma Knutzen bekommen viele Flüchtlinge zusätzliche Handtücher – ein Segen, so Claudia Schmidt. Mitglied im Kirchengemeinderat Karby. Sie lobt die lockere und entspannte Atmosphäre im Gemeindehaus, in der die Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion sich ohne Zwang begegnen können. Vorurteile würden auf diese Weise schnell abgebaut.

Asila gewinnt an diesem Nachmittag beim Memory gegen Heike Schlömer. Die Brodersbyerin kann sich morgen Nachmittag bei einem erneuten Spiel revanchieren.

 

 

> Das Willkommenscafé findet jeden Donnerstag von 15.30 bis 17.30 Uhr im Gemeindehaus Karby statt. Es steht allen offen.

 

 

 

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