Green Screen: Viereckige Augen nach fünf Tagen

Jurysitzung im dunklen Kämmerlein (v.l.): Claudia Sewig, Christian Herrmann, Michael Packschies, Lodur Tettenborn, Daniel Opitz und Marlen Hundertmark.
Jurysitzung im dunklen Kämmerlein (v.l.): Claudia Sewig, Christian Herrmann, Michael Packschies, Lodur Tettenborn, Daniel Opitz und Marlen Hundertmark.

Jury bewertet 150 Filme bei ihrer Sitzung im Stadthotel / Green-Screen-Festival vom 10. bis 14. September

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07. Mai 2015, 06:14 Uhr

Eckernförde | Nach fünf Tagen haben sie schon viereckige Augen: Die Jurymitglieder des Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen haben gestern ihre Arbeit beendet und die letzten von insgesamt 150 Filmen zwischen 30 und 90 Minuten Länge begutachtet und diskutiert. Seit gestern Abend verfügt das Festivalteam also über eine umfangreiche Bewertung der Einreichungen, auf deren Grundlage das Programm zusammengestellt wird. Rund 95 Filme zeigt das Festival in seiner neunten Auflage vom 10. bis 14. September.

Die Vorgehensweise der Jury ist neu, wie ihr Vorsitzender Michael Packschies, der Leiter der städtischen Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung, gestern mitteilte: „Die Jury ist keine Auswahljury mehr, sondern eine Nominierungsjury.“ Zweite Neuerung: In diesem Jahr mussten sich die Filmemacher bei ihrer Bewerbung für eine bestimmte Preiskategorie anmelden. „Nur so können sie auch in dieser Kategorie gewinnen“, erklärt Packschies. Wer sich also Chancen in verschiedenen Kategorien ausrechnet, kann sich in jeder bewerben – muss aber auch jedesmal die Gebühr dafür bezahlen. Insgesamt sind 207 Filme aus 33 Ländern im Green-Screen-Büro eingegangen.

Die Juryarbeit ist in jedem Jahr anstrengend: Die Mitglieder, größtenteils selbst Filmemacher, sitzen fünf Tage lang für jeweils zehn Stunden in einem Raum des Stadthotels, wo sie die Filme begutachten. Dabei müssen die Werke nicht komplett gesehen werden: Jedes Jurymitglied musste im Vorfeld als Hausaufgabe 20 bis 35 Filme sehen, die es bei der Sitzung vorgestellt hat.

Dabei fällt für die Jury, die ehrenamtlich tätig ist, durchaus etwas ab, wie Marlen Hundertmark aus München erklärt: „Man erhält einen sehr guten Überblick über die aktuellen Produktionen der Naturfilmszene und kann daraus lernen“, sagt sie. „Man erhält einen anderen Blickwinkel und wird offen für andere Meinungen.“ Das bestätigt ihr Kollege Lodur Tettenborn: „Ich nehme viel mit nach Hause, zum Beispiel die Trends in der Produktionsweise.“

Christian Hermann vom Bayerischen Rundfunk ist langjähriger Green-Screen-Begleiter und mehrfaches Jurymitglied. Ihm gefällt der Blick auf den Nachwuchs. „Junge Leute, die sich trauen, aus dem alten Schema auszubrechen und Sachen zu machen, die wir alten Filmemacher gar nicht mehr wahrnehmen.“ Wenn das gut gemacht ist, bestehen auch Chancen auf einen Preis. Dabei steht die Professionalität an erster Stelle. „Wir gehen alle sehr objektiv an die Filme ran, aber dennoch bleibt ein Film eine sehr subjektive Sache“, sagt die Wissenschaftsredakteurin Claudia Sewig.

Einig waren sich alle, dass es eine sehr konstruktive Zusammenarbeit war – wie sie es von Green Screen gewohnt sind, so Meeresfilmer Daniel Opitz: „Allein die Tatsache, dass uns ein Wal in der Bucht besucht, während wir hier die Jurysitzung haben, werte ich als deutlich positives Signal.“

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