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EZ–Landwirtschaftsserie : Grassilage:Wertvollste Ernte im Jahr

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Grasmähen, Häckseln und das Gras als Futter in einer Silage einarbeiten, das liegt im Mai neben Pflanzenschutz und Dünung auf dem Hof Köhn an

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erstellt am 31.Mai.2016 | 06:44 Uhr

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt. Der Konkurrenzdruck der Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt.

Drei Tage, die über den wirtschaftlichen Erfolg im kommenden Jahr mitentscheiden, liegen im Mai vor dem Landwirt–Ehepaar Silke und Reimer Köhn. Der erste Schnitt ihres Grünlands für die Anlage von Silagefutter für die rund 350 Rinder steht bevor. „Wenn die Ernte in die Hose geht, oder die Qualität schlecht ist, dann wird es teuer“, sagt Köhn, und auch Silke Köhn ergänzt, diese Ernte sei die wertvollste im ganzen Jahr. An sich hatten sie schon in der Vorwoche anfangen wollen, aber das Wetter spielte nicht mit. Drei gute trockene Tage brauchten sie, um die rund 40 Hektar zu bearbeiten. Doch nicht nur das. Da ein Lohnunternehmer für das Häckseln des Grases auf rund 0,5 Zentimeter lange Grasfasern gebraucht wird, muss auch er Zeit haben. Das Gras hat Reimer Köhn, unterstützt von seinem Vater Richard schon gemäht. Mit dem Kehrer wird das Gras gewendet, damit es anwelkt. Je nach Feuchtegehalt wird der Vorgang wiederholt. Zu trocken darf das Gras aber auch nicht sein, sonst gelingt die Silage später nicht. Ist das Gras soweit abgetrocknet, dass die Trockensubstanz gut 30 Prozent erreicht, wird das Gras mit dem Schwader zusammengeharkt. Ein guter Häcksler schafft bis vier Hektar in der Stunde, wobei er vorne das Gras aufnimmt, es zerkleinert und hinten direkt in parallel fahrende Anhänger auswirft.

Auf dem Hofgelände wartet eine leere Betonsilagewanne. Dort hinein wird das Häckselgut eingefahren. Damit die Qualität des Futters gut wird und auch lange hält, muss das Gras stark verdichtet werden, damit möglichst keine Luft eingeschlossen wird, erklärt Reimer Köhn. Mit einem 15 Tonnen schweren Walzer wird das Material gepresst. Das Häckselmaterial wird mit zwei Folien abgedeckt, damit auch von außen keine Luft und kein Wasser eindringt. Mit Autoreifen oder Sandsäcken werden die Futterlager abgedeckt, um die Planen zu befestigen.

Unter Luftabschluss kommen dann die Milchsäurebakterien zum Einsatz, die im Gras vorhanden sind. Werden bei einer Untersuchung zuvor zu wenige festgestellt, können sie beim Häckseln noch zugeführt werden. Sie verbrauchen die Restluft. Andernfalls würden Pilze die Luft verwerten und das Futter verrottend lassen. Nach vier bis sechs Wochen ist die Silage stabil, sagt Köhn. Auf dem Hof werden bis zu 4000 Kubikmeter Silage gelagert. Täglich werden sieben bis acht davon verfüttert. „Ich habe lieber eine Reserve, als dass die Rinder hungern müssen“, sagt Reimer. „Die Tiere sind unsere Existenzgrundlage.“ Bevor die Silage verfüttert wird, wird ihr Nährstoff-, Mineralstoff-, Eiweiß- und Energiegehalt in einem Labor ermittelt. Danach wird die Futtermenge berechnet und bei Bedarf zugefüttert. Im Spätsommer erfolgt ein zweiter Grasschnitt, bevor im Oktober der Mais zu Futtersilage verarbeitet wird.

Und während die Männer draußen sind, sorgen Silke Köhn und ihre Schwiegermutter Gerda Köhn für die Versorgung der Mannschaft. Um 9 Uhr servieren sie für alle Frühstück. Da erfolge zugleich die Tagesplanung, sagt die Landwirtin. Kaum ist die Küche wieder sauber, werden Kuchen gebacken, damit es um 15.15 Uhr etwas zum Kaffee gibt. Vorher schmeißen sie aber noch den Herd an und kochen klassische Hausmannkost für zehn, manchmal auch mehr Esser. „Was es gibt entscheiden wir spontan“, sagt Silke Köhn. Nur sonnabends, da sind Tomatensuppe und Pfannekuchen gesetzt. Sind die Männer über Mittag draußen, weil die Rückfahrt zum Hof zu lange dauern würde, bringt sie das Essen in Körben raus. Nur abends, da sei sie aus dem Schneider, da esse jeder wie und was er wolle.

Abgeschlossen wurde im Mai die letzte Maisaussaat und die Unkrautbekämpfung in den schon größeren Maikulturen. Durch seien sie auch mit dem Raps. Er wurde gedüngt und mit Pflanzenschutz behandelt. Die Pflanzen hätten sich sehr gut entwickelt, das sei im Frühjahr so nicht zu erwarten gewesen, sagt Reimer Köhn.

Auf den Juni freuen sich alle auf dem Hof. „Das ist der entspannteste Monat“, sagt Köhn. Da hätten sie sogar Zeit für Urlaub. Mit dem Klauenschneiden aber wartet im Juni auch eine der anstrengendsten Aufgaben auf sie, meint Silke Köhn. Außerdem werde Zeit für Reparaturen sein, es werde aufgeräumt, und Untersuchungen zur Milchqualität ständen bevor.

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