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Entwicklungsgeschichte : Gräber, Muschelhaufen und verträumte Buchten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Joachim Sebastian berichtet im voll besetzten Carls über die Entwicklungsgeschichte des Windebyer Noors

Eckernförde | Die Geschichten und Geheimnisse des Windebyer Noors lockten am Montagabend rund 200 Besucher in das Carls auf Carlshöhe. Referent Joachim Sebastian, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Vor-und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft Eckernförde, hatte seinen Vortrag spannend verpackt. Mit einer Power-Point Präsentation ging es auf eine Zeitreise, fasziniert verfolgten die Besucher die Entstehungs- und Besiedlungsgeschichte rund um das Windebyer Noor.

Ein Relikt der Gesteinsschübe ist der „weiße Stein“ im Noor, der eigentlich aus rotem Granit besteht und seine Herkunft in Schweden hatte. Sebastian: „Weiß ist er nur, weil die Vögel ihre Hinterlassenschaften hemmungslos darauf kleckern lassen!“ Humorvoll gab Sebastian ein Gedicht seines Vorstandskollegen Dr. Heinrich Mehl über den Stein zum Besten (siehe Info-Box).

Mit einer Laserscan-Dokumentation ging es auf Untergrunduntersuchung der Eckernförder Bucht. Der Referent zeigte den stetigen Anstieg des Meerwasserspiegels auf und damit die Veränderungen in der Natur. Der Fund einer Geweihaxt belegt, dass schon vor 7000 Jahren Menschen am Altenholzer Strand siedelten. Aus der Jungsteinzeit sind die Megalith-Hünengräber zu sehen wie in Lehmsiek, Goosefeld oder Karlsminde – für Joachim Sebastian einzigartige Nachweise der Grabkultur unserer Vorfahren.

In dieser Zeit begannen die Menschen auch Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Die waldreiche Gegend erinnert an die Sage, dass die Eichhörnchen von Ast zu Ast hüpfen konnten, ohne den Boden zu berühren. Siedlungsfunde aus der Zeit vor 3500 bis 2500 Jahren zeigen die ersten Bronzerelikte. Schon damals betrieben die Menschen Fernhandel, denn Kupfer gewann man im Erzgebirge, Zinn kam aus Großbritannien. Ungefähr um die Zeit von Christi Geburt muss es um das Windebyer Noor größere Siedlungen gegeben haben – darauf verweisen die vielen Muschelhaufen, Reste von Keramik und Kohlerückstände, die dort gefunden wurden. „Wenn man eine Herzmuschel am Windebyer Noor findet, kann man sicher sein, das diese Muschel rund 2000 Jahre alt ist!“, sagte der Referent.

Joachim Sebastian nahm die Zuhörer immer wieder mit auf die spannende Reise, weiter ging es in die Wikingerzeit. Der Osterwall, das Danewerk, zeigen die Landsperre der Jüten gegen die Sachsen und Slawen, sie sind gut erkennbare Relikte aus der Zeit. Grenzbefestigungen gab es auch in Borby mit einer Wallburg, in Eckernförde vermutlich eine Turmhügelburg wie aus dem alten Stich von Braun Hogenberg ersichtlich. Heute besteht die Möglichkeit, auf dem Rundweg um das Noor anhand von 15 aufgestellten Motivschildern der Arbeitsgruppe „Landschaft und Kultur“ der Heimatgemeinschaft die Hintergründe von der Entstehung des Noors, der Besiedlung der Landschaft und der Kulturentwicklung bis in die Neuzeit kennenzulernen.

Romantisch wurde es im zweiten Teil des Vortrages. Mit dem Referenten ging es in die Botanik, zauberhafte Wanderungen zu jeder Jahreszeit, verschiedene Biotoptypen, Blütenpflanzen, Früchte und Pilze zeigen die Vielfalt der Noor-Landschaft. Mystisch und verträumt ging es mit Henrike Mahrt im Fischerboot aufs Noor. In der bebilderten Fahrt mit dem Fischerboot ging es in die einzelnen Buchten. Die Fischerfamilie Mahrt ist fest mit dem Noor verbunden. Seit über 60 Jahren sind sie Pächter und kennen das Noor mit allen ihrer Schönheit und ihren Tücken ganz genau. Die unsichtbare Unterwasserlandschaft mit ihren Höhen und Tiefen, der Fischbestand und die Art des Fischfanges geben einen Einblick in die heutige Zeit.

Simone Hansen (23) war eigens aus Kiel angereist: „ Ich habe davon in der Zeitung gelesen und bin total begeistert, was hier alles Geschichte, Archäologie und Geologie herausgefunden wurde.“ Das Publikum dankte Joachim Sebastian mit großem Applaus. Auch das Gedicht von Heiner Mehl zum weißen Stein im Noor verfehlte seine Wirkung nicht.



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