Grabstein des Grafen St. Germain entdeckt

Kapitän Peter Sparr am Fahrgastschiff 'Freya'. Im Wasserrad hatte sich das barocke Steinporträt verhakt.   Foto: Reederei Adler-Schiffe.
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Kapitän Peter Sparr am Fahrgastschiff "Freya". Im Wasserrad hatte sich das barocke Steinporträt verhakt. Foto: Reederei Adler-Schiffe.

In der Ostsee ist jetzt der Grabstein des Grafen St. Germain gefunden worden. Hat die Flut von 1872 den Stein aus der Innenstadt geschwemmt? Fachleute bestätigen seine Echtheit.

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01. April 2009, 10:08 Uhr

Eckernförde | Für Eckernförde ist es eine Sensation. Wohl gibt es die bekannte Eintragung in den Kirchenbüchern von St. Nicolai vom Tod des Grafen St. Germain am 27. 2. 1784, aber einen Grabstein für den berühmten Abenteurer, Diplomaten, Reisenden aus der Barockzeit gibt es nicht. Menschen aus ganz Europa kommen nach Eckernförde, um dem Sagenumwobenen nahe zu sein. Jetzt könnten sie bald einen handfesten Bezugspunkt zu Leben und Sterben des Grafen in der Ostseestadt besuchen: Ein Kapitän und zwei Taucher haben das Fragment einer Statue im Meer gefunden, ein Kunsthistoriker stellte eine beweiskräftige Inschrift sicher.

Jedes Jahr wenden sich viele hundert Menschen an die Betreuer der Stadtkirche und fragen nach dem Grabplatz von St. Germain. Sie beziehen sich auf die zahlreichen Veröffentlichungen über das Leben des Grafen (wahrscheinlich 1696 - 1784), auf seine belegten Aufenthalte bei Landgraf Carl von Hessen-Kassel auf Schloss Gottorf, auf dessen Sommersitz in Louisenlund und in Eckernförde, wo St. Germain Forschungen im Bereich Farben und Gerben gemacht hatte. Als seine Arbeitsstätte wird die Otte´sche Manufaktur angenommen, der Pastor hat seinen Tod knapp aber ordnungsgemäß ins Kirchenbuch eingeschrieben ("in hiesiger Kirche still beygesetzt"), aber seitdem gibt es keine Spur des Wiedergängers, Zeitenwanderers, Alchemisten, Lehrers, wie die in ganz Europa populäre Gestalt auch genannt wird. Vor allem wurde stets ein Grab oder Grabstein gesucht, die für einen vornehmen Mann seiner Zeit in der Regel im Kirchenraum angelegt wurde.

Was manche Historiker nur als Ahnung ausgesprochen hatten, scheint jetzt bewiesen zu sein: Die Grabsteine im Kirchenschiff wurden von der großen Flut 1872 so unterhöhlt, dass sie entfernt werden mussten; manche mögen bis in den Hafenbereich fortgespült worden sein, um von dort, im Laufe der Jahrzehnte, von weiteren Sturmfluten weit in die Ostsee hinausgetragen zu werden. Als die historische "Freya", eines der wenigen noch in Betrieb befindlichen Fahrgastschiffe mit Wasserradantrieb, im Februar im Bereich des Stoller Grunds kreuzte, bemerkte Kapitän Peter Sparr "Unwuchtschwingungen" am linken Wasserrad. Eine Untersuchung noch vor Ort machte deutlich, dass sich ein Steinelement im Rad eingeklemmt hatte. Sparr, diplomierter Kapitän auf der "Freya": "Mein Schiffsingenieur konnte das störende Teil an Bord bringen. Ich erkannte zu meinem Erstaunen einen menschlichen Kopf, vielleicht Teil einer Statue."

Das Fragment wurde an Land gebracht und in Eckernförde von Dr. Heinrich Mehl, ehemals Landesmuseum Schleswig, untersucht. Der Kunsthistoriker und Autor einer Publikation über die legendäre Gestalt des Grafen St. Germain, identifizierte den Kopf als Teil eines Sandstein-Epitaphs oder Grabsteines aus der Zeit des Barock. "Zuerst hielt ich es für eine durchschnittliche Steinmetzarbeit, vielleicht Kopfteil einer Steintafel oder gar einer ganzen Figur von etwa 1,50 Meter Höhe. Elektrisiert war ich erst, als ich auf der Rückseite, hastig in den Stein gekratzt, die Worte Graf Weldone und, als eine Art Katalognummer, die Bezeichnung I/ 45 a erkannte", sagte Mehl unserer Zeitung.

Da St. Germain das Wort "Weldone" als eines seiner Pseudonyme benutzte, was auch in der Kirchenbucheintragung erwähnt wird, musste es sich um den berühmten Grafen handeln. Die Nummer im Stein könnte von einer Archivierung oder Magazinierung her stammen. Offensichtlich, so mutmaßen daraufhin befragte Historiker, waren die Gräber in St. Nicolai schon vor der Flut zur Umsetzung vorbereitet und durchnummeriert worden.

Im Auftrag der Wissenschaftler unternahm das "Tauchcenter Eckernförde" mit einem Schlauchboot mehrere Fahrten ins Fundgebiet. Schulleiter Thomas Krimm: "Der Taucher Marco Knaup und ich haben beim Tauchtraining im betreffenden Seeraum in nur drei Meter Tiefe weitere bearbeitete Teile aus Sandstein gefunden und haben sie geborgen". Noch ist für die eingeschalteten Restauratoren nicht erkennbar, wie die Teile zusammenpassen. Aber es wird deutlich, dass sie zum Kopf passen.

Eckernförde hat damit den Grabstein St. Germains gefunden und gewinnt zugleich die europaweit erste Statue des berühmten Grafen. Die Fundstelle in der Eckernförder Bucht bleibt, um Hobbytaucher nicht zu ermuntern, vorerst ungenannt. Die Plastik des Grafenkopfes ist ab morgen in einer Vitrine im Erdgeschoß des Rathauses ausgestellt.

.Der Autor ist Mitglied der wissenschaftlichen Forschungsgruppe St. Germain in Potsdam

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