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Eckernförder Zeitung

26. September 2017 | 07:46 Uhr

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 08.Apr.2014 | 10:53 Uhr


„7 Wochen Ohne“, die Fastenaktion der evangelischen Kirche: Die Botschaft zur Passionszeit lautet in diesem Jahr „Selber Denken! 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten“. Heute verrät der Verwaltungsfachmann Matthias Meins aus Gettorf, was dieses Motto für ihn bedeutet.


Als Leiter einer Kommunalverwaltung fallen mir zu dem Thema „Selber Denken! Sie-ben Wochen ohne falsche Gewissheiten“ viele Bereiche ein, über die ich an dieser Stelle schreiben könnte. Nicht erst seitdem ich Amtsdirektor im Amt Dänischer Wohld bin, habe ich mich mit der Frage beschäftigt: Was kann die öffentliche Hand leisten und in welchen Bereichen ist die Gesellschaft auf ehrenamtliches Engagement angewiesen? Natürlich gibt es Menschen, die sehr schnell nach der öffentlichen Hand rufen, damit diese allumfassend die vermeintlich misslichen Dinge im Leben regelt und sei es nur der nachbar-schaftliche Streit über nicht gefegte Gehwege. Aber das sind zum Glück Einzelfälle. Viel öfter erlebe ich alltäglich freiwilliges Engagement, das unser Gemeinwesen und unseren Staat erst zu dem macht, was wir sind. Anders formuliert: Freiwilliges Einbringen in die Gesellschaft ist unverzichtbar.

In diesem Artikel möchte ich mein Augenmerk auf unsere freiwilligen Feuerwehren richten – die vielen anderen Bereiche, in denen ehrenamtliches Engagement ebenfalls zu würdigen ist, mögen es mir hoffentlich verzeihen.

In der Gemeinde Osdorf gab es vor einigen Jahren im Neubaugebiet einen kleineren Garagenbrand. Ein junger Familienvater hatte beim Basteln einen Brand entfacht, den die örtliche Freiwillige Feuerwehr Osdorf rasch löschte. Ebenfalls vor nur wenigen Jahren setzte bei einem Säugling, dessen Eltern in Gettorf wohnen, während eines Tierparkbesuches die Atmung aus. Die First Responder Truppe der Gettorfer Freiwilligen Feuerwehr war schnell an der Seite der verzweifelten jungen Eltern.

Warum hebe ich gerade diese Einzelfälle hervor? Nun, in beiden Fällen traten diese jun-gen Familienväter als Reaktion in ihre jeweilige Wehr ein. Sie haben erkannt, dass die ihnen zugekommene Hilfe auch von anderen Menschen benötigt wird, d. h. die wollten der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich finde, das sind zwei ganz großartige Beispiele für „Selber denken!“. Zum Glück treten die wenigsten jemals aus der Feuerwehr wieder aus, sondern bleiben ein Leben lang Mitglied.

Bei den freiwilligen Feuerwehren, so hört man häufig, sind nur der Eintritt und der Austritt freiwillig, alles andere zwischen diesen Ereignissen ist Dienst. Die Aussage ist nach meiner Beobachtung durchaus richtig: Zu jeder Tages- und natürlich auch Nachtzeit müssen die Kameradinnen und Kameraden im Alarmfall ausrücken. Und zum Zeitpunkt der Alarmierung wissen sie gar nicht, ob es sich nur um den x-ten Fehlalarm oder gar eine Großschadenlage handelt. Die ständige Alarmbereitschaft wird im Übrigen ergänzt durch eine Vielzahl von Diensten und Übungsabenden. Die Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr ist zeitintensiv.
Die freiwilligen Feuerwehren in unserem Land sind gerade im ländlichen Raum überaus wichtiger Kulturträger. Sie vermitteln wichtigen Gemeinschaftssinn und sind die Basis für lebenslange Freundschaften. In den Jugendwehren werden junge Menschen mit viel Spaß und Spiel an die Materie herangeführt.

Schließlich – und so soll sich der Bogen zu „7 Wochen ohne“ schließen – entspricht das Wesen der Freiwilligen Feuerwehr nach meiner Überzeugung zutiefst unserem christlichen Menschenbild. „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ – dieses Leitbild prangt auf vielen Feuerwehrgerätehäusern. In Norddeutschland übrigens zumeist in Plattdeutsch. Ich finde, das Motto der diesjährigen Fastenaktion passt gut: Es gibt die grundsätzliche Gewissheit, dass uns unsere freiwilligen Feuerwehren im Notfall helfen. Es wäre jedoch eine gänzliche falsche Gewissheit, diese Hilfe gar für selbstver-ständlich zu halten. Denn die Menschen, die diese kommunalen Pflichtaufgaben (!) umsetzen, tun dies wie gesagt ihrerseits freiwillig.

Deswegen sei an dieser Stelle allen Kameradinnen und Kameraden besonders herzlich gedankt. Amtsvorsteher Kurt Arndt und ich werden auch weiterhin gern Alarmübungen, Jubiläen und Jahreshauptversammlungen besuchen.

>Matthias Meins (46) ist Amtsdirektor des Amtes Dänischer Wohld in Gettorf


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