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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 06:34 Uhr

Gospel-Show in vollbesetzter Kirche

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Glory Gospel Singers aus New York gastieren in der Borbyer Kirche / Berührende Momente und ein Sängerwettstreit mit dem Publikum

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 06:25 Uhr

Die Borbyer Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, als die sechs Glory Gospel Singers aus New York den Altarraum betraten. „The Glory Gospel Singers“ sind ein Teil der bis zu 70-köpfigen New York „WWRL Community Chorale“ und werden für jede Tournee von der Leiterin Phyllis McKoy Joubert neu zusammengestellt. Bereits seit 1996 führten Tourneen die Sänger immer wieder nach Frankreich, aber auch bei Konzerten im Hamburger Michel oder im Gewandhaus in Leipzig fühlten sie sich zu Hause.

Die Geschichte des Gospels ist fest mit der Historie der Sklaverei verbunden, die vom 17. bis zum 19. Jahrhundert viele Millionen Menschen auf schlimmste Art und Weise von Afrika nach Amerika verbrachte. Für die Sklaven, die in völliger Unterdrückung lebten, wurde ihr Gesang zur einzigen Möglichkeit, ihrer Sehnsucht nach der Heimat Ausdruck zu verleihen. Zudem einigten diese sogenannten Work-Songs die Sklaven und halfen, die Eintönigkeit der harten Arbeit zu ertragen. Als Ausdruck ihres innigen Glaubens und ihrer Hoffnung auf Freiheit nutzten die versklavten Menschen ihre geistlichen Volkslieder – Spirituals genannt – dazu, verschlüsselt Nachrichten, Fluchtwege und andere Informationen zu übermitteln. Im späten 18. Jahrhundert begannen die Afroamerikaner, eigene Kirchengemeinden zu gründen. Eines der wichtigsten Elemente ihres Kirchen-Gesangs wurde ein Gestaltungsprinzip: Der Vorsänger singt eine Zeilevor, die dann von der gesamten Gemeinde wiederholt wird. So entsteht eine ganz besondere, lebendige Atmosphäre, die auch im Konzert der Glory Gospel Singers am Montagabend in der Borbyer Kirche vermittelt wurde.

Sängerin Jakeya Latoya Sanders begrüßte das Publikum mit einigen deutschen Worten, und bei den ersten bekannten Tönen der weltbekannten und traditionellen Gospels „Amen“ und „Kumbaya my Lord“ brandete sofort stürmischer Beifall auf. Auch bei der Abwandlung des US-Hits „I love it“ oder beim speziell für einen Gospel arrangierten „Hallelujah“ auf der Grundlage der hier bekannten Melodie des „Jägerchores“ aus Webers „Freischütz“ überzeugten die New Yorker.

Dann wurde das Publikum zum Mitsingen aufgefordert, was den meisten bei „When the saints go marching in“ natürlich leicht fiel. Weihnachtliche Stimmung kam bei „Silent Night“ und der Darbietung „Jingle Bells“ beim Publikum auf. Dann wurde es interaktiv, als drei Sängerinnen und drei Sänger aus dem Publikum ihr Können in einer Art Sängerwettstreit unter Beweis stellen sollten – sehr unterhaltsam.

Und genau dazu passt ein Zitat von Mahalia Jackson, der wohl bekanntesten amerikanischen Gospelsängerin: „Gospel-Musik ist nichts anderes als das Singen der Frohen Botschaft, das Verbreiten der guten Nachricht. Sie wird bleiben, solange es überhaupt Musik gibt, weil sie mitten aus dem menschlichen Herzen kommt. Singen Sie einmal mit, und ob Sie weiß oder schwarz sind – Sie werden es selber spüren. Die Zukunft der Gospel-Musik ist heller als ein Frühlingstag.“

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