Fairer Handel : Goldgräberstimmung im Weltladen

Das volle Sortiment: „Kaffee und Schokolade laufen am besten“, sagt Klaus Kaiser, Leiter des Grünen Hauses.
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Das volle Sortiment: „Kaffee und Schokolade laufen am besten“, sagt Klaus Kaiser, Leiter des Grünen Hauses.

Der Weltladen im Grünen Haus erfreut sich wachsender Beliebtheit. 20 Ehrenamtliche verkaufen hier fair gehandelte Produkte.

shz.de von
29. Januar 2015, 06:08 Uhr

Wer heute ein T-Shirt oder ein Pfund Kaffee kauft, weiß nicht, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. In vielen Fällen ist die Produktion mit Kinderarbeit, Umweltproblemen und unmenschlichen Arbeitsbedingungen verbunden. Besonders Billigprodukte stehen hier im Verdacht – gleichzeitig sind teure Waren kein Garant für gute Arbeitsbedingungen. Für den Endverbraucher ist es schwer, die Herstellungsprozesse zu durchschauen. Eine Alternative für den bewussten Einkauf bieten Weltläden, die Produkte aus fairem Handel verkaufen und so dazu beitragen wollen, dass auch in den südlichen Ländern bessere Arbeitsbedingungen herrschen.

Die Eckernförder mussten von der Schließung im Jahr 2009 bis zum Neubau und der Wiedereröffnung des Grünen Hauses 2014 eine lange Durststrecke überstehen. In dieser Zeit war nämlich auch der Weltladen geschlossen. Doch seit November hat er wieder geöffnet – und erfreut sich in der „Fair-Trade-Town“ Eckernförde wachsender Beliebtheit. „Viele sagen: Gut, dass es euch wieder gibt“, weiß Jugendpastor Klaus Kaiser zu berichten. Er leitet das Grüne Haus in der St.-Nicolai-Straße 21 und damit auch den Weltladen im Erdgeschoss.

Über 200 unterschiedliche Produkte gibt es hier auf 18 Quadratmetern zu kaufen, die meisten davon aus dem Lebensmittelbereich. Kaffee und Schokolade sind am meisten nachgefragt, es gibt aber auch Tee, Honig, Kekse oder Olivenöl aus Palästina mit dem passenden Kochbuch mit religiösen Rezepten von Juden, Christen und Muslimen. Zusätzlich kann man Kunsthandwerk erwerben, zum Beispiel Recyclingtaschen aus Zement- und Reissäcken, Modellautos aus Coladosen, Handytaschen aus Ziegenleder oder Uhren aus Metall.

Ihre Erzeuger, oft Kleinbetriebe, Werkstätten oder Kooperationen, erhalten faire Preise, die ihnen ein Leben in Würde ermöglichen. Die Erlöse für viele Produkte aus dem Süden sind nämlich im freien Welthandel so niedrig, dass Kleinproduzenten kaum davon leben können. Zusätzlich müssen Gewerkschaften erlaubt sein sowie eine soziale Absicherung und Arbeitsschutz gewährleistet werden. Kinderarbeit ist gänzlich verboten.

Insgesamt 27 verschiedene Logos gibt es, die den Fairen Handel dokumentieren. Dabei bleibt Kritik nicht aus: So wird zum Beispiel bemängelt, dass bei manchen Logos nicht alle Zutaten eines Produkts aus fairer Produktion stammen müssen. Auch wird von einigen Ökonomen kritisiert, dass der Faire Handel angeblich nicht die Armut bekämpft, sondern in erster Linie die Gewinnspanne der Handelsriesen vergrößert. Schwarze Schafe gibt es überall. Klaus Kaiser weiß: „Es ist dennoch ein Schritt in die richtige Richtung.“

Insgesamt habe sich die Qualität der Waren deutlich erhöht. „Vor 20 Jahren haben viele Leute in den Dritte-Welt-Läden aus Mitleid gekauft, auch wenn die Ware nicht so gut war. Die Zeiten sind vorbei.“ Und auch die Preise sind mittlerweile mit Qualitätsware aus herkömmlicher Produktion konkurrenzfähig. „Wir setzen auf eine Handelspartnerschaft, bei der wir auf Qualität achten.“

Insgesamt freut sich Klaus Kaiser über den großen Zuspruch: „Der Umsatz im November und Dezember war richtig gut.“ Und auch die Zahl der freiwilligen Helfer spricht für sich: 20 Ehrenamtler arbeiten in dem Weltladen, darunter sieben Jugendliche. „Und immer wieder fragen Menschen, ob sie mitmachen können.“ Der Fokus liegt allerdings darauf, möglichst junge Menschen in die Arbeit zu integrieren, die auch durch Bildungsarbeit in den Fairen Handel eingewiesen werden.

> Die Öffnungszeiten des Weltladens: Mi-Fr: 10-13 Uhr und 15-18 Uhr, Sa: 10-13 Uhr

> weltladen-eck@kkre.de > Jugendliche und Junggebliebene, die sich ehrenamtlich im Weltladen engagieren möchte, können sich unter Tel. 0151/27157243 bei Klaus Kaiser melden.

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