Ninive : Glühende Schnitte in stählernen Kiel

Geschmolzener Stahl rinnt ins Sandbett und kühlt langsam ab.
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Geschmolzener Stahl rinnt ins Sandbett und kühlt langsam ab.

Helfer des Technisches Hilfswerk haben den zwölf Meter langen Stahl-Beton-Kiel des abgewrackten Großseglers „Ninive“ zerlegt.

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02. Dezember 2017, 06:51 Uhr

Eckernförde | Zwölf Meter lang ist der Kiel der „Ninive“. Und tonnenschwer. Zu schwer für den Abbruchbagger, der vor kurzem den Rumpf des havarierten Zweimasters im „Trockendock“ am Borbyer Ufer zerlegt hat. Seitdem liegt der Kiel aus Stahl, Beton und dicken Eichenbohlen auf dem kleinen Parkplatz am Vogelsang. Gestern Nachmittag rückte ihm das Technische Hilfswerk mit schwerem und vor allem heißen Gerät zu Leibe und zerteilte das Zwölf-Meter-Teil in handlichere und transportfähige 1,50-Meter-Portionen. Bis es soweit war, hat es allerdings mehrere Stunden gedauert, es war ein zähes Geschäft.

Das Eckernförder THW hatte sich Unterstützung von der Schweren Bergung des THW Kiel geholt. Der Trupp hatte Sauerstoffkernlanzen – Eisenrohre mit innenliegenden Stahlstäben –, einen Plasmaschneider und einen großen Brennschneider mitgebracht, mit deren Hilfe der mächtige Stahl- und Betonkiel der „Ninive“ in Brennschneisen von 1,50 Meter Abstand zerschmolzen werden sollte. Manfred Zappe von der „Lütten Werft“ hatte seinen Bagger zur Verfügung gestellt, mit dem die schwere, aus acht Flaschen bestehende Sauerstoffbatterie punktgenau für den Einsatz platziert werden konnte. Mit dem Schweißbrenner wird die Spitze des Eisenrohrs mit den innenliegenden Stahlstäben zum Glühen gebracht, dann wird reiner Sauerstoff zugeleitet und die Brennlanze macht ihrem Name alle Ehre. THW-Helfer und Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens höchstpersönlich steht in Hitzeschutzkleidung und Schutzhelm auf dem Kiel und presst den bis zu 2500 Grad heißen Stab in den Stahl- und Betonblock und bringt das Gemisch zum Schmelzen. Gegenüber auf der anderen Seite des Kiels ist ein Kieler Kollege am Werk. Stück für Stück arbeiten sie sich vor, pressen und drücken die glühende Brennlanze in den mit Beton gefüllten Stahlkörper. Immer wieder sprühen Funken, der flüssige, orangefarbene Stahl rinnt auf das unter dem Kiel ausgebreitete Sandbett, und kühlt dort wie Lavamasse ab. Eine Knochenarbeit. Nach etwa 20 Minuten ist der erste glühende Schnitt gemacht, der Stahlkiel durchtrennt, das daran befestigte Eichenholz wird zersägt. Acht Mal wird diese schweißtreibende Prozedur wiederholt, dann ist der 12-Meter-Kiel zerlegt und die „Ninive“ endgültig Geschichte.

Am Montag wird auf dem Platz klar Schiff gemacht und in absehbarer Zeit dürften dort auch wieder wie zuvor Autos parken.

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