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Fotoausstellung : „Glück kennt keine Behinderung“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Heute Ausstellungseröffnung mit Familienfotos zu Trisomie 21 in der Damper St.-Elisabeth-Kirche von Jenny Klestil

Damp | „Sie werden als Mensch geliebt, nicht nach dem, was sie leisten und wo sie am besten sind“, sagt Jenny Klestil (40). Die Rheinländerin fotografiert Menschen. In über 700 Familien war sie schon und hat Bilder von Menschen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) gemacht. Unter dem Titel „Glück kennt keine Behinderung“ wird heute in der Damper St.-Elisabeth-Kirche eine Fotografie-Ausstellung eröffnet. Ein einführender Gottesdienst beginnt um 19 Uhr, im Anschluss wird Klestil die Präsentation mit 20 großformatigen Fotos eröffnen.

„Der Augenblick und der Moment, die sind wichtig“, sagt Klestil und denkt gerne zurück an die Anfänge des Projektes mit Familien. Als sie am 21. März 2015 am Welt-Down-Syndrom-Tag bei einer Veranstaltung in Köln anbot, Familien mit einem Familienmitglied mit „Sonderausstattung“ als Tagesprojekt zu fotografieren, da ahnte sie nicht, dass es sie noch heute so bereichern würde. Die Nachfrage nach ihrem besonderen Angebot, das sie ehrenamtlich als professionelle Fotografin anbietet, war groß. Schnell war klar, dass sie die Fotos der Familien der Öffentlichkeit zeigen wollte. Und so hat sie inzwischen rund 60 Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. Zurzeit sind Arbeiten von ihr an fünf verschiedenen Orten zu sehen. Jede Ausstellung ist dabei mit verschiedenen Fotos aus dem großen Fundus bestückt.

Klestil ist selber Mutter dreier Kinder und wusste zunächst wenig über das Down-Syndrom. Je mehr sie sich aber in das Thema vertiefte und vor allem die Familien begleitete, desto mehr erkannte sie die „unglaubliche Bereicherung“, die von den Menschen mit Trisomie 21 ausgeht. Anders als oft vermutet, sind sie viel mehr als nur die Menschen, die immer nur lächeln. „Sie sind auf ihre Art mitreißend und offen zu allen“, berichtet Klestil aus ihren Erfahrungen.

Reisten die Familien früher noch zu ihr nach Köln, später nach Frankfurt, so reist Klestil, alleine oder mit Partner und Familie, seit eineinhalb Jahren für die Fotos zu den Familien. Oft besteht die Möglichkeit vor oder im Zusammenhang mit Ausstellungen, dass sich Familien fotografieren lassen. „Da ist sofort Vertrauen da, weil die Familien wissen, wie ich arbeite“, sagt sie. Ihr Name werde in Foren weitergereicht, weil es oft schwer sei für solche Familien, passende Fotografen zu finden. Auch in Damp können heute ab 17.30 Uhr Fotos gemacht werden.

Für Kurseelsorger Georg Hillenkamp, der die Ausstellung schon gerne zu den Damper Handicap-Tagen im Juni gehabt hätte, bedeutet die Schau auch eine Art von „Angstabbau bei den Menschen“. Die Reaktionen, als er die Plakate zur Ausstellung aufhängte, deckten ein weites Spektrum ab. Von sofortiger Zustimmung und Begeisterung bis hin zur Ablehnung. Kunst soll anregen und Denkanstöße geben, sagt er und fühlt sich mit der Ausstellung bestätigt.

Klestil weiß, dass das Leben in solchen Familien anders ist, aber „die Familien haben nicht weniger Glück“. Das machen auch die Bilder deutlich, die geradezu zum Mitlachen einladen und Mut machen. Klestil war „schockiert“, als sie las, dass in Deutschland 96 Prozent der Eltern bei der Diagnose Trisomie 21 die Abtreibung wählen. Mit ihrer Arbeit möchte die Fotografin zeigen, dass ein Kind mit Trisomie 21 „nicht der Weltuntergang ist“.

Das Projekt finanziert sich aus dem Verkauf der Arbeiten. Diese würden oft von den Gastgebern der Ausstellungen erworben. Aus dem Erlös werden dann wieder passende Rahmen und die Abzüge im Format 50 mal 70 Zentimeter finanziert.

In Damp sind die Arbeiten noch bis zum 9. August zu sehen. Es folgen Ausstellungen in St. Peter Ording, in Westerland und in Dahme, überall dort, wo die katholische Kirche Urlauberkirchen betreibt, ergänzt Hillenkamp.

 

Infos: www.glueckkenntkeinebehinderung.de, www.klestil.de, Email an info@klestil

Trisomie 21 Down-Syndrom

Beim Down-Syndrom kommt es bei Menschen vor, dass aufgrund einer Genommutation das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Dann spricht man  auch von Trisomie 21. 1866 beschrieb der britische Arzt und Apotheker John Langdon-Down erstmals diese Genmutation.ez

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erstellt am 22.Jul.2017 | 06:31 Uhr

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