Eckernförde : Glatteis sorgt für Hochbetrieb im OP

Sturz bei Glatteis: Vor allem ältere Menschen sind wegen instabilerer Knochen von Handgelenks- und Hüftfrakturen betroffen. Foto: archiv
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Sturz bei Glatteis: Vor allem ältere Menschen sind wegen instabilerer Knochen von Handgelenks- und Hüftfrakturen betroffen. Foto: archiv

Seit Silvester haben die Chirurgen der Eckernförder Imland-Klinik alle Hände voll zu tun. Glatte Straßen sorgen für Unfälle und Knochenbrüche.

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06. Januar 2011, 08:01 Uhr

eckernförde | Pro Tag führt das achtköpfige Team der Imland-Klinki bis zu fünf größere Operationen durch. Neben Unterarm-, Unterschenkel-, Schulter- und Handgelenksfrakturen haben es die behandelnden Ärzte vor allem mit Oberschenkelhalsbrüchen zu tun. Grund für das vermehrte Auftreten von Unfällen sei das Glatteis, wie der leitende Arzt Dr. Volker Stein betont: "Der Schnee ist nicht das Problem. Im Dezember hatten wir durchschnittlich viele Operationen. Seit dem Silvesterwochenende und dem einsetzenden Glatteiswetter steigt die Zahl jedoch deutlich an."
Betroffen von Knochenbrüchen sind vor allem ältere Menschen, vorwiegend Frauen. "Mit jeder Lebensdekade verdoppelt sich das Frakturrisiko", sagt Dr. Stein, der dies mit dem sinkenden Knochenstoffwechsel im Alter begründet. Bei älteren Frauen sei dieser Abbau ab der Menopause (den sogenannten Wechseljahren) besonders ausgeprägt. Der je nach Altersgruppe unterschiedlich stark ausgeprägte Knochenstoffwechsel sei auch ein Kriterium bei der Behandlungsmethode, wie der Eckernförder Orthopädie-Facharzt Dr. Jörn Ailland unterstreicht: "Die Wahl des Materials bei der Operation richtet sich auch nach dem Alter und dem Anspruch des Patienten."
"Bei einer Glatteiswarnung sollte man dem Wetterdienst trauen"
Während bei jüngeren Unfallopfern häufig Schrauben das gebrochene Gelenk fixieren und der Patient in der Zeit nach der Behandlung auf Gehhilfen angewiesen ist, erhalten ältere Menschen ein Kunstgelenk, bei dem der abgebrochene Oberschenkelhalskopf entfernt und durch eine Prothese ersetzt wird. Als Materialien für Kunstgelenke werden Titan, Keramik, Polyethylen und Chromstahl verwendet. "Solch eine Prothese wird einzementiert und ist sofort voll belastbar", erklärt Dr. Volker Stein. Die sofortige Beanspruchbarkeit des Hüftgelenks gerade bei älteren Patienten sei wichtig, betont er. Früher hätten die Unfallopfer bis zu fünf Wochen im Bett liegen bleiben müssen, die Gefahr von Thrombosen sei dementsprechend hoch gewesen. Diese Zeiten gehören jedoch der Vergangenheit an, so Dr. Jörn Ailland: "Wir arbeiten nach nationalen Leitlinien, 365 Tage im Jahr. Um das Risiko des Entstehens einer Thrombose oder Lungenentzündung gering zu halten, wird spätestens 24 Stunden nach der Einlieferung operiert." Bereits rund 48 Stunden nach der Behandlung seien die Patienten in der Lage, zu laufen und die Hüfte wieder voll zu belasten.
Zu den Vorbeugemaßnahmen, um das menschliche Skelett zu stärken und so das Knochenbruchrisiko zu minimieren, gehört möglichst viel Bewegung. Älteren Menschen raten die beiden Ärzte, zuhause Geländer oder Handläufe zu installieren und diese in der Öffentlichkeit gerade bei Schnee und Eis - falls vorhanden - zu nutzen. Einen weiteren Tipp gibt Dr. Jörn Ailland mit auf den Weg: "Bei einer Glatteiswarnung sollte man dem Wetterdienst trauen und nicht auf eigene Faust die Straße prüfen. Wir hatten in diesem Winter bereits mehrere Fälle, bei denen die späteren Patienten nur mal kurz vor der Tür nach dem Wetter schauen wollten."

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