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500 Jahre : Gildejubiläum jetzt auch in Stein gemeißelt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sturmgilde Groß Wittensee begeht ihr 500-jährigres Bestehen / Gertrud Schröder und Christoph Heilmann sind die neuen Majestäten / Festrede von Landtagspräsident Klaus Schlie

Groß Wittensee | Als Ältermann Hans-Claus Schnack morgens um 5.30 Uhr aufstand und den blauen Himmel sah, wusste er sofort, dass nichts mehr schief gehen würde. Mit einem großen Fest mit Generalversammlung, Fahnenweihe, Umzug, der Enthüllung des neuen Gildesteins, Kinderprogramm, Königsproklamation und Festkommers im Schützenhof, feierte die Sturmgilde Groß Wittensee ihr 500-jähriges Bestehen.

110 Mitglieder zählt die drittälteste Gilde in Schleswig-Holstein, die 1516 als Brandgilde gegründet wurde und heute als Traditionsgilde weitergeführt wird. Im Festsaal schmückten Blumen, Servietten und Bänder in Schleswig-Holstein-Farben die Tische für den Kommers.

Das neue Königspaar Christoph Heilmann und Gertrud Schröder wurde von den 150 geladenen Gildemitgliedern und Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit Jubel empfangen. „Ich wusste vor drei Stunden noch nicht, dass ich der neue König werden würde“, rief Heilmann entschuldigend und schob augenzwinkernd eines seiner Hosenbeine hoch. „Ich habe nicht mal Socken an.“ Christoph Heilmann kommt aus Hamburg, lebt seit neun Jahren mit Zweitwohnsitz in Groß Wittensee und hat den Ort kürzlich zum Erstwohnsitz erwählt. Eigentlich habe er nur mal beim Gildefest vorbeischauen wollen, sagte er, sei aber überredet worden, Mitglied zu werden und zu schießen. „Ich bin noch ganz durch den Wind, aber auch stolz“, meinte er weiter. „Aber ich werde mir Mühe geben, die Wittenseer Sturmgilde würdig zu vertreten.“

Ältermann Hans-Claus Schnack wirkte überglücklich. „So ein schöner Tag“, begann er seine kleine Ansprache. „Dank an all diejenigen, die uns das ermöglicht haben.“ Besonders freute ihn, dass das Kinderprogramm am Nachmittag so gut angenommen wurde. Denn es sei das erklärte Ziel der Gilde, junge Familien einzubinden und die Dorfgemeinschaft zu fördern. In großer Dankbarkeit erwähnte er, dass die Familie des im vergangenen Jahr verstorbenen Gildebruders und großen Förderers Klaus Ludwig Naeve extra für das Fest aus Südafrika und Florida angereist waren.

„500 Jahre Gilde, das ist schon etwas ganz Besonderes“, betonte auch Landtagspräsident Klaus Schlie in seiner Festrede. Das zeige eindrucksvoll, dass sich die Menschen in Schleswig-Holstein füreinander einsetzen, sich zusammenschließen und einander ein fester Halt in Notzeiten sind. „Ihre Sturmgilde ist Ausdruck eines gelebten und damit sehr lebendigen, sich weiter entwickelnden Heimatverständnisses, das sich vor allem auf die Gemeinschaft von Menschen gründet, die füreinander einstehen und die miteinander ihr Lebensumfeld gestalten“, machte er deutlich. „Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern das Fundament dafür, dass Sie alle jedem kommenden Sturm, wie immer der aussehen mag, erfolgreich werden trotzen können.“

Die in Schleswig-Holstein ausgeprägten Gilden, die sich zur Heimat und zur gegenseitigen Hilfe bekennen, seien wertvolle Beispiele für die Gemeinschaftsleistung der Gesellschaft, hob anschließend auch Kreispräsident Lutz Clefsen hervor. Das sei in unserer Gesellschaft wichtiger denn je. „Wir können froh und dankbar sein, dass in unseren Dörfern die Welt noch in Ordnung ist.“ Dass die Gilden dazu beitragen, sei ein großer Verdienst.

„Eine soweit in die Geschichte reichende Tradition, das macht schon stolz“, erklärte abschließend Bürgermeister Jochen Arp. „Ich hoffe, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger weiterhin erhalten bleibt und die nächsten Generationen auch das 600-jährige Jubiläum feiern können.“

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