Jakobs-Kreuzkraut : Giftstoffe im Honig? Pilotprojekt soll Klarheit bringen

Hobby-Imkerin Beeke Hinrichsen aus Altenholz ist gespannt auf die Ergebnisse der Honiguntersuchung, die Dr. Aiko Huckauf vom JKK-Kompetenzzentrum begleitet.
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Hobby-Imkerin Beeke Hinrichsen aus Altenholz ist gespannt auf die Ergebnisse der Honiguntersuchung, die Dr. Aiko Huckauf vom JKK-Kompetenzzentrum begleitet.

Stiftung Naturschutz startet gemeinsam mit der Uni Kiel und den Imkern im Land eine auf drei Jahre angelegte Untersuchung. Am Ende soll es einen Leitfaden zum Imkern trotz Jakobs-Kreuzkraut geben.

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31. Juli 2015, 13:40 Uhr

Altenholz | Die Hauptarbeitszeit der Honigbienen neigt sich dem Ende – für die Imker steht die Ernte des Sommerhonigs an. Beim Gedanken an das Schleudern wird manch einem in diesem Jahr jedoch etwas mulmig. Denn es ist nicht gewiss, ob der Honig Giftstoffe des zurzeit stark auftretenden Jakobs-Kreuzkrauts enthält. Diese so genannten Pyrrolizidin-Alkaloide können Bienen nichts anhaben, beim Menschen in zu großen Mengen jedoch zu Leberzirrhose führen. Um Imkern und ihren Kunden die Sorgen zu nehmen, hat die Stiftung Naturschutz gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität Kiel und dem Landesimkerverband ein Pilotprojekt gestartet.

200 Proben von Sommerhonig aus Gebieten, in denen das Jakobs-Kreuzkraut (JKK) stark vertreten ist, werden in einem Lebensmittellabor in Bremen auf die Giftstoffe hin untersucht. Darunter wird auch eine von Beeke Hinrichsen, Hobby-Imkerin aus Altenholz, sein. Drei Völker sind in ihrem Garten zuhause. „Mich interessiert, wo sie hinfliegen“, sagt die Agraringenieurin, für die Jakobs-Kreuzkraut als Thema nicht neu ist. Doch seit sie Bienen hat, achtet sie ganz anders auf die gelb blühende Pflanze. Sie stört sich an der Verunsicherung bezüglich der Pyrrolizidin-Alkaloide. Viele Imker fingen an, mit ihren Völkern Richtung Mecklenburg-Vorpommern zu wandern, oder kippten den Honig weg, weiß die Altenholzerin. Andere hätten Angst, dass ihr Honig so stark belastet ist, dass sie ihn nicht mehr vermarkten können. Vom neuen Projekt der Stiftung Naturschutz erhofft sie sich Klarheit und Antworten auf einige Fragen.

So sind die teilnehmenden Imker nicht nur aufgefordert, eine Probe ihres Honigs einzusenden, sondern auch das Vorkommen des gefürchteten Krauts in einem Radius von drei Kilometern um die Beuten, die Behausung der Bienen, zu dokumentieren. Außerdem sollen alternative Trachtpflanzen in den ausgegebenen Karten eingezeichnet und das Schleuderdatum festgehalten werden, erklärt Dr. Aiko Huckauf, Leiter des im März installierten JKK-Kompetenzzentrums der Stiftung Naturschutz. Das Datum ist von Interesse, weil es einige Zeit braucht, bis der eingebrachte Nektar in den Waben geschleudert werden kann – der Wassergehalt sollte um 18 Prozent liegen. Auch wenn das JKK erst blüht, wenn der Nektar längst in den Waben verstaut ist, könnten die Bienen in der Trocknungszeit noch Giftstoffe eintragen, erklärt Hinrichsen.

Mit Ergebnissen der Laboruntersuchungen und der Auswertung der Daten rechnet Huckauf im Herbst. Daraus sollen dann Empfehlungen an die Imker zurückgespiegelt werden, teilt der Chemiker und Umweltmanager mit. Ziel des Projekts ist es jedoch, einen belastbaren Leitfaden unter dem Motto „Imkern trotz JKK“ zu erstellen. Deshalb werden auch im Sommer 2016 und 2017 noch einmal Honigproben untersucht und die Ergebnisse vertieft. An der Seite steht der Stiftung Naturschutz dabei das Institut für Natur- und Ressourcenschutz unter Leitung von Professor Dr. Tim Diekötter an der Christian-Albrechts-Universität. Das Umweltministerium hat insgesamt 189  000 Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt.

Genauerer Informationen rund um JKK hat die Stiftung Naturschutz hier zusammengestellt: www.stiftungsland.de/home/jkk-informationen.

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