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Gefahren der Grünabfälle : Giftcocktail im Gartenschnitt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Riesebyer Pferdezüchter und Halter ist in Sorge um seine Pferde, nachdem in Thüringen Anfang Mai zahlreiche Pferde durch Garten- und Grasschnitt, die auf eine Pferdekoppel geworfen wurden, vergiftet wurden.

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Rieseby | „Ich bin in großer Sorge um meine Pferde“, sagt Hans-Jürgen Engel. Seit 25 Jahren züchtet er Haflinger auf Koppeln in Bastorf. „In der Pferdeszene spricht man viel über das Unglück in Thüringen, wo Unbekannte Gartenabfälle mit Ästen von Buchs und Lebensbäumen auf eine Pferdekoppel des Haflinger Gestüts Meura warfen und inzwischen 13 junge Haflingerhengste starben“, sagt Engel. Auch auf seinen Koppeln hat der Züchter schon Gartenabfälle gefunden, und sie noch rechzeitig beseitigen können, bevor seine Pferde davon fraßen.

Aus falsch verstandener Tierliebe und ohne die Gefahren zu kennen, würden Menschen altes Brot, Rasenschnitt oder Strauchschnitt auf die Koppeln werfen. Sie meinten oft noch, sie täten etwas Gutes, wenn sie den Tieren frisches Grün geben, sagt Engel. Dem sei nicht so, denn von den Gartenresten könnten große Gefahren für die Tiere ausgehen, wie eben der Fall aus Thüringen zeige.

Durch den Mähvorgang werde Rasen sehr klein gehäckselt. Schon zwei bis drei Stunden später, wenn der Schnitt auf einem Haufen liegen bleibe, entwickele sich Wärme und es setze ein Gärprozess ein. Wenn dann noch Pflanzenteile von Buchsbaum, Lebensbäumen, Eiben oder auch Rhododendren dabei seien – sie enthalten Gifte – werde den Tieren ein hochgiftiger Cocktail angeboten. „Besonders Pferdemägen sind sehr empfindlich und es kommt leicht zu Koliken“, sagt Engel. Mit dem frischen Grasschnitt käme der Magen der Pferde nicht zurecht, es komme zu einem Verschluss des Darms. Das Futter im Darm wird nicht weiter transportiert, der ganze Pferdebauch verkrampfe sich. Zudem sei es möglich, dass sich die Därme verschlingen und es so zur Abschnürung komme. Die Pferde taumelten dann oder wälzten sich auf dem Boden, so Engel, der schon einen jungen Hengst durch eine Kolik verlor. „Wenn man das sieht, muss sofort der Tierarzt her, wenn der überhaupt noch helfen kann.“ Die Tiere müssten dann längere Zeit intensiv medizinisch betreut werden.

Er könne nicht verstehen, wieso die Pferde auf der Koppel überhaupt gefüttert würden. Er habe schon oft Schilder aufgestellt, die Tiere aufgrund der Kolikgefahr nicht zu füttern – weder mit altem Brot noch mit anderem Grünzeug. Leider blieben die Schilder oft nicht lange stehen und würden verschwinden.

Die größte Gefahr, dass Menschen Gartenabfälle in Knicks und auf Koppeln werfen, sei im Herbst, wenn die Gärten winterfest gemacht würden. Doch auch im Frühjahr komme es vor, dass frischer Heckenschnitt oder Grasschnitt in der Landschaft entsorgt werde. Dabei sei der Weg zur Kompostierung in Eckernförde doch so kurz. Er habe sich angewöhnt, bevor er seine Haflinger auf Koppeln lasse, diese zu kontrollieren. Besonders entlang von Wegen und Straßen habe er ein Auge auf mögliche unerwünschte „Futterspenden“ an den Zäunen. Die Tiere würden das angebotene Grün ohne Bedenken fressen.

Weniger Sorgen mache er sich um das Jacobskreuzkraut, wenn es auf der Koppel wächst. Die Pflanzen würden die Pferde in der Regel stehen lassen. Gefährlich würde es erst dann wieder, wenn diese Pflanzen im Gartenabfall oder Rasenschnitt untergemischt seien. Glücklicherweise komme die Pflanze bei ihm nur wenig vor.

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