Internationale Bauausstellung : Gewagte Architektur und sozialer Sprengstoff

Algenhaus und muslimisches Pflegeheim: Die Internationale Bauausstellung in Hamburg-Wilhelmsburg zeigt die Stadt des 21. Jahrhunderts.

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21. März 2013, 09:20 Uhr

Hamburg | Vorhang auf für die Stadt des 21. Jahrhunderts: Sieben Jahre ist geplant und gebaut worden, am Sonnabend öffnet die Internationale Bauausstellung (IBA) in Hamburg-Wilhelmsburg für die Öffentlichkeit. Bis zum 3. November zeigt die weltweit beachtete Schau in ihrem Präsentationsjahr rund 60 Bauprojekte, vom Algenhaus bis zum deutschlandweit ersten muslimischen Pflegeheim.

Zu bestaunen ist dabei weit mehr als das Ergebnis gewagter Architektur-Entwürfe. Die IBA Wilhelmsburg ist vor allem das einzigartige Experiment zur Rettung eines vernachlässigten Stadtteils. Lange habe Wilhelmsburg leiden müssen, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gestern bei der Programmvorstellung und erinnerte an die verheerende Sturmflut auf der Elbinsel 1962, aber auch an den anschließenden sozialen Niedergang. Mehr als die Hälfte der heutigen Bewohner haben einen Migrationshintergrund, Kriminalität und Arbeitslosigkeit liegen deutlich über Hamburg-Durchschnitt. Jedes zweite Kind lebt von Hartz IV. "Für Wilhelmsburg - nach Manhattan die größte bewohnte Flussinsel der Welt - ist die IBA eine große Chance: Wilhelmsburg kann als attraktiver, moderner Lebensraum erfahren werden", sagte Scholz. Während IBA-Chef Uli Hellweg sich "drei bis fünf Jahre" Zeit ausbittet, um den Erfolg der Wandlung zu beurteilen, ist der Bürgermeister schon jetzt überzeugt: "Die Aufwertung ist ohne Vertreibung gelungen."

Heftige Kritik vor Startschuss am Wochenende

Kritiker sehen das völlig anders. Sie werfen Senat und IBA-Machern eine profitgeleitete Zerstörung gewachsener Strukturen vor und rechnen mit drastisch steigenden Mieten. Im Zuge der IBA entstanden und entstehen insgesamt 63 Bauprojekte, von denen ein Viertel zum Ausstellungsbeginn noch unfertig ist. Errichtet wurden 1200 neue Wohnungen, dazu Vorzeigeprojekte nachhaltiger Energieversorgung sowie völlig neuartige soziale Einrichtungen.

Der offizielle Startschuss fällt am Sonnabend um 18 Uhr auf der Seebühne am Bürgerhaus Wilhelmsburg mit dem Programm "Auftakt im Fluss". Anschließend präsentiert die Künstlergruppe "Kommando Himmelfahrt" in neun IBA-Neubauten das Musiktheater Utopia. Am Sonntag eröffnen der Energiebunker, der Energieberg auf der ehemaligen Mülldeponie Georgswerder sowie die IBA-Außenstelle auf der Harburger Schlossinsel.

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