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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 04:51 Uhr

Gewässerbelastung durch alte Müllkippe?

vom

Schlechte Wasserqualität am Holmer Strand bleibt Dauerbrenner / Fleckebyer Bürger will ehemalige Müllkippe nicht als Ursache ausschließen

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Fleckeby | Hans-Jürgen Bartelsen aus Fleckeby kann sich noch gut erinnern. Es waren die 70er Jahre und Begriffe Mülltrennung sowie nachhaltige Abfallwirtschaft begannen gerade erst an Bedeutung zu gewinnen. Viele Orte hatten ihre eigenen Müllkippe, die erst 1972 mit dem Abfallbeseitigungsgesetz unter behördliche Beobachtung gestellt wurden.

Der 72 Jahre alte Fleckebyer lebt gerne in dem Dorf an der Schlei, die Sperrung der Badestelle am Homer Strand aufgrund der schlechten Wasserqualität sei gerade für eine mit Tourismus werbende Gemeinde ein schwerer Schlag. Der Ursache für die Verschmutzung auf den Grund zu gehen, ist für Bartelsen eine wichtige Aufgabe. "Dabei sollten alle möglichen Quellen ausgeschlossen werden", betont er. Und dazu gehöre auch eine Beprobung des Flurstückes nahe des Möhlhorster Weges, wo bis 1977 eine Mülldeponie, zeitweise vom Kreis Rendsburg-Eckernförde, betrieben wurde. Diese Forderung hatte Bartelsen schon vor mehreren Monaten bei einem Stammtisch der Freien Wählergemeinschaft geäußert. "Geschehen ist aber bisher nichts", bedauert er, dass seinem Anliegen kein Gehör geschenkt wurde.

Bei der Ursachenforschung für die schlechte Wasserqualität würden sich die Fachleute nur auf Einträge durch Kläranlagen und die Landwirtschaft beschränken. Verschmutzungen infolge der Zerfallsprozesse im Erdreiche der ehemaligen Deponie würden nicht in Erwägung gezogen werden. Bartelsen erinnert sich an eine Deponie "gigantischen Ausmaßes", in der so gut wie alles hineinflog - Altöl, Kanister mit E605, Farben und Autoreifen. Vor allem die Lage der Deponie bereitet Bartelsen Sorgen. "Die Müllkippe hatte ein starkes Gefälle in Richtung Osterbek", sagt er. Knapp 100 Meter vor dem Vorfluter endete die Kippe. Wer weiß, welche im Müll gebundenen Stoffe entweichen und ins Grundwasser sickern.

Wichtig dabei: Bartelsen geht es nicht um Schuldzuweisungen oder um die Suche nach Verantwortlichen. "Die Mülldeponie soll als Mitverursacher des Gewässerverschmutzung ausgeschlossen werden", fordert er. Eine Gefahrenquelle an der Schnittstelle von Hüttener Bergen und Schlei könne man sich nicht leisten.

Auf Nachfrage der Eckernförder Zeitung bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises, teilte dessen Leiter Michael Wittl mit, dass am 15. November 1972 einem Landwirt in Götheby die Genehmigung zur Anlage und zum Betrieb eines Müllplatzes für Hausmüll erteilt wurde. Die Größe der Fläche, des Flurstücks 52/5: rund 23 000 Quadratmeter. Betreiber des Müllplatzes und gewerblicher Müllabfuhrunternehmer war die Firm Heinrich Nath. Anlage und Betrieb wurden vertraglich vom Grundstückseigentümer der Firma übertragen. Der Müllplatz der Gemeinden Fleckeby, Kosel, Güby, Götheby-Holm und Hummelfeld und die Einhaltung der Auflagen seien in den Folgejahren regelmäßig unter anderem durch das Amt Schlei als Ordnungsbehörde überwacht worden. Die Nichterfüllung von Auflagen sei durch verfolgt und geahndet worden.

Im Januar 1975 ist eine Verlängerung der Genehmigung bis Ende 1975 genehmigt worden.

Anschließend wurde die Deponie in eine Bauschuttdeponie für die amtsangehörigen Gemeinden umgewandelt, Betreiber wurde dann das Amt Schlei. Am 1. November 1977 wurde die Bauschuttdeponie geschlossen und mit der Rekultivierung und Abdeckung des Bodens begonnen.

Heute findet in der Amtsverwaltung Schlei-Ostsee ein Gespräch mit Vertretern von Gemeinden, Amt und Behörden statt. Thema ist die schlechte Wasserqualität insbesondere in Götheby. Auch Michael Wittl wird daran teilnehmen. Ganz ausschließen als Ursache will der Chef der Kreis-Wasserbehörde die Müllkippe nicht. Aber: "An der Badestelle wurde eine hohe Keimbelastung gemessen", sagt Wittl. Verursacher seien daher eher Warmblüter, also Menschen und Tiere oder eben eine Folge eines überhöhten Düngeeintrags. "Gerade nach starken Regenfällen treten die Verunreinigungen auf", sagt Wittl. Ein Indiz dafür, dass die am Sediment haftenden Keime sich lösen und ausgespült werden.

Auch Bürgermeisterin Ursula Schwarzer will nicht die Augen davor verschließen. Wenn die Spätfolgen der Müllkippe ein neuer Betrachtungsgrund seien, dann müsse dem auch nachgegangen werden.

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