Top Regional : Gettorf: Zwei Wahrzeichen feiern Jubiläum

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Der Gettorfer Tierpark wird in diesem Jahr 50 Jahre alt – Die St.-Jürgen-Kirche wurde bereits vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt.

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17. April 2018, 05:49 Uhr

Gettorf | Mitten auf der Halbinsel Dänischer Wohld, zwischen Kiel und Eckernförde, liegt die Gemeinde Gettorf. Besucher des Ortes werden bereits aus der Ferne von der St.-Jürgen -Kirche begrüßt. Ihr gut 64 Meter hoher Turm ist schon weit vor den Toren des Ortes sichtbar. Die mittelalterliche Backsteinkirche liegt im Ortskern, direkt neben der Eichstraße, der zentralen Einkaufsstraße, die mit ihren zwei Eisdielen und zahlreichen Geschäften besonders im Sommer Touristen und Einheimische in das Zentrum lockt.

Ein Besuch der St.-Jürgen-Kirche lohnt sich nicht nur wegen der gotische Bronzetaufe von 1424, dem älteste Ausstattungsstück der Kirche, oder dem spätgotischen Schnitzaltar von etwa 1500. Das Gotteshaus feiert in diesem Jahr zudem ein besonderes Jubiläum: Vor 700 Jahren wurde das Wahrzeichen erstmals urkundlich erwähnt. Gefeiert werden soll das mit einer Festwoche, beginnend am Pfingstsonntag, 20. Mai, mit einem plattdeutschen Gottesdienst um 10 Uhr im Pastoratsgarten. (Das komplette Programm gibt es online unter www.kirche-gettorf.de).

Eine Besonderheit der Kirche ist außerdem die leichte Schiefstellung des 1491 errichteten Kirchturmes. Die Legende besagt, dass der Teufel einen Findling, den sogenannten „Düvelstein“, nach ihm warf. Allerdings, so die Erzählung, lenkte Gott den Stein ab, sodass der Kirchturm letztlich nur leicht gestreift wurde. Der gemeinte Findling ist heute in der Nähe der Nachbargemeinde Lindau, bei Großkönigsförde, zu finden.

Nur wenige Meter entfernt von St.-Jürgen, am Karl-Kolbe-Platz, befindet sich die historische „Mühle Rosa“, die noch bis 1945 in Betrieb war. Das Heimatmuseum schräg gegenüber ist ebenfalls einen Besuch wert.

Überregional bekannt ist Gettorf zudem wegen seines Tierparks, dem einzigen privatwirtschaftlich betriebenen Zoo Schleswig-Holsteins. Angefangen hatte alles auf einer ehemaligen Kiesgrube, auf der sich der gelernte Landwirt Karl-Heinz Bumann seinen Traum eines eigenen Wildparks erfüllte. Der private Park beherbergte zunächst nur heimische Arten wie Ziergeflügel, Schafe, Ziegen und Hirsche. Mit der Zeit wuchs der Tierbestand stetig an und auch exotische Arten hielten zunehmend Einzug. Heute – fast genau 50 Jahre nach der Eröffnung – sind in dem Park rund 800 Tiere in 110 Arten zuhause. Pünktlich zum 50. Jahrestag feiert der Park am Dienstag, 1. Mai, Geburtstag. Zur Feier des Tages haben Besucher des Geburtsjahrgangs 1968 an diesem Tag freien Eintritt. Ebenso jeder 50. Besucher.

Interview

Herr Dr. Kolbe, Sie sind Vorsitzender des Gettorfer Windmühlen- und Verschönerungsvereins. Was macht Ihr Verein?

Den Anfang hat alles im Jahr 1977 genommen. Die Gettorfer „Mühle Rosa“ war die letzte noch erhaltene Mühle im Dänischen Wohld. Und nun sollte auch sie abgerissen werden. Also gründete sich ein Verein zur Rettung der Windmühle. 131000  Mark  sammelten wir mit Spenden ein und Eigenleistungen im Wert von 70000 Mark, konnten so den Abriss verhindern und die Mühle restaurieren. Da jedoch so viel guter Wille in der Bürgerinitiative zusammen gekommen war, wollten wir uns  weiterhin zum Wohle der Gemeinde engagieren, so dass der Verein in „Gettorfer Windmühlen- und Verschönerungsverein“ umbenannt wurde. Als neue Aufgabe setzten wir uns, Gettorf erlebenswert zu machen und dem Ort ein gewisses Ambiente zu geben. So konnten wir  das Teufelsdenkmal und die Marktfrauen-Skulptur im Ortskern aufstellen und das „Historische Wandern“ ins Leben rufen, bei dem man Station für Station die Geschichte Gettorfs erwandern kann. Wir pflegen auch die alten Denkmäler wie etwa das Schleswig-Holstein-Denkmal, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und das Bismarck-Denkmal. Unsere weiteren Ziele sind die Aufwertung des Bürgerparks durch blühende Büsche und die Erweiterung des Wanderwegenetzes.

Zudem betreibt der Verein das Heimatmuseum. Was erwartet die Besucher? 

Mit dem kürzlich erfolgten Umbau haben wir unser Konzept verändert. Wir sind nun ein bewegtes lebendiges Museum. Wir wollen uns mit den Menschen über die Historie austauschen und gemeinsam mit der Bevölkerung  –  seien es Kinder, Senioren oder Migranten  –  Projekte erarbeiten. Dazu gibt es etwa das historische Klassenzimmer, wo man beispielsweise seinen Geburtstag feiern und sich in alte Zeiten versetzen lassen kann, oder den neuen Textilraum, wo praktisches Arbeiten mit Textilien erfolgen soll, auch mit dem alten Webstuhl von 1869.

Die „Mühle Rosa“ steht gleich nebenan. Wie wird diese heute genutzt?

Erbaut wurde die Galerie-Holländermühle  1869. Sie war die erste freie Mühle im Dänischen Wohld und unterlag  nicht mehr dem vorher geltenden Mühlenzwang. Noch bis zum        Zweiten Weltkrieg wurde die Mühle zum Mahlen von Getreide genutzt. Nach der Rettung wurde sie  zwischen 1977 und 1984 restauriert. Heute befindet sich im Erdgeschoss die Bücherei, darüber ein kultureller Raum, in dem Trauungen sowie  Dichterlesungen und musikalische Veranstaltungen stattfinden. Im 3. bis 5. Obergeschoss der Mühle befindet sich das Archiv, wo derzeit ein Buch zur Geschichte Gettorfs in neuen und alten Bildern erarbeitet wird.

Durchgefahren

Seit dem Bau der  Straße von Bornstein nach Gettorf ist der Weg für uns Bornsteiner nach Gettorf noch kürzer geworden. Gerne erinnere mich an den Domkrug und die Drogerie Ott in der Kirchstraße.

 Textilien konnte man in guter Qualität in der Herren- und Eichstraße erwerben. Ein besonderer Hochgenuss war ein Besuch in der kleinen italienischen Eisdiele. Heute gibt es gleich zwei Eiscafés, und auch das kulinarische Angebot wurde größer. Wir sind froh über die Vielfalt der Ärzte und Zahnärzte. Mit mancher Praxis besteht eine Art vertrauensvoller Generationenvertrag. Bei einigen Gebäuden ist man sich nicht mehr sicher, wann wo etwas war. In Erinnerung bleibt der erste Weska-Supermarkt in der Eichstraße, der Kolonialwarenladen „Kolls“ (früher neben Schuhhaus Johannsen) und Feinkost „Sinn“ in der Herrenstraße.

Unvergessen bleiben die Negerkussbrötchen bei Bäcker Reiffenhausen. Sie versüßten die Enge in der alten Realschule im Schulweg. Geblieben ist die Druckerei Timm – zusammen mit Frau Timm, die noch ab und zu aushilft, fast ein Denkmal. Gestern und heute verbindet die Vertrautheit zwischen Kunden und Verkäufer. Man kennt sich.

Karin Büchler, DRK-Vorsitzende Neudorf-Bornstein

Nachrichten aus dem Ort

Rapsblütenfest mit neuem Programm

Seit 2006 feiert Gettorf im Mai jedes Jahres das Rapsblütenfest. Die Vorbereitungen für die 13. Auflage laufen bereits auf Hochtouren. Auch in diesem Jahr wird die Veranstaltung wieder vom Gettorfer Handels- und Gewerbeverein organisiert. Termin ist das Wochenende am 26. und 27. Mai. Neu ist in diesem Jahr die Wahl einer Prinzessin, welche die Rapsblütenkönigin Luisa-Marie Kern ein Jahr unterstützen soll und  2019 dann selbst zur Königin gekürt wird. Besucher können sich auf ein buntes Programm und einen verkaufsoffenen Sonntag freuen. Neben den vielen Ständen, die dann in der Eichstraße und drumherum aufgebaut sein werden, wird es am Sonnabend, 26. Mai, eine Open-Air-Party mit der Coverband Top Union geben.

Seniorenerlebniswoche

Eine  Woche im August gehört in Gettorf den Senioren, dann veranstaltet der Seniorenbeirat die Seniorenerlebniswoche. 2018 findet sie vom 28. bis 31. August statt. Das diesjährige Motto lautet „Liebenswertes Gettorf und Umgebung“. Vorträge, Bouleturnier, Besichtigungen von Betrieben wie der Wittenseer Quelle und des Tierparks stehen auf dem Programm. Im Vorfeld tritt das Leipziger Kabarett „Pfeffermühle“ am 10. August auf.

Stolz auf...

Auch wenn Gettorf mit einer Einwohnerzahl von rund 7500 Menschen nicht grade eine Großstadt ist, so erscheint der Sportpark des Ortes fast bundesligatauglich. Neben der Arena mit einer Tribüne für knapp 300 Zuschauer, gehören zur 2016 eingeweihten Sportanlage auch ein zusätzlicher Naturrasenplatz, ein bespielbarer und ein kleinerer Kunstrasenplätze, eine neue Speedskating-Bahn sowie eine „Aktivachse“ mit Schaukeln und Fitnessparcours.

Stolz sein können die Gettorfer zudem auf ihr blühendes Gewerbe. Neben der Ladenstraße im Ortskern gibt es auch außerhalb, beispielsweise in den Gewerbegebieten „Ravensberg“ oder „Eichkoppel“, zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten vom Discounter bis zum Autohändler.

Typisch

Die Fenster auf dem Boden? Der Tisch an der Decke? In dem verrückten Haus im Tierpark steht die Welt Kopf. Nicht nur dieses kuriose Gebäude  prägt Gettorf. Alt eingesessene Familien wie Jöhnk (Baugeschäft), Sievertsen (Tiefbauunternehmen)  oder Kolbe (Apotheke) haben die Wirtschaft geprägt und weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt gemacht. Typisch für Gettorf  ist auch die ungewollte Entschleunigung, wenn man vor einer der drei Bahnschranken steht – irgendeine ist immer unten.

 

Auf der Internetseite shz.de/fotoaktion können unsere Leserinnen und Leser ihrem Ort ein Gesicht geben und ihre schönsten Bilder aus den vorgestellten Orten einsenden. Am Ende der Serie „Top Regional“ werden wir dann aus allen Bildern das schönste für jede unserer 15 Tageszeitungen auswählen und jedes mit einem 100 Euro-Mediamarkt-Gutschein prämieren.

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