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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 02:20 Uhr

Geständnis und Reue mildern die Strafe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 05.Mai.2014 | 10:02 Uhr

Als die Sachverständige gestern vor dem Amtsgericht den Unfallhergang vom 11. Februar 2013 auf der Rendsburger Straße in Höhe Hausnummer 22 schilderte, bei dem ein 57-Jähriger schwer verletzt wurde und nach einigen Monaten im Wachkoma starb, flossen bei der Lebensgefährtin des Verstorbenen Tränen. Auch der Sohn des Opfers unter den Zuhörern rang um Fassung. Ein 25-jähriger Zeitsoldat musste sich in Saal 122 wegen fahrlässiger Tötung verantworten und wurde vom Richter zu einer Geldstrafe von 4500 Euro zu 90 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt. Für die Angehörigen auf den Zuhörerplätzen war dies zu wenig. Der Richter berücksichtigte bei seinem Urteil jedoch das Geständnis, die Reue, das Ausweichmanöver und dass der Angeklagte keine Einträge im Strafregister hatte.

Eine Zeugin, die den Verstorbenen kannte und zum Unfallzeitpunkt auf der Rendsburger Straße unterwegs war, beschrieb, dass der Angeklagte „wie ein Irrer“ aus Richtung Lornsenplatz auf dem rechten Fahrstreifen, der in den Windebyer Weg führt, überholt habe und anschließend vor ihr links eingeschert sei. Kurz darauf habe sie einen Fußgänger mit seinem Hund gesehen, der mit „flotten Schritten“ die Straße überqueren wollte. Sie bremste ab, auch der Angeklagte im Auto vor ihr habe kurz gebremst, der Fußgänger sei aber trotz Ausweichmanöver des Fahrers erfasst und durch die Luft geschleudert worden. Danach sei er vor ihrem Auto auf die Straße geprallt. Seine Mütze, Geldbörse und Stiefel lagen etwa 50 Meter auseinander verstreut auf der Straße. Nach Aussage eines Oberkommissars hatte der Mann lebensgefährliche Verletzungen. Die Lebensgefährtin des Opfers erzählte, dass der 57-Jährige acht Mal operiert wurde und nach einigen Monaten im Wachkoma in ihren Armen eingeschlafen sei.

Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt verlauten, dass sich alles so zugetragen und er unter Schock gestanden habe. Ihm war anzusehen, dass er unter den Folgen des Unfalls mit tödlichem Ausgang litt. Mehrmals sagte er, dass es ihm leid tue, er es nicht wollte und alles „gern rückgängig machen möchte“. Nach dem Unfall habe er den Kontakt zu den Angehörigen gesucht, die hätten jedoch nicht mit ihm sprechen wollen. Es sei so viel los gewesen, vor allem wegen der Operationen, lautete die Begründung der Partnerin des Opfers.

Zum Unfallzeitpunkt sei der Angeklagte nach Aussage seines Verteidigers neu in Eckernförde gewesen und habe nicht gewusst, dass der rechte Fahrstreifen der B203 nicht in Richtung Rendsburg, sondern in den Windebyer Weg führt, was letztendlich auch bei der Urteilsfindung berücksichtigt wurde. „Können Sie sagen, wie schnell Sie gefahren sind, als es zu dem Aufprall kam“, fragte der Richter, was der Angeklagte verneinte. Laut der Zeugin sei er mit mehr als den erlaubten 50 km/h unterwegs gewesen. Dies ging auch aus dem Guthaben der Sachverständigen hervor. Demnach zeigte der Tachometer 65 km/h an, bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h ist der Verstorbene auf Motorhaube und Windschutzscheibe geprallt. Der Unfall hätte beim Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften – 50 km/h – räumlich und zeitlich verhindert werden können, so die Sachverständige. Dann hätte der Fußgänger genug Zeit gehabt, um auf der anderen Straßenseite anzukommen. Trotzdem warf der Richter die Frage in den Raum, warum das Opfer die Straße nicht an einer Fußgängerampel überquert hat.

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