zur Navigation springen

Motorsport : Geschickt statt schnell durch das Gelände

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das 10-jährige Talent Jannis Stark aus Felmerholz kann seinen Sport nicht im Kreis ausüben und fährt deshalb seine Strecken in Preetz.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Felmerholz | Wenn von Motorsport die Rede ist, denken die meisten in erster Linie an die Formel 1. Bei weiterem Nachdenken kommen dem ein oder anderen vielleicht noch Rallye- oder Motorradrennen oder Motocross in den Sinn. Aber Motorrad-Trial? Damit wissen nur Experten etwas anzufangen. Es gilt, eine bestimmte Sektion, wie die Trialer ihre Hinderniss-Strecken nennen, mit möglichst wenig Fehlern (Fußabsetzen, Sturz oder Maschine abwürgen) zu meistern. Es geht also weniger um Geschwindigkeit als vielmehr um Geschicklichkeit. Mit Jannis Stark aus Felmerholz gibt es einen sowohl begeisterten als auch vielversprechenden Fahrer, der erst seit einem Jahr aktiv ist und vor kurzem zum Newcomer des Jahres erkoren wurde.

Da der Zehnjährige diesen Sport im näheren Umkreis allerdings wegen fehlender Gelände nicht ausüben kann, muss er jedes Mal nach Preetz fahren, um seine Leidenschaft beim dortigen MSV auszuleben, denn im ganzen Land gibt es nur drei entsprechende Vereine für den Trial-Sport: Neben Preetz noch einen in Schleswig und einen in Heide. Das war’s! Aus diesem Grund muss ihn Vater Andreas zweimal die Woche die 30 Kilometer nach Wildenhorst fahren, denn auf einen eigenen Führerschein muss Jannis ja noch einige Jahre warten.

Als Berufswunsch nennt der Viertklässler: „Rennfahrer! Am liebsten Ralleyfahrer.“ Eigentlich würde Jannis auch jetzt schon lieber Rennen als Trial fahren, doch das ist seinen Eltern noch zu gefährlich. „Meine Frau Michaela und ich wollten ihm den Wunsch Motorsport aber nicht verwehren“, sagt Andreas Stark. „Deshalb bin ich im Internet auf Trial gestoßen. Als Jannis sich einige Youtube-Videos angesehen hatte, war er von diesem Sport begeistert.“ Zum Training und den Wettkämpfen begleitet ihn vor allem sein Vater. „Das ist so die Männerschiene“, sagt Andreas Stark. „Meine Frau war damals mit unseren Töchtern bei Reitturnieren. Wenn sie Zeit hat, kommt sie aber auch gerne mit.“

Beim MSV Preetz wird der Felmerholzer von Trainer Hauke Wandrowsky geschult. „Er treibt mich an, auch mal etwas zu wagen, denn ich bin eher ein vorsichtiger Fahrer“, sagt Jannis Stark. Einen ersten Sturz hat er auch schon hinter sich. In einer Sektion beim Nord-Cup in Mecklenburg-Vorpommern hatte Jannis Stark eine Kuppe am Berg übersehen. „Dann habe ich mit dem Gas zu viel Schmackes gegeben – und plötzlich lag ich unter der Maschine.“ Seine Gas Gas TXT wiegt glücklicherweise nur 58 Kilogramm, kommt ohne Sattel aus und hat nur einen geringen Luftdruck in den Reifen. Vater Andreas hatte sie bei den ebay-Kleinanzeigen in Dithmarschen entdeckt und sofort zugeschlagen, „denn so viele Maschinen dieser Art gibt es hierzulande nicht.“ Jannis erinnert sich: „Meine Mutter sagte, ich solle noch einmal mit dem Hund rausgehen, was ich schon komisch fand. Und dann kamen mein Vater mit mein Onkel plötzlich mit einem Anhänger um die Ecke gefahren.“

Eingeteilt werden die Trial-Fahrer nicht nach Alter, sondern nach Können, wobei es sechs Leistungsklassen gibt. Noch fährt Jannis in der Klasse sechs. Ziel für nächstes Jahr ist aber der Aufstieg in die Klasse fünf. Dafür muss er am Ende der Saison eine bestimmte Punktzahl in seinem Leistungsheft vorweisen, oder es sich zutrauen, in der höheren Klasse neben den erfahreneren Teilnehmern zu bestehen.

Während in den Wintermonaten mit einem Trial-Fahrrad trainiert wird, geht es von März bis Oktober auf das Motorrad. „Schön wäre, wenn wir hier in der Gegend irgend ein Gelände finden könnten, auf dem Jannis zwischendurch außerhalb der Vereinstrainingszeiten trainieren kann“, sagt Andreas Stark. „Um richtig gut zu werden, muss er regelmäßig fahren. Vielleicht findet sich ja ein sportbegeisterter Landwirt mit einem entsprechenden Gelände, der uns dort fahren lässt, und Jannis auf diese Art mitfördern möchte.“ Los geht es für Jannis Stark wieder am 12. April mit dem Nord-Cup in Bobitz und am 9. Mai mit dem 1. Schleswig-Holstein-Cup in Schleswig. Bis dahin heißt es noch reichlich zu üben.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen