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Eckernförde Classics : Geschichte auf vier Rädern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Traumautos und historische Raritäten rollten bei den 13. Eckernförde Classics über die Hafenmeile. Waldemar Behn gab dabei Informationen zu jedem einzelnen Fahrzeug.

Eckernförde | Bereits zum 13. Mal fanden am Wochenende die Eckernförde Classics statt, und wieder waren die 120 verfügbaren Plätze ausgebucht. Fritz Gey, 1. Vorsitzender des Vereins „Eckernförde Classics“ wertete das als gutes Zeichen, das Programm sah Ausfahrten nach Schleswig inklusive Schifffahrt auf der „Schlei Princess“ zum Schöneberger Strand mit Besichtigung der Museumsbahn vor. Auch die traditionelle „Prinz-Heinrich-Fahrt“ durch Schwansen mit Empfang am Herrenhaus Hemmelmark war wieder fester Programmpunkt.

Der Sonnabendmorgen war den Freunden des Automobils vorbehalten, die in Scharen zum Hafen kamen, um die Oldtimer zu bewundern. Einige Teilnehmer scheute auch eine weite Anreise nicht: Alexander Dietrich zum Beispiel kam mit seinem Motorrad, einer BMW R25/2 aus dem Jahr 1953, aus dem 550 Kilometer entfernten Siegen.

Als ältester Teilnehmer mit 85 Jahren wurde Karl-Peter Nielsen aus Bredstedt begrüßt. „Ich bin seit Anfang an dabei und nahm bereits an den 1. Eckernförde Classics 1998 teil, damals allerdings mit einem Mercedes“, sagte er. „Heute fahre ich nicht mehr selbst, mit meiner Frau Ilona habe ich eine wunderbare Chauffeurin für unser DKW F93 Cabrio.“ Überhaupt sind die meisten Teilnehmer sogenannte „Wiederholungstäter“, wie Waldemar Behn, 2. Vorsitzender des Vereins und souveräner Moderator der Veranstaltung, feststellte: „Etwa 60 Prozent aller Teilnehmer sind entweder von Beginn an oder zumindest wieder dabei, manchmal auch mit einem anderen Fahrzeug.“


Autokenner Behn stellt jedes Auto vor


Und so rollten pünktlich um 10 Uhr die ersten Fahrzeuge auf der Hafenmeile an den Start. Waldemar Behn stellte alle Fahrzeuge einzeln vor. Dabei waren wieder verschiedene Ford A, wovon es laut Behn „noch viele weltweit gibt, denn Ford startete mit diesem Modell seine Großserienproduktion“. Stilecht gekleidet saß eine Familie aus Niedersachsen in ihrem Opel P4 aus dem Jahr 1936, der als eine Art „Volkswagen der 30er-Jahre“ in die Automobilgeschichte eingegangen ist. Auch zwei Fahrzeugmodelle der Marke Hanomag waren vertreten. Waldemar Behn wusste, dass Hanomag bis in die 40er-Jahre auch Pkw baute, die Karosserien allerdings von der Firma Karmann aus Osnabrück gefertigt wurden. Der Hanomag Garant aus dem Jahr 1936 wurde mit sogenannten „Selbstmördertüren“ gebaut, diese Türen öffneten nach vorn und boten – schlecht geschlossen – stärkerem Wind kaum Widerstand.


Vom Traumcabrio bis zum „Stasi-Auto“


Mit einem Traumcabrio Modell 321 aus dem Hause BMW setzte sich die Autokarawane fort. Viele Besonderheiten folgten, so besaß ein DKW aus dem Hause Autounion noch funktionierende Winker, so nannte man damals die Fahrtrichtungsanzeiger. Dass die vier Ringe des Audi-Logos ursprünglich für den Zusammenschluss der vier Autohersteller Wanderer, DKW, Horch und Audi zur „Autounion“ standen, wusste Behn ebenso zu berichten, wie die Geschichte um das kleine Mäuschen, das den Grill des italienischen Topolino (italienisch für „Mäuschen“) ziert. Viele weitere bekannte Automarken folgten: Borgward Isabella, die VW-Käfer-Serie in vielerlei Ausführungen, wundervoll restaurierte Karmann Ghia und amerikanische Racer. Eine lange Riege der Mercedes-Fahrzeuge schloss sich an, und auch ein typisches „Ost-Auto“ stand in der Reihe: ein russischer Wolga aus dem Jahr 1969, der in der DDR gern als Bonzenfahrzeug eingesetzt wurde und als „Stasi-Auto“ einen eher unguten Ruf erhielt.

Viele Fahrzeugmodelle der Opel-Werke, perfekt erhaltene Autos von BMW, Bentley und schicke Jaguar – jeder Autonarr kam auf seine Kosten. Es wurde fotografiert, gefachsimpelt und Beifall geklatscht, wenn die Teilnehmer am Start von Waldemar Behn mit einem „Gute Fahrt“ auf die Tour zum Schöneberger Strand verabschiedet wurden.


Ur-Urenkel von Prinz Heinrich überreichen Urkunden


Leider wartete dort nicht das autofreundlichste Wetter, so dass die Oldtimerbesitzer froh waren, bei dem einsetzenden Starkregen ihre Fahrzeuge vor Ort unterstellen zu können. Der Sonntagmorgen bescherte noch dazu ein kräftiges Gewitter, und die Organisatoren befürchteten, dass weder Zuschauer noch Teilnehmer in großer Zahl am Hafen erscheinen würden. Tatsächich kamen 70 Auto-Interessierte an den Hafen, um trotz Regen die ungefähr 80 anwesenden Oldtimer zu bestaunen, die von dort aus auf die traditionelle „Prinz-Heinrich-Fahrt“ zum Gut Hemmelmark starteten. Der ehemalige Wohnsitz von Prinz Heinrich, Bruder des letzten deutschen Kaisers, bildet jedes Mal den Abschluss der Veranstaltung und das nicht von ungefähr: Der automobilbegeisterte Prinz Heinrich ist als Erfinder des Scheibenwischers in die Autogeschichte eingegangen.

In diesem Jahr wurden erstmals die Begrüßung und die Übergabe der begehrten Urkunden an die Classics-Teilnehmer durch die Ur-Urenkel von Prinz Heinrich, Leopold und Ferdinand von Posern, übernommen. Waldemar Behn zeigte sich mit der Veranstaltung äußerst zufrieden: „Wir haben ausschließlich positive Resonanz durch die Teilnehmer erfahren. Alle lobten die tolle Veranstaltung und die Super-Organisation, und immer wieder hörten wir, dass jeder gerne wieder nach Eckernförde kommen wird.“

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erstellt am 24.Jul.2017 | 05:44 Uhr

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