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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 04:33 Uhr

Gesänge entführen in Mystik

vom

Konzert des bulgarischen Vokaloktetts "The Gregorian Voices" in der St. Elisabeth Kirche sorgt für Begeisterung

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

damp | Absolute Stille herrschte in der St. Elisabeth Kirche, als die acht Sänger des Vokal oktetts "The Gregorian Voices" den Kirchenraum betraten. Die Kapuzen der dunklen Mönchsgewänder tief ins Gesicht gezogen - ihr Anblick flößte beim Betrachter unweigerlich Respekt ein und ließ die Spannung auf das bevorstehende Konzert steigen. Eine mystische Atmosphäre verbreitete sich, unterstützt durch den in violettes, schmales Licht getauchten Altarraum.

Rund 100 Besucher hatten am Montagabend den Weg in die katholische Kirche gefunden, um sich eine Darbietung der besonderen Art anzuhören - gregorianische Gesänge. Das Programm, klassisch-gregorianische Choräle, orthodoxe Kirchengesänge, polyphone Lieder, Madrigale der Renaissance und des Barock sowie ausgewählte Klassiker der Popmusik, versprach Meisterliches - die Gesangssolisten aus Bulgarien unter der Leitung von Georgi Pandurov enttäuschten ihr Publikum nicht.

Gregorianischer Choral ist der einstimmige, unbegleitete liturgische Gesang der katholischen Kirche in lateinischer Sprache, dessen Lieder von geistlicher Tiefe geprägt sind. Ihre meditative Stimmung ist dennoch auch für den weltliche Zuhörer spürbar.

Sie verharrten einen Moment lang in Demut, bevor sie die Kapuzen abnahmen und mit dem Choral "Ave Maria" aus dem 9. bis 12. Jahrhundert begannen. Zunächst noch leise und eher ehrfürchtig erklangen die Stimmen durch das Gotteshaus. Noch verhielt sich das Publikum ruhig und lauschte gebannt den Harmonien, die den Zuhörer in einen Klangteppich einhüllten - wenn er sich entspannen konnte und sich auf den tragenden A capella-Gesang einließ.

Der zunächst leise Gesang steigerte sich deutlich beim Choral "Adoro Te devote" aus dem 9. bis 12. Jahrhundert. Die einzelnen Stimmen erklangen mal lauter, mal leiser und schienen in der Kirche zu vibrieren. Jeder der älteren Besucher fühlte sich spätestens in diesem Moment an den Kinofilm "Der Name der Rose" mit Sean Connery in der Rolle des Franziskaner-Mönches erinnert und verspürte ein leichtes Kribbeln auf der Haut.

Begeisterten Beifall klatschte das Publikum nach den altslawischen orthodoxen Gesängen "Terirem" und Polielej" von Joan Kukusel (1280 bis 1360). Das sollte sich im Laufe des Abends im zweiten Teil nach der Pause noch steigern.

Bereits von einer eher fröhlichen Stimmung getragen waren die Madrigale aus der beginnenden Neuzeit, bevor die acht Sänger klassische Popsongs in einem gregorianischen Arrangement zu Gehör brachten. Ihrer Konzentration auf den Gesang tat auch ein mehrfaches Klingen eines Handys keinen Abbruch.

Ihre Interpretation von "Halleluja" von Leonhard Cohen sorgte für eine derartige Begeisterung, dass es sehr viele Zuschauer nicht länger auf den Sitzen hielt. Bei "Imagine" von John Lennon löste sich ein wahrer Begeisterungssturm. Auch bei Ursula Ramspott aus Seevetal. Die 63-Jährige, die seit 33 Jahren Urlaub auf dem Campingplatz Booknis macht, kam spontan zu dem Konzertbesuch und bereute diesen keine einzige Sekunde. "Es ist wie das Rauschen der Wellen, man lebt auf." Erst nach der dritten Zugabe entließ das Publikum die Sänger und tauchte wieder in die Wirklichkeit ein. Der Regen hatte gerade aufgehört.

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