150 Jahre Amtsgericht Eckernförde : Gericht mit preußischen Wurzeln

Amtsgerichte in Feierlaune – neben vielen weiteren besteht auch das Amtsgericht Eckernförde seit 150 Jahren.
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Amtsgerichte in Feierlaune – neben vielen weiteren besteht auch das Amtsgericht Eckernförde seit 150 Jahren.

Das Amtsgericht Eckernförde feiert am 1. September sein 150-jähriges Bestehen. Gründungswelle 1867 durch preußische Monarchie

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01. September 2017, 06:22 Uhr

Eckernförde | Wenn die Preußen etwas anpacken, dann gründlich. So war es auch 1867 nach dem Deutschen Krieg von 1866 zwischen dem Deutschen Bund unter Führung Österreichs und dem siegreichen Preußen. Preußen-König Wilhelm verordnete seinen neuen Provinzen im hohen Norden, den ehemaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein, eine neue Gerichtsbarkeit nach preußischem Vorbild. Aus diesem Grund feiern am 1. September 2017 nahezu alle Amtsgerichte des Landes ihr 150-jähriges Jubiläum. Auch das Amtsgericht Eckernförde an der Reeperbahn.

Zurück ins Gründungsjahr 1867. Das preußische Justizministerium schickte zur Erkundung der Lage Justizamtmann Krüger nach Eckernförde. Er inspizierte und bewertete die Gebäudesubstanz, die Leistung der Angestellten und und machte handschriftliche Aktennotizen in Sütterlin-Schrift. Amtsgerichtsdirektor Dr. Kai Thomsen hat die alten Einträge und Dokumente ausfindig gemacht und zusammengestellt, um die Entwicklungsgeschichte seines Hauses genau nachvollziehen zu können. Eckernförde hatte damals 4800 Einwohner, Bürgermeister Nissen (40, „nicht unbefähigt und brauchbar“) war gleichzeitig Polizeimeister. Sein „Stadtsecretair“ (56, „nicht befähigt, aber noch brauchbar“) kam nicht ganz so gut weg. Ein gutes Zeugnis erhielt Hardesvogt von Zülow (44), „ein sehr wohlbefähigter und zuverlässiger Beamter“. Er stand der Eckernförder Harde vor, zu der „etwa 60 adlige Güter des Dänisch Wohlder und des Schwansener Distrikts mit circa 30  000 Eingesessenen“ gehörten. Die städtischen Gefängnisse, so der Justizrat, seien „mittelmäßig“.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und neuer Gesetzgebung gab es 70 Amtsgerichte im Norden, drei Landgerichte in Altona, Kiel und Flensburg sowie ein Oberlandesgericht in Kiel, dem auch Eckernförde zugeordnet wurde. 1873 bezog das Amtsgericht das Gebäude an der Reeperbahn, das später abgerissen und 1922 durch einen Neubau ersetzt wurde, in dem bis heute erstinstanzliche Urteile im Namen des Volkes verkündet werden. Eckernförde gehörte zu den wenigen Amtsgerichten in Schleswig-Holstein, die auch während des Zweiten Weltkriegs weiterbestanden. Unter britischer Besatzung ging es nach Kriegsende weiter nach dem Motto ... „The following Amtsgerichte may try civil causes ...“ – man traute den Deutschen noch nicht so recht über den Weg.

Doch das änderte sich schnell. Das Amtsgericht als zuständige Justizbehörde für den Kreis Eckernförde wurde zu einer anerkannten Einrichtung, in der nicht nur Urteile gesprochen wurden, sondern vielfältige Dienstleistungen und Beratungsangebote vom Grundbucheintrag bis zur Nachlass- und Betreuungsregelung für die Bürger vorgehalten wurden. Anfangs gehörte zum Gerichtsgebäude, in dem der Leiter der Justizwachtmeisterei, Henning Thede, wohnte, noch ein großer Garten. Thede fing schon mal entlaufene Häftlinge eigenhändig wieder ein und ließ Insassen im Gerichtsgrten arbeiten.

Durch Umstrukturierungen und neue Gesetze erhöhte sich die Aufgabendichte, die einen Anbau erforderlich machte, der 1975 für 3,5 Millionen Euro fertiggestellt wurde. Nach der Auflösung der Amtsgerichte in Gettorf (1978) und Kappeln (2007) übernahm das Amtsgericht Eckernförde auch deren Zuständigkeiten. Derzeit ist Eckernförde für rund 90  000 sogenannte „Gerichtseingesessene“ in 49 Gemeinden zuständig – und ist trotzdem das kleinste Amtsgericht im Land.

Der 2013 berufene Amtsgerichtsdirektor Dr. Kai Thomsen, der zuvor von 2004 bis 2006 als Projektleiter im Justizministerium die Amtsgerichtsstrukturreform ausgearbeitet hatte, freut sich über den Gestaltungsspielraum, den die Leitung des Hauses bietet. So hat er den Eingangsbereich mit einer Metalldetektor-Schleuse bestückt, um die Sicherheit der Beschäftigten und Besucher zu erhöhen und ein Behinderten-WC bauen lassen, in den Fluren finden sich Fotoausstellungen und es ist ein Mediationsraum in Planung.

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