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Freie Fläche mit Meerblick : Geplatzte Hotelpläne, gesperrter Parkplatz

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kein Baurecht auf der Freifläche am Südstrand neben der WTD 71: Investorin aus Leverkusen bleibt auf der Brachfläche sitzen. Sie möchte dort ein Hotel bauen, die Stadt lehnt ab – keine Bebauung im Außenbereich.

Eckernförde | Die Lage ist 1a. Unverbaubarer Meerblick mit direktem Zugang zum Strand. Es gibt nicht nur Ambitionen, sondern bereits fertige Baupläne für ein neues Strandhotel, das aber nach Stand der Dinge niemals errichtet wird. Die etwa 25 mal 50 Meter große Fläche an der B 76 wird aller Voraussicht nach eine abgezäunte Brachfläche in bester Lage an der Eckernförder Küstenstraße bleiben, weil sich die Besitzerin Krimhilde Mann aus Leverkusen, die das Grundstück im März 2011 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) für eine angeblich sechsstellige Summe gekauft hat, und die Stadt Eckernförde nicht auf eine Nutzung einigen konnten. Nachdem die Stadt den Pachtvertrag für die Fläche wegen mehrerer und vor allem sehr deftiger Pachterhöhungen, wie Bürgermeister Sibbel anmerkte, zum 30. Juni 2015 gekündigt hat, darf dort nicht einmal mehr geparkt werden. Stillstand am Südstrand.

Ursprünglich wollte die Stadt das Gelände vom Bund erwerben, um dort einen Wohnmobilstellplatz anzulegen. 25  000 bis 30  000 Euro wollte man für die Fläche zahlen. Doch die Bima gab das Gelände in die Auktion, der Preis kletterte und kletterte. Die Stadt stieg aus, Krimhilde Mann stieg ein – und bekam den Zuschlag für ein Vielfaches der Summe, die die Stadt zahlen wollte. „Dass auf dem Gelände keine Bebauung vorgesehen war, war Frau Mann von vornherein bekannt“, versicherte Bürgermeister Jörg Sibbel auf Anfrage. Die Investorin kaufte trotzdem. „Das war rein spekulativ, es war dort keine Bebauung vorgesehen“, sagte der Geschäftsführer der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH, Stefan Borgmann.

Offenbar rechnete sich Krimhilde Mann doch etwas aus. Schließlich war nur wenige Jahre zuvor auch die gegenüberliegende Wohnanlage Sandkrug errichtet worden, daneben gibt es drei weitere Bestandsgebäude. Und es gab offenbar positive Rückmeldung in einer ersten Besprechung „in großer Runde mit den Verantwortlichen der Stadt“, wir Krimhilde Mann mitteilte. Ein Hotelneubau sei dort als vordringlich erachtet worden. Mann beauftragte daraufhin einen Eckernförder Architekten, der eine Planung für den Planungs- und Gestaltungsbeirat entwarf. „Der Gestaltungsbeirat befürwortete einstimmig eine Hotelplanung und fand, dass das Projekt als Entree der Stadt Eckernförde größer und imposanter gestaltet werden sollte, um den Besucher mit einer Ferienanlage statt mit einer militärischen Anlage zu empfangen“, betonte die Investorin. Im folgenden Bauausschuss gab es im nicht-öffentlichen Teil bei der Abfrage eines Stimmungsbildes ebenfalls eine Mehrheit von einer Stimme für dieses Projekt. „Wir wurden mit der Auflage entlassen, weitere Entwicklungen im Erscheinungsbild des Hotelentwurfes vorzunehmen. Unsere Planung bezog sich auf ein Hotel mit Spa, im Frontgebäude sollten gesundheitliche Anwendungen, Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten und Kunst für alle angeboten werden. Im Untergeschoss waren ein Schwimmbad mit Meerblick, der Spa-Bereich sowie Parkmöglichkeiten geplant. Hotelzimmer und Appartements sollten zum Meer hin entstehen, während die Dachterrasse mit außergewöhnlichem Blick für besondere Events genutzt werden sollte“, gibt Krimhilde Mann einen Eindruck von dem, was geplant war. „Leider wurde eine erneute Vorstellung dieser Entwürfe im Bauausschuss abgelehnt, weil die Stadtverwaltung dort die Erstellung eines Bebauungsplans nicht mehr in Betracht zog. Unsere Vorschläge wurden nicht mehr gesichtet.“ Auch eine andere Nutzung als Parkplatz, Wohnmobilplatz, Bootabstellplatz,Verkaufsplatz für Waren durch Marktfahrzeuge sei abgelehnt worden, so die Investorin.

Der Rest ist bekannt: Nachdem die Stadt den Mietvertrag des Parkplatzes zum 30. Juni 2015 gekündigt hat, hat die Eigentümerin das Grundstück aus Haftungsgründen geschlossen. „Wegen der vertrauten Nutzung dieser Fläche als Durchgang zur Ostsee und als Parkfläche löste diese Maßnahme große Betroffenheit und Protest bei den Strandbesuchern aus, leider zum Teil auch heftige Aggressionen“, berichtete Krimhilde Mann.

Aus Sicht der Stadt sprechen nach Auskunft von Bürgermeister Jörg Sibbel mehrere Gründen gegen eine Bebauung:

> Das Gelände befindet sich baurechtlich im Außenbereich der Stadt, die als „anbaufreie Zone“ eingestuft ist. Das heißt, dort soll eigentlich überhaupt nicht gebaut werden. Wenn doch, bedarf es einer Sondergenehmigung durch das für die B 76 zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr, die aber nach Auskunft des Bauamtes im Regelfall abgelehnt wird. In dem Bereich gibt es allerdings vier Wohngebäude und die WTD 71, für die offenbar derartige Sondergenehmigungen erteilt worden sind. Als Stadteingang gilt nicht etwa das Ortseingangsschild am Rundpavillon oder das Sandkruggebäude, sondern der Seegarten. Dort steht das unscheinbare Ortsdurchfahrtsschild (OD), das auf den Stadteingang hinweist. Davon gibt es fünf Stück. Alle Straßen innerhalb dieser Schilder müssen von der Stadt unterhalten werden, alle Straßen außerhalb vom Kreis, Land oder Bund. Im Falle der B 76 vom Bund und damit stellvertretend vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

> Neue Ein- und Ausfahrten an Bundesstraßen sind genehmigungspflichtig, zuständig auch hier das Landesamt.

>Das Grundstück befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet und grenzt an das Flora-Fauna-Habitat-(FFH-)Gebiet Strand.

Sibbels Fazit: „Die Fläche steht für eine Bebauung nicht zu Verfügung“. Derzeit ist das teuer bezahlte Grundstück weder für die Investorin noch für die Stadt nutzbar.

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erstellt am 25.Sep.2015 | 06:27 Uhr

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