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Früherkennung: Riesebyer appelliert an alle Männer : Gemeinsam gegen den Krebs

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Riesebyer Hans-Joachim Fricke hatte Prostatakrebs und leitet jetzt eine Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige

von
erstellt am 21.Okt.2017 | 06:15 Uhr

Viele merken zunächst nichts. Erst wenn der Harnstrahl schwächer wird oder der Urin rot ist, schöpft der Betroffene Verdacht. Beides kann Folge einer vergrößerten Prostata sein, eine ganz normale Alterserscheinung. Die Diagnose kann aber auch Prostatakrebs lauten. Laut Robert-Koch-Institut erkranken jährlich weit über 60  000 Männer. Es ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. In frühen Stadien ist der Krebs sehr gut heilbar. Hans-Joachim Fricke (72) ist seit Februar Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Rendsburg-Eckernförde vom Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS). Im Interview mit EZ-Redakteur Achim Messerschmidt sprach der Riesebyer über sein Ehrenamt und die Krankheit.

Für wen ist die Selbsthilfegruppe gedacht? Wer kann an den Treffen teilnehmen?
Jeder Mann kann an unseren Treffen teilnehmen, ganz egal, ob er bereits eine Diagnose erhalten hat oder nicht. Aber auch die Partnerin oder der Partner sind willkommen, da sie mittelbar ebenso betroffen sind. Oftmals sitzt der Schock tief bei den Männern und sie können in dieser Situation nicht alle Informationen aufnehmen, da ist es gut, wenn die Partnerin dabei ist.

Ihre Selbsthilfegruppe informiert, berät und betreut Betroffene. Inwieweit hilft dieser Austausch den Männern?
Sie sehen, dass sie nicht alleine sind, sondern dass es Mitstreiter, Leidensgenossen gibt, die das gleiche Problem haben oder es sogar behoben haben. Die Männer können sich vor einem operativen Eingriff über die verschiedenen Therapieformen informieren, erfahren deren Vor- und Nachteile. Durch unsere vielfältigen, persönlichen Erfahrungen können wir auffangend, beratend und begleitend Hilfeleistungen geben, egal ob es ein gut- oder bösartiger Tumor ist. Wir nehmen uns Zeit für jeden Betroffenen, wer nicht in der Gruppe offen sprechen möchte, kann dies unter vier Augen tun. Vertraulichkeit ist unser oberstes Gebot

2010 bekamen Sie Prostatakrebs. Wie haben Sie die Diagnose aufgenommen?
Mein Großvater war schon Prostatiker. Ich war regelmäßig bei der Früherkennung, als gelernter Krankenpfleger kannte ich mich auch mit der Krankheit aus. Es wurde festgestellt, dass mein PSA-Wert im Laufe der Jahre anstieg. Dann wurde eine Gewebeprobe entnommen, also eine Biopsie gemacht. Zwei der Proben waren positiv. Obwohl ich um die Risiken, das heißt Inkontinenz und Einschränkung oder sogar Verlust der Erektionsfähigkeit wusste, habe ich mich schnell für eine Operation entschieden. Ich wollte einfach, dass der Krebs entfernt wird. Heute würde ich nicht mehr so unüberlegt handeln.

Nur wenige Männer gehen zur Vorsorge. Warum sind Männer Vorsorge-Muffel?
Das kann ich nicht sagen. Vielleicht ist es die Angst vor der Diagnose. Tatsächlich nehmen Frauen viel regelmäßiger ihre Früherkennungstermine wahr. Wenn man bedenkt, wie akribisch manche Männer ihr Auto waschen und pflegen, ist das nicht nachzuvollziehen, dass sie ihre eigene Gesundheit vernachlässigen.

Wie kann man bereits erste Anzeichen erkennen?
Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Blut im Urin können Anzeichen auf eine Veränderung der Prostata sein. Dadurch, dass die Prostata immer weiter wächst, wird mit der Zeit die Harnröhre immer enger- Es kommt zu Blasenentleerungsstörungen und nächtlichem Harndrang. Eindeutige Warnsignale gibt es aber nicht. Da der Tumor im Anfangsstadium keine Beschwerden verursacht, ist die Früherkennung so wichtig. Männer ab 45 sollten daher einen Termin machen. Es gibt die palpatorische Untersuchung, bei der der Arzt die Prostata ertastet und eine Veränderung feststellen kann. Der aus einer Blutprobe ermittelte PSA-Wert dient ebenfalls der Früherkennung von Prostatakrebs (PSA steht für prostata-spezifisches Antigen, ein Eiweiß, das in der Vorsteherdrüse gebildet wird, Anmerkung der Redaktion). Eine Schwäche des PSA-Tests besteht aber darin, dass auch gutartige Veränderungen und Entzündungen zu einem erhöhten PSA-Wert führen. Viel aussagekräftiger als der PSA-Wert allein ist indes sein zeitlicher Verlauf. Hat er sich aber innerhalb von ein oder zwei Jahren stark erhöht, dann sollte man eine Gewebeprobe entnehmen. Aber Vorsicht, auch Radfahren oder Geschlechtsverkehr kurz vor der Untersuchung können eine PSA-Wert-Erhöhung verursachen.

Wird Prostatakrebs diagnostiziert, welche therapeutischen Möglichkeiten stehen dann zur Wahl?
Die Besonderheit von Prostatakrebs ist, dass er extrem langsam wächst. Ein Prostatakrebs ist rund zehn Jahre nach einer frühen Diagnose noch nicht lebensbedrohlich. Wer also die Diagnose bekommt, hat noch genug Zeit, sich zu informieren, zum Beispiels in einer der Selbsthilfegruppen, eine zweite Meinung einzuholen und abzuwägen. Abwarten und regelmäßige Kontrollen sind manchmal die bessere Wahl. Neben dem chirurgischen Eingriff gibt es noch die Bestrahlung oder den Hormonentzug. Wenn alternative Methoden nicht anschlagen, kann man immer noch operieren.

Was bedeutet die Erkrankung für die Partnerschaft?

Inkontinenz und Impotenz können die Folge einer Operation sein, das Ausmaß hängt davon ab, inwieweit die Nerven bei der OP erhalten werden konnten. Da der innere Blasenschließmuskel entfernt wird, muss der äußere Schließmuskel dessen Funktion mitübernehmen. Das erfordert Zeit und entsprechendes Training. Das lernt man während der Reha, die man im Anschluss an die Operation besucht. Meine Sexualität ist eingeschränkt, das bedeutet einen Verlust an Lebensqualität und auch Frust. Da ist es wichtig, dass eine Partnerin da ist, die dich auffängt. Sehr hilfreich ist da die Psychoonkologie, die sich mit den sozialen Folgen und Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung befasst.

 


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