Loch im Porteminnaie : Gemeindehaus Wulfsteert stellt den Betrieb ein

Im Gemeindehaus Wulfsteert haben sich verschiedene Gruppen getroffen – vom Missionskreis bis zur MS-Gruppe.
Im Gemeindehaus Wulfsteert haben sich verschiedene Gruppen getroffen – vom Missionskreis bis zur MS-Gruppe.

Strukturelles Defizit zwingt Kirchengemeinde St. Nicolai zu Sparmaßnahmen.

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03. Juli 2015, 06:27 Uhr

Die Kirchengemeinde St. Nicolai hat ein Loch im Portemonnaie: 255  800 Euro erhält sie an jährlichen Zuwendungen vom Kirchenkreis, benötigt aber 80  000 Euro mehr. Dieses strukturelle Defizit konnte bislang aus der Ausgleichsrücklage beglichen werden, doch diese Quelle versiegt jetzt: Nur noch 75  000 Euro sind übrig, es muss gespart werden. Deshalb wird der Betrieb im Gemeindehaus am Wulfsteert zum 1. September vorerst eingestellt.

Dass dieser Beschluss des Kirchengemeinderates nicht nur Beifall bei den Gemeindegliedern findet, wurde bei der vorgezogenen Gemeindeversammlung am Montagabend in der St.-Nicolai-Kirche deutlich, bei der Pastor Dirk Homrighausen die Situation erläuterte und Anke Siemsen die finanzielle Lage erklärte.

Eigentlich sollte das Gemeindehaus am Wulfsteert umgestaltet und saniert werden. Ein Gutachten ergab Kosten in Höhe von 700  000 Euro – zu viel für die Gemeinde, die in ihren nicht zweckgebundenen Rücklagen zusammen 600  000 Euro liquide Mittel hat. Außerdem würde das laut Dirk Homrighausen nicht die Zustimmung des Kirchenkreises finden, der bei solchen Rechnungen eine Wirtschaftlichkeitsprüfung verlange.

Die Idee des Gemeinderates erläuterte Pastor Homrighausen: „Das gemeindliche Leben geht auch weiter, wenn wir die Angebote vom Wulfsteert auf die anderen Gebäude verteilen: Kirche, Grünes Haus, Langlohaus und Brookhörn.“ Der Kindergarten bleibe im Wulfsteert. „Die Alternative ist, dass wir kein Geld mehr haben, um unsere Arbeit aufrecht zu erhalten.“

Die Kirchengemeinde hat eine Projektstudie in Auftrag gegeben, die klären soll, wie am besten mit dem Wulfsteert verfahren werden soll. Homrighausen könnte sich vorstellen, dass ein Verkauf von Gemeindehaus und Pastorat empfohlen wird. „Wir müssen endlich passende Strukturen haben.“ Inhaltliche Schwerpunkte seien wichtiger, als nur noch Immobilien zu verwalten.

„Warum der Wulfsteert?“, wollte Gemeindeglied Bernd Kuczynski wissen. Auch das Gemeindehaus im Brookhörn habe einen großen Sanierungsbedarf und sei deutlich abgängig. Und auch das Langlohaus in der Kieler Straße Süd sei nicht besser dran. Im Wulfsteert dagegen habe man in direkter Nachbarschaft den Kindergarten und die bald einzige Grundschule in Eckernfördes Süden. „Das ist doch Substanz.“ Sein Vorschlag: „Wir geben das Langlohaus ab. In der super Lage bekommen wir es sofort verkauft.“ Im Gegenzug könne das Gemeindehaus im Wulfsteert saniert werden. Kuczynski schlug eine Abstimmung in der Kirchengemeinde vor.

Pastor i.R. Erhard Seredzius wollte an die Wurzel des Problems: „Seit 1977 hat die Nordkirche 1,1 Millionen Mitglieder verloren.“ 3000 davon, schätzte er, zähle St. Nicolai seither weniger. „Wir müssen überlegen, was wir tun können, um dem Trend entgegenzuwirken. Wie wirkt es denn, wenn die Kirche ihre Häuser verkauft, weil sie sie nicht mehr füllen kann?“ Er forderte ein Konzept für die nächsten Jahre und einen Neubau für den Wulfsteert.

Auch Martin Braun sprach sich für den Erhalt des Gemeindehauses im Wulfsteert aus. Gerade an dieser Stelle sei kirchliche Präsenz wünschenswert. Und über den Kindergarten und die Grundschule erreiche man die jungen Gemeindeglieder, die ihre Eltern mit sich zögen.

Nicht zuletzt Uwe Stiller von der Gemeinschaft in der Landeskirche meldete sich zu Wort: Sie habe ihr Haus in der Gartenstraße verkauft und suche ein neues Zuhause. Vielleicht könne sie das kirchliche Leben am Wulfsteert aufrecht erhalten.

Pastor Dirk Homrighausen ging auf alle Fragen ein und bestätigte, dass die Schließung des Gemeindehauses „nicht das endgültige Aus für den Wulfsteert“ bedeute, wenn die Projektstudie zu einem anderen Ergebnis komme. Aber die laufenden Kosten überträfen die der anderen Häuser. Sollten alle Häuser weiter bestehen bleiben, werde sich die Gemeinde den derzeitigen Personalstand nicht leisten können.

Die beim Architekten des Kirchenkreises in Auftrag gegebene Projektstudie wird demnächst vorliegen. Die nächste Gemeindesitzung findet am 18. Juli statt.

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