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Eckernförder Zeitung

18. August 2017 | 20:32 Uhr

Verantwortung : Gemeinde in der Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Brodersbyer Wehrführer legen der Gemeindevertretung eine Feuerwehrbedarfsplanung vor. Für Brodersby haben sie zu wenig Aktive am Tag und unzureichende Einsatzfahrzeuge festgestellt.

Brodersby | Auf dem Papier stehen die Freiwilligen Feuerwehren Brodersby und Schönhagen-Höxmark gut da. Sie haben jeweils 27, beziehungsweise 26, aktive Mitglieder. Dennoch schlagen Gemeindewehrführer Björn Steffen (Wehrführer Schönhagen) und sein Vertreter Matthias Schlömer (Wehrführer Brodersby) Alarm. Tagsüber stehen jeweils nur etwa drei Einsatzkräfte zur Verfügung, die mit Fahrzeugen ausrücken, die mit je 600 Liter Wasser an Bord zu wenig Wasser mitführen. „Es gibt Probleme“, sagen Steffen und Schlömer mit Nachdruck und legten der Gemeindevertretung am Montagabend ihre Feuerwehrbedarfsplanung vor.

Die Feuerwehrbedarfsplanung ist ein Mittel, um Auskunft über die Einsatzbereitschaft einer Feuerwehr zu bekommen, erläuterte Bürgermeister Christian Schlömer (CDU). „Für die Einsatzbereitschaft, also Ausstattung mit Material und ausgebildetes Personal, ist die Gemeindevertretung verantwortlich“, stellte Gemeindewehrführer Steffen in seinem Bericht klar fest.

Rechtsverbindlich sei ein Bedarfsplan nicht, allerdings würden Gerichte im Falle eines Unfalls im Nachhinein schauen, wie die Gemeinde ihrer Verpflichtung zur Erhaltung der Einsatzbereitschaft nachkam, so Schlömer. Quasi mit Bekanntmachung der Bedarfsplanung ist die Gemeindevertretung in der Pflicht zu handeln. „Viel Spiel Spielraum haben wir nicht“, machte Maren Block (CDU) deutlich. Und auch Dieter Olma (demIni) stellte fest, dass die Gemeindevertreter kaum Alternativen hätten, um andernfalls mit ihrem Privatvermögen zu haften. Er kritisierte allerdings die Vorschriften des Brandschutzgesetzes, welches Gemeinden Auflagen mache, gleichzeitig aber die Umsetzung durch die Gemeinde erschwere.

Der Feuerwehrbedarfsplan war durch die Wehrführer erstellt worden, da seit der letzten Erfassung 2011 zahlreiche bauliche Veränderungen neu erfasst werden mussten, erklärte Steffen. Beispielsweise wurde eine Freiflächen Photovoltaikanlage errichtet, einige landwirtschaftliche Betriebe wurden erweitert und der Wohnungsbestand stieg an. Mit der Helios Schlossklinik habe man zudem immer eine große Brandlast. Die Auswertung ergab, dass die beiden Wehren die Hilfsfrist gut einhalten, dass aber gerade zwischen 8 und 16 Uhr zu wenige Aktive im Ort sind, so Steffen. Problematisch sei zudem, dass für den Ersteinsatz an einem Brandort die Einsatzfahrzeuge zu wenig Wasser mit sich führen. Gerade in den ersten Minuten müssten Menschen aus den Objekten gerettet werden, dazu bräuchten die Atemschutzträger Unterstützung durch ausreichend Wassereinsatz. Kräfte, um neben dem Löschen und Retten der Menschen noch eine Wasserversorgung aufzubauen, fehlten tagsüber in der ersten Hilfsfrist. Verstärkung käme später ausreichend nach. Um die Engpässe tagsüber zu kompensieren, werden schon direkte Nachbarwehren in Karby und Schuby mit alarmiert, ergänzte Dieter Schulz, der jüngst von Matthias Schlömer als Wehrführer abgelöst worden war. Das sei aber ausgereizt.

Versuche der Wehren mehr Aktive zu gewinnen seien bislang wenig erfolgreich gewesen, so Steffen. Vor etwa zwei Jahren hatten sie alle Haushalte angesprochen, zwei Mitglieder konnten so gewonnen werden. Mit ihrem Vortrag wollten sie den Gemeindevertretern ganz klar ihre Verantwortung für eine leistungsfähige Wehr vor Augen führen, so Steffen. Jeder solle in seinem Bekanntenkreis aktiv für die Wehren werben, ideal wäre eine eigene Mitgliedschaft, wie es Bürgermeister Christian Schlömer vormache.

Die Gemeindewehrführer schlugen vor, alle Gewerbebetriebe im Ort anzuschreiben, um um aktive Mitgliedschaften zu bitten. Zudem sollten Mitarbeitern, die Feuerwehrmitglieder anderer Wehren sind, tagsüber eine Einsatztätigkeit in Brodersby ermöglicht werden . Einstimmig wurde der Feuerwehrbedarfsplan angenommen. Es folgen nun Gespräche der Wehrführung samt Bürgermeister mit Kreisbrandmeister Mathias Schütte. „Gemeinsam wollen wir nach Lösungen suchen“, sagte Schütte auf EZ-Nachfrage. Für die Umsetzung des Bedarfsplans hätten Gemeinden etwa eine Legislaturperiode Zeit. In jedem Fall müssten Gemeinden geeignete Lösungen anschieben und erkennbar am Abbau von Problemen arbeiten, so Schütte, der die Probleme kennt, vor denen vor allem ländliche Gemeinden stünden.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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