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anlieger empört : Gemeinde fällt Wald für neues Baugebiet

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach einer Diskussion in der Einwohnerfragestunde und in der Sitzung beschloss der Gemeinderat Barkelsby am Donnerstag den Aufstellungsbeschluss für die Erweiterung des Baugebiets „Am Redder“. Für den Wald wird eine Ausgleichsfläche geschaffen.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2015 | 05:49 Uhr

Das Interesse an der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend war groß. Bis auf den letzten Platz war der Versammlungsraum im Gemeindetreff besetzt. Grund des starken Bürgerinteresses war der Tagesordnungspunkt 12 „Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 10 für den Bereich Erweiterung Baugebiet Am Redder“.

Zwölf Wohneinheiten befinden sich in dem Gebiet. Die Gemeinde plant jetzt die Erweiterung um sechs Bauplätze. Dafür soll das Waldstück, das sich an der Grenze des Bereichs Richtung Barkelsby erstreckt, abgeholzt werden. Die Erweiterung und die Abholzung stellen für Hauke Jess, Anlieger im Redder, mehr als ein Ärgernis dar. Er nutzte die Einwohnerfragestunde und wies darauf hin, dass bei der Ausweisung des Bereichs als Baugebiet unter dem damaligen Bürgermeister Wolf-Dieter Ohrt von einer Erweiterung nicht die Rede gewesen sei. Das sei deutscher Wald, der nicht abgeholzt werde, habe es damals geheißen. „Für mich ist ein Wort gebrochen. Ich hätte so das Grundstück nicht gekauft“, so Jess, der eine Zunahme des Straßenverkehrs um 50 Prozent befürchtet. Unterstützung in seiner Kritik, dass man die Anlieger vorab nicht beteiligt habe, erhielt er von Marko Kaminski, ebenfalls Anlieger im Redder. Als Besitzer des ersten Grundstückes sei er „ganz stark von den Veränderungen betroffen“, so Kaminski. „Wie das hier abläuft, ist nicht in Ordnung“, sagte der Barkelsbyer.

Nach dem Baugesetzbuch, gemäß Paragraf 13, könne von der frühzeitigen Unterrichtung der Öffentlichkeit abgesehen werden, erläuterte Godber Peters vom Amt Schlei-Ostsee. Dafür sei die Fläche einfach zu klein. Liege der Aufstellungsbeschluss vor, bleibe es jedem Bürger unbenommen, Stellung zu dieser Planung zu beziehen, so der Verwaltungsfachmann. „Die Öffentlichkeit hat alle Möglichkeiten, Stellungen abzugeben“, sagte Peters. Sei es im Amt, wo der Beschluss vier Wochen lange ausliege, oder übers Internet, Bauleitplanung online – jede Stellungnahme werde genau protokolliert.

Auf den Hinweis vom Marko Kaminski, „Man richtet keinen Waldschutzstreifen ein, wenn man dort bauen will“, antwortete Bürgermeister Fritz-Wilhelm Blaas (FWB), dass es sich um gemeindeeigenes Land handele, das entgegen aller Vermutungen keine Ausgleichsfläche darstelle. Auch sei das Thema nicht ganz neu, man habe bereits vor über einem Jahr über mögliche Bauplätze gesprochen. Gleichzeitig sagte der Bürgermeister: „Wir haben über die Führung der Straßentrassen nur nachgedacht und nichts festgelegt.“

Bebauung von Innenflächen vor Außenflächen – das sei die Vorgabe von Land und Kreis, so Blaas. Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen, so der Bürgermeister: „Wir sind nicht die Waldkiller der Nation“, bekräftigte er. Für das Abholzen der 5000 Quadratmeter großen Waldfläche werde eine Ausgleichsfläche von 7500 Quadratmetern geschaffen.

Unterstützung erhielt er vom Bauausschussvorsitzende Sönke Greve (FWB). „Wir sind in einer finanziellen Zwangslage“, begründete er die Entscheidung für die Erweiterung des Baugebiets Am Redder. Die Gemeinde habe große finanzielle Aufgaben vor sich (wir berichteten), die so einfach nicht zu bewältigen seien. Ansonsten müsse man die Steuern erhöhen. „Wie sollen wir das dem Bürger vermitteln?“, fragte Greve. „Glaubt es uns – wir machen es uns nicht leicht“, sagte er mit Nachdruck.

Vor der Abstimmung über den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan Nr. 10 „Erweiterung Baugebiet Am Redder“ gab der erste stellvertretende Bürgermeister, Oliver Nießler (SPD), zu bedenken, dass man erst das Ergebnis des Siedlungsentwicklungsplan, den man Minuten vorher gerade beschlossen habe, abwarten solle. Dieser beinhalte eine Siedlungspotenzialanalyse, die vielleicht noch andere Möglichkeiten aufweise. Der zweite stellvertretende Bürgermeister, Gerhard Jordan (CDU), verriet, dass er angesichts der Absicht, den Wald abzuholzen, Bauchschmerzen habe, aber mit Blick auf die Finanzen der Gemeinde werde er dafür stimmen. Mit neun Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen votierte das Gremium für den Aufstellungsbeschluss.

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