Musikfestival : Gelungener Auftakt: Drei Könner für drei Trios

Der Beifall wollte nicht enden für Daniel Müller-Schott, Baiba und Lauma Skride (v.li.)
Der Beifall wollte nicht enden für Daniel Müller-Schott, Baiba und Lauma Skride (v.li.)

Schleswig-Holstein Musik Festival – das erste Konzert der Saison im Kuhhaus Altenhof

Avatar_shz von
11. Juli 2016, 06:00 Uhr

Altenhof | Mit drei Klaviertrios kamen am Sonnabend drei Meister ihres Fachs ins Kuhhaus von Altenhof. Beim Anblick von Lauma Skride (Klavier) und Baiba Skride (Violine) ging spontan ein erfreutes Raunen durch den voll besetzten Saal. Man hatte die beiden Schwestern aus Riga, ihr Können wie ihr natürliches Auftreten vor einiger Zeit hier schon einmal erlebt. Zu ihnen gesellte sich Cellist Daniel Müller-Schott mit seinem kostbaren Instrument von 1727. Alle drei jungen Instrumentalisten auf internationalen Podien umjubelt und in zahlreichen weltweiten Spitzen-Orchestern anzutreffen – das war eine große Freude, sie in Altenhof live zu erleben.

Bei den drei Komponisten Haydn, Dvorák und Brahms ahnte man schon zu Beginn, welche musikalischen Kostbarkeiten einen erwarteten. Die drei Klaviertrios gaben den Instrumentalisten dann auch viel Raum, um ihre Sensibilität, ihre Leidenschaft, das Kraftvolle wie Sanfte und Zarte mit großer Geste auszuspielen.

Man mochte sich wundern, warum dabei überhaupt Notenmaterial aufgeschlagen war, waren Geigerin und Cellist doch häufig mit geschlossenen Augen in allen Klangwelten unterwegs oder nach innen konzentriert auf optisches Nirgendwo. Am Flügel hatte es derweil die (männliche) „Blätterfee“ nicht grad leicht, für Lauma Skride bei Zeiten das Blatt zu wenden. Die Pianistin war mit solcher Verve und so ungeahnten Geschwindigkeiten unterwegs, dass sie oft auch noch schnell selber zur nächsten Notenseite blätterte.

Aber irgendwann mochte man nicht mehr zuschauen. Irgendwann holten einen die Faszination der Klänge, der Rausch der Musik ein, war man nur noch Gehör, schwangen schließlich alle inneren Saiten mit, gab man sich hin.

In Haydns „Zigeunertrio“ (G-Dur Hob. XV:25) verführte gleich zu Beginn der Schmelz der Geige, leicht und leise wie in den Wind gesungen, dann eingeholt vom beseelten Spiel des Cellos, und im letzten Satz ging es schließlich putzmunter und tänzelnd durch alle Notenlinien, fröhlich begleitet von perlenden Klavierpassagen – bis hin zu einem vehementen, leidenschaftlichen vorgetragenen Finale.

Dvoráks „Dumky-Trio“ (e-moll op.90) erschien in seiner emotionalen Wirkung unausweichlich: eine hereinschwebende Geigenmelodie gepaart mit der Süße eines Cello-Mondenscheins ließ das Vogelzwitschern in den Baumkronen als selbstverständliche Ergänzung gelten. Tief Luft holen, um diese Kunst aus unterschiedlichen Klangnuancen, träumeleichten Höhenflügen und plötzlich überraschendem Teufelstanz überhaupt zu verkraften. Schließlich Brahms‘ 1. Klaviertrio (H-Dur op.8) - ein jubelndes Publikum, das sich nur noch durch das heiße Stückchen Schostakowitsch- Zugabe wieder erden ließ.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen