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Gericht : Geldstrafe für einen Stich in die Wade

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine 45-Jährige hat einem 31-Jährigen mit drei Promille ein Messer in die Wade gerammt. Doch der ist ihr nicht böse, akzeptiert ihre Entschuldigung. Trotzdem musste sie sich jetzt vor Gericht verantworten.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 06:36 Uhr

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Und so hatte der Richter des Amtsgerichts gestern auch seine liebe Mühe, zwei Zeugen zum Krächzen zu bringen, um etwas Licht ins Dunkel der Obdachlosenunterkünfte in der Ostlandstraße zu bringen.

Es war der 13. Dezember 2012, als eine 45 Jahre alte Frau aus Schleswig einem Bewohner der Obdachlosenunterkunft mit einem Messer und 3,02 Promille Alkohol im Blut in die Wade stach, weshalb sie sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste.

Zu dritt hatte man den 31. Geburtstag des Geschädigten gefeiert und dabei eine Kiste Bier geleert. Dabei kamen sich die Frau und das Geburtstagskind näher und küssten sich. Doch immer wieder besonn sich die Frau, deren Partner nur zwei Türen weiter wohnte, eines Besseren und schob den 31-Jährigen weg. Im nächsten Moment vergaß sie ihre Skrupel jedoch und küsste ihn wieder. Einige Male ging das so. Doch dann hatte sie anscheinend wirklich keine Lust mehr. Sie unterstrich das, indem sie beim nächsten Annäherungsversuch ein kleines Messer vom Wohnzimmertisch nahm und es dem 31-Jährigen in die Wade stieß.

„Plötzlich spürte ich Schmerzen, und da blutete mein Bein auch schon“, schilderte der Geschädigte, der auf die Angeklagte nicht böse sei. „Sie hat sich hinterher mehrmals entschuldigt, und ich habe die Entschuldigung angenommen.“ Weil die Wunde nicht aufhörte zu bluten, rief das Trio einen Krankenwagen. Die Wunde wurde mit drei Stichen genäht.

Die Anklage durch die Staatsanwaltschaft konnte sich einzig auf die polizeilichen Vernehmung nach dem Vorfall und die nur wenig aufklärende Aussage des Geschädigten stützen. Die Angeklagte erschien ohne Verteidiger vor Gericht und schwieg während der gesamten Verhandlung, und auch der Bekannte, in dessen Wohnung das Trio gefeiert hatte, hatte nichts gesehen und gehört. Stattdessen beschwerte sich der 62-Jährige lautstark, dass man ihm die Zeit stehle. Er habe schließlich Besseres zu tun. Er wurde mit einem Formular zur Fahrtkostenerstattung entlassen, platzte aber kurz darauf wieder in den Gerichtssaal – gerade, als der Staatsanwalt sein Plädoyer hielt. Das ignorierte der Zeuge und ging zielstrebig auf den Richter zu: „Das ist das falsche Formular“, beschwerte er sich. „Ich halte hier gerade mein Plädoyer“, wies ihn der Staatsanwalt erbost zurecht. „Jaja, können Sie ja auch“, war die Antwort.

Der Staatsanwalt attestierte der Angeklagten wegen des Blutalkoholgehalts von 3,02 Promille eine verminderte Schuldfähigkeit und ging von einem einmaligen Fehlverhalten aus. Vorstrafen hat die 46-Jährige nämlich nicht. Wegen gefährlicher Körperverletzung forderte er eine viermonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der Richter legte ein anderes Strafmaß fest: 120 Tagessätze zu je zehn Euro. Das ist zwar eine mildere Strafe, aber eine, die der Angeklagten weitaus mehr wehtun dürfte.

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