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Tonne statt Sack? : Gelbe Tonne für die Innenstadt nicht in Sicht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Immer wieder gibt es Probleme mit dem Gelben Sack, doch eine Lösung scheint nur politisch und mit Gebührenerhöhung möglich zu sein.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2017 | 05:42 Uhr

Eckernförde | Ein altes Thema kocht wieder hoch: Können die dünnen und immer wieder von Vögeln aufgepickten Gelben Säcke für die Wertstoffsammlung nicht gegen Tonnen ausgetauscht werden? Der Anlass ist diesmal ein anderer: Unbekannte hatten in der Nacht auf Gründonnerstag zwischen Alter Post und Förde Sparkasse alle Gelben Säcke aufgerissen und den Müll in der Fußgängerzone verteilt. Das war ein Einzelfall, doch die Möwen zeigen täglich, dass es dafür keiner Randalierer bedarf.

Die Entsorgung des Plastikmülls ist ein Zusammenspiel dreier Beteiligter: Kommunale Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR), Duales System (ELS Europäische Lizensierungssysteme) und Entsorger (Remondis). Die AWR als öffentlich-rechtliches Unternehmen vergibt alle drei Jahre den Recycling-Auftrag an einen privatwirtschaftlichen Betreiber des Dualen Systems, von denen es zurzeit zehn in Deutschland gibt. Dieser Betreiber wiederum vergibt den Auftrag zur Abholung des Plastikmülls an ein Unternehmen. „Aus Kostengründen sind die Dualen Systeme daran interessiert, dass es bei dem Gelben Sack bleibt“, erklärt AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt. „Denn die Ausschreibungszeit beträgt nur drei Jahre, und der Systembetreiber weiß, dass danach auch jemand anders den Auftrag erhalten kann. Für diese drei Jahre wird er keine 100  000 Tonnen im Kreis aufstellen.“

Ganz anders, wenn der Kreis die Tonnen auf eigene Kosten kauft. „Das wäre eine politische Entscheidung“, so Hohenschutz-Schmidt. Finanziert werden könnte das über eine Erhöhung des Abfallentgelts. Der AWR-Chef gibt jedoch zu bedenken, dass es nicht nur Befürworter der Gelben Tonne gibt: „Die eine Hälfte sagt: ‚Endlich die Tonne.’ Die andere Hälfte sagt: ‚Bloß nicht noch ein Gefäß vor der Haustür.’“

Als Alternative schlägt er Unterflursysteme vor, bei denen der Müll unterirdisch gelagert wird. Zumindest in „attraktiven Gebieten“, wie Fußgängerzonen. „Da kann nichts wegfliegen oder jemand nachts die Tonnen umwerfen. Die Investitionskosten allerdings sind so hoch, dass zum Beispiel die Politik in Eckernförde von dieser Lösung rund um die St.-Nicolai-Kirche Abstand genommen hat“.

Die Gelbe Tonne wird also in absehbarer Zeit nicht kommen, stattdessen könnte zumindest das Aufreißen der Säcke in der Innenstadt vermieden werden, indem die Säcke erst kurz vor ihrer Abholung vor die Tür gelegt werden und nicht schon am Abend zuvor. Eine Verlegung der Abholzeiten von 7 auf 10 Uhr hatte Anwohnerin Heidi Bröcker deshalb angeregt, da erst dann auch wirklich alle Geschäftsleute vor Ort sind. Doch dieser Idee erteilt Kai Hauschild, Betriebsstellenleiter des Abfallunternehmens Remondis in Schleswig eine Absage: „Wir holen absichtlich so früh die Gelben Säcke ab, weil wir uns später mit dem Anlieferverkehr in die Quere kämen.“ Zudem seien um diese Zeit schon viele Menschen zum Einkaufen unterwegs. Die Fahrzeuge würden so viel Zeit verlieren, dass das Auftragsvolumen nicht mehr geschafft werden könnte.

Bleibt noch der Einsatz dickerer Säcke, die von Möwen nicht aufgepickt werden können, doch auch hier schwindet die Hoffnung: „Die zurzeit verwendeten Säcke stellen den Standard mit einer Mindestdicke dar, die durch die Dualen Systeme vorgegeben wird“, erklärt Ralph Hohenschurz-Schmidt. Die dünnen Säcke sind günstig und verhindern, dass sie zweckentfremdet werden. Hohenschurz-Schmidt: „Aber sie erfüllen den Standard, und der ist für eine Tallage in Süddeutschland genauso definiert wie für ein Windgebiet an der Küste.“

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